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Nordkoreas Raketen: Spur führt nach Russland

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Atomwaffen - Nordkoreas Raketen: Spur führt nach Russland

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Die von Nordkorea getesteten Raketen scheinen russischen Iskander-Raketen sehr ähnlich zu sein. Hat die Führung in Pjöngjang sie nachgebaut - oder lieferte Russland Komponenten?

Raketentest in Nordkorea
Raketentest in Nordkorea
Quelle: Reuters

Nach den Tests von drei nordkoreanischen Raketen in der vergangenen Woche analysieren Experten deren Aufbau und Flugbahn bis ins letzte Detail. Sie wollen Aufschluss darüber, wie Nordkorea sie herstellte und ob es dabei möglicherweise Hilfe von außen hatte - was nach den UN-Sanktionen verboten ist. So viel ist klar: Dieser erstmals von Nordkorea getestete Typ einer ballistischen Boden-Boden-Rakete scheint sehr ähnlich aufgebaut zu sein wie die atomwaffenfähige russische Iskander-Rakete. Diese hat Moskau seit 2006 in seinem Arsenal und setzt sie unter anderem in Syrien ein.

Möglicherweise über Drittland eingeführt

Es sei eine eindeutige Nähe zu russischer Technologie zu erkennen, sagt Marcus Schiller, ein Experte für nordkoreanische Raketen. Das heiße nicht, dass Russland sie an Nordkorea geliefert habe. Möglich sei aber, dass Komponenten dafür über ein Drittland nach Nordkorea gelangt seien und dort vor Ort die Hülle, der Raketenkörper, hergestellt worden sei.

Entscheidend ist, dass man kein neues System fertigstellen kann, ohne davor eine Reihe von Entwicklungsschritten zu absolvieren. Ich habe keine Hinweise auf solche Aktivitäten gesehen
Michael Elleman, Atomwaffenexperte

Michael Elleman, Abrüstungs- und Atomwaffenexperte vom Internationalen Institut für Strategische Studien, sagt, es seien weitere Analysen der Raketentests nötig, bevor man sagen könne, ob die Raketen in Russland produziert wurden. Sollten die Flugbahn und andere Faktoren von den bekannten Iskander-Daten abweichen, sei es eher wahrscheinlich, dass sie bis zu einem gewissen Grad in Nordkorea selbst hergestellt wurden. Allerdings wäre das Land dafür auf technische Hilfe von außen angewiesen gewesen, schränkt auch er ein. "Entscheidend ist, dass man kein neues System fertigstellen kann, ohne davor eine Reihe von Entwicklungsschritten zu absolvieren. Ich habe keine Hinweise auf solche Aktivitäten gesehen."

Raketen erstmals 2018 bei Parade präsentiert

Nordkorea wäre nicht das erste Land, das eine Iskander nachbaut. Unter anderem hat das Nachbarland Südkorea eine an die Iskander angelehnte Rakete entwickelt - die Hyunmoo-2. China hat auch eine ähnliche Rakete, bekannt als DF-12 oder M20, die es auch exportiert - unter anderem an Katar. Die nun in Nordkorea verwendeten Raketen waren 2018 bei einer Militärparade erstmals präsentiert worden. Jetzt wurden sie - soweit bekannt ist - erstmals getestet.

Erste Berichte deuten darauf hin, dass zumindest eine dieser Raketen eine ähnliche Flugbahn hatte wie die Iskander. Diese ist so konzipiert, dass sie in einer flachen Flugbahn auf einer Höhe von rund 40 Kilometern fliegt und auch während des Fluges noch die Richtung anpassen kann. Diese Eigenschaften sind für Nordkorea besonders interessant, denn sie könnten Schwächen der amerikanisch-südkoreanischen Raketenabwehr ausnutzen, die sich auf die beiden Systeme Patriot und THAAD stützt.

US-Stützpunkt mit 28.000 Soldaten erreichbar

Die Iskander kann sehr schnell gestartet werden und ihr Ziel erreichen, was es schwer machen würde, sie im Ernstfall noch am Boden zu zerstören. Im Kriegsfall könnte sie etwa US-Stützpunkte in Südkorea angreifen, wo rund 28.000 US-Soldaten stationiert sind. Viele von ihnen leben dort mit ihren Familien, ebenso wie zivile Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums.

Vor den Tests am vergangenen Samstag und am Donnerstag hatte Nordkorea seit Ende 2017 keine Raketen mehr abgefeuert und auf diplomatischer Ebene über ein mögliches Ende seines Atomwaffen- und Raketenprogramms verhandelt. Vorerst scheint Machthaber Kim Jong Un auch nicht daran gelegen, wieder Langstreckenraketen zu testen, die auch das US-Festland erreichen könnten, und damit die Tür zu Verhandlungen möglicherweise wieder zu verschließen. Doch mit den Tests der Kurzstreckenraketen baut Kim die Gefechtsbereitschaft seines Militärs weiter methodisch aus.

Iskander auch Grund für Spannungen zwischen Nato und Russland

Die Iskander ist seit langem ein Grund für Spannungen zwischen Russland und der Nato in Europa. US-Präsident Donald Trump nannte sie auch als Grund, warum er im Februar aus dem 1987 geschlossenen INF-Vertrag ausstieg. Dieser verbietet Produktion, Tests und Einsatz von Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern. Nach Darstellung Moskaus liegt die Reichweite der vom russischen Militär verwendeten Version Iskander-M aber unmittelbar darunter, weshalb sie nicht unter den INF-Vertrag falle.

Für den Export verwendete Russland eine abgeschwächte Variante mit geringerer Reichweite, die auch nur einen kleineren Sprengkopf tragen kann, die Iskander-E. Diese verkaufte es an Algerien und Armenien. Exporte in den Iran, nach Libyen, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien sowie Malaysia waren im Gespräch.

Ein Verkauf nach Nordkorea wäre allerdings illegal, egal in welcher Variante, sagt Siemon Wezeman vom Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstitut, das den weltweiten Waffenhandel untersucht. Seit dem ersten Atomtest Nordkoreas 2006 besteht ein Waffenembargo, das Lieferungen von Waffensystemen wie Boden-Boden-Raketen verbietet. UN-Sanktionen verbieten zudem die Weitergabe aller ballistischen Raketen und dazugehöriger Technologie an Pjöngjang.

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