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Internationale Sanktionen - Nordkorea: Durch Zwangsarbeit ans große Geld

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Wegen internationaler Sanktionen darf Nordkorea eigentlich nichts mehr verkaufen. Durch Zwangsarbeit in mehreren Ländern verdient Pjöngjang aber trotzdem sehr gut - bis zu 425 Millionen Euro jährlich. Eine Hochburg ist das chinesische Hunchun. Dort produzierte Waren gelangen auch in deutsche Läden.

"Es ist mehr als nur ein Krieg der Worte", sagt ZDF-Korrespondent Thomast Reichart über den aktuellen Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. "Verbale Abrüstung" gehöre nicht zu Trumps Stärken, so ZDF-Korrespondent Daniel Pontzen.

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Wer Fisch und Meeresfrüchte kauft, finanziert damit unter Umständen unwissentlich Nordkorea und sein Atomwaffenprogramm. Zudem unterstützt er damit möglicherweise Zwangsarbeit. Nordkorea schickt Tausende Arbeiter in die gesamte Welt. Ganz vorne mit dabei ist Hunchun, eine chinesischen Stadt im Dreiländereck mit Nordkorea und Russland. Dort fanden sich unter anderem Verpackungen von Aldi.

Waren von Zwangsarbeitern in der EU

Pjöngjang erwirtschaftet damit schätzungsweise zwischen 200 und 500 Millionen Dollar (170 und 425 Millionen Euro) pro Jahr. Das wäre ein erklecklicher Beitrag zum Atomwaffen- und Raketenprogramm des Landes, das nach südkoreanischen Schätzungen ein Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar hat.

Dass nordkoreanische Arbeiter weltweit unter teils sklavenähnlichen Bedingungen eingesetzt werden, wurde verschiedentlich dokumentiert. Neu ist jedoch, dass die von ihnen hergestellten oder verarbeiteten Produkte trotz aller Sanktionen nach Deutschland, Kanada, in die USA und andere Länder der Europäischen Union gelangen.

Immer unter Aufsicht

Ein Brennpunkt ist China. Dort sind Heerscharen von nordkoreanischen Arbeitern beschäftigt. Sie dürfen die umzäunten Wohngelände nicht ohne Erlaubnis verlassen, müssen paarweise oder in Gruppen von ihren Unterkünften zu den Fabriken gehen - unter Aufsicht nordkoreanischer Aufpasser. Von ihrem Lohn bekommen sie nur einen Bruchteil - bis zu 70 Prozent fließen an die Regierung von Machthaber Kim Jong Un. Neben der Verarbeitung von Fisch und Meeresfrüchten produzieren die Nordkoreaner in chinesischen Fabriken Holzparkett und nähen Kleidung.

Etwa 3.000 Nordkoreaner arbeiten in Hunchun. In einer Fabrik arbeiteten die Menschen, während aus den Lautsprechern nordkoreanische Polit-Parolen dröhnten. Eine Frau bestätigte eine Journalisten, dass sie und einige ihrer Kollegen aus Pjöngjang kämen. Dann näherte sich ein Aufpasser und befahl ihr, zu schweigen. Der Manager des Unternehmens bestritt, dass man nordkoreanische Arbeiter angeworben habe und wollte sich nicht weiter äußern. Andere chinesische Unternehmen in Hunchun reagierten überhaupt nicht auf Anfragen.

Walmart wil keine Produkte mehr aus Hunchun

Lieferdokumente belegen, dass mehr als 100 Container mit Fisch und Meeresfrüchten - darunter Eismeerkrabben, Lachsfilet und Tintenfischringe - aus chinesischen Fabriken mit nordkoreanischen Arbeitern in die USA und nach Kanada geliefert wurden. Meist wird der Fisch in neutralen Packungen geliefert. Aber einige Lieferungen aus China waren bereits in den Packungen großer Supermarktketten verpackt, darunter Walmart oder Sea Queen, die Seafood-Marke des Discounters Aldi.

Aldi äußerte sich nicht. Walmart-Sprecherin Marilee McInnis erklärte, man habe seinen Lieferanten bereits vor einem Jahr verboten, Waren aus Hunchun zu beziehen, nachdem eine Überprüfung Probleme mit Fremdarbeitern ergeben habe. "Der Kampf gegen Zwangsarbeit ist ein komplexes Problem, das weder ein Unternehmen noch eine Regierung allein bewältigen kann", sagte sie.

Die Lieferkette ist lang

Auch die Verpackungen anderer deutscher Supermarktketten fanden sich in den Fabriken in Hunchun. Die Rewe-Gruppe, zu der auch Penny gehört, erklärte, ihr Vertrag mit dem Unternehmen in Hunchun sei im Sommer planmäßig ausgelaufen. Die Rewe-Gruppe habe bereits 2011 eine Leitlinie verabschiedet, in der Zwangsarbeit verurteilt werde, sagte ein Sprecher und fügte an: "Wir lehnen diese verabscheuungswürdige Praxis ab. Sollten uns Fälle von Zwangsarbeit bei Lieferanten bekannt werden, führt das zur Beendigung der Lieferantenbeziehung durch uns."

Der US-Importeur The Fishin' Company in Munhall im Staat Pennsylvania erklärte, man habe die Handelsbeziehungen zu Verarbeitungsbetrieben in Hunchun mittlerweile abgebrochen und im Sommer die letzte Lieferung erhalten. Fisch kann allerdings bis zu einem Jahr in der Lieferkette unterwegs sein.

In den USA drohen strafrechtliche Konsequenzen

Nordkoreaner schuften aber auch auf Baustellen in arabischen Golfstaaten, auf Werften in Polen, bei Holfällarbeiten in Russland oder auf Fischerbooten unter der Flagge Uruguays. Insgesamt wird ihre Zahl auf rund 100.000 geschätzt. Ungeachtet der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und der massiven Abzüge vom Lohn sind die Jobs im Ausland bei Nordkoreanern sehr begehrt.

Amerikanische Firmen dürfen keine Produkte importieren, die von nordkoreanischen Arbeitern irgendwo in der Welt produziert werden. Wer dagegen verstößt oder vom Einsatz dieser Arbeiter profitiert, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. US-Zoll und Grenzschutz, die für die Einhaltung dieser Vorschriften zuständig sind, äußerten sich auf Anfrage nicht. Zahlreiche Firmen im Westen erklärten auf Anfrage der AP, Zwangsarbeit und eine mögliche Unterstützung Nordkoreas durch ihre Lieferketten sei inakzeptabel. Man werde das überprüfen.

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