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Ukraine-Konflikt - "Das Normandie-Format funktioniert nicht"

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Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine in Paris: Aleksej Katschko ist wenig optimistisch. Der ukrainische Ex-Soldat sieht kaum Chancen auf einen friedlichen Ausweg.

Archiv: Ukrainische Soldaten auf einem Truppentransporter.
Archiv: Ukrainische Soldaten auf einem Truppentransporter.
Quelle: DPA

Aleksej Katschko (24) hat zwei Jahre lang als Freiwilliger gegen die Separatisten in der Ost-Ukraine gekämpft. Die Waffen hat er abgelegt, doch der Unternehmer und Politikstudent will weiter für eine freie Ukraine kämpfen. Er will etwas in seiner Heimat bewegen. Auf das jetzt stattfindende Normandie-Treffen in Paris blickt er mit Sorge. 

heute.de: Wie sehen Sie die Bemühungen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, den Krieg in der Ost-Ukraine zu beenden?

Aleksej Katschko: Wenn sich unsere Truppen aus unseren Gebieten zurückziehen, ist das falsch, es ist nicht das Ende des Krieges. Früher haben wir geglaubt, dass dieser Krieg irgendwann enden wird, dass es zu einem Sieg für uns kommen würde. Doch heute, mit der derzeitigen Regierung sehen wir keine Perspektive des Sieges. Heute sehen alle nur, wie wir vor unserem Feind kapitulieren.

heute.de: Das heißt, Sie halten die aktuelle Politik für gefährlich?

Katschko: Als wir vor fünf Jahren international überall nach Hilfe gesucht haben, haben uns die Europäer und Amerikaner als kleines Land angesehen, das sich der Aggression eines größeren und mächtigeren Staates entgegenstellt. Heute kann man den Einfluss von Russland auf Präsident Selenskyj und sein Umfeld sehr deutlich sehen.

heute.de: Welche Chancen sehen Sie derzeit für einen Frieden in der Ost-Ukraine?

Katschko: Die Wahlresultate zeigen, dass die Menschen kriegsmüde sind. Sie wollen ein normales Leben führen, aber ich bezweifle, dass das passieren wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Zukunft durch meine Stadt, durch mein Land, Menschen laufen, die früher auf mich geschossen und meine Freunde umgebracht haben. Darum ist solch ein Frieden, der gerade von mehreren Seiten gefordert wird, für mich nicht akzeptabel. Für mich zählt nur unser Sieg oder die Kapitulation Russlands. Die beste Option wäre es, wenn Russland die Truppen abziehen und wir unsere Gebiete wieder zurückholen würden. Das Mindeste aber was passieren muss, ist, dass wir die Grenze unter Kontrolle haben.

heute.de: Was muss passieren, um einen akzeptablen Kompromiss zu erreichen?

Katschko: Meine einzige Hoffnung ist die Unterstützung von Europa und den USA. Sie müssen Druck auf Russland ausüben. Die Ukraine alleine wird das nicht schaffen. Aber wie die Praxis zeigt, übt Europa nicht mehr so starken Druck auf Russland aus. Früher hat sich eine Mehrheit der Länder gegen die Aggression Russlands ausgesprochen, jetzt gibt es unterschiedliche Meinungen dazu. Hinzu kommen die Spannungen in den Beziehungen mit den USA, wegen der Kommunikation unseres Präsidenten. Das ist für unser Land auch nicht gut.

heute.de: Glauben Sie, dass die Friedensgespräche im Normandie-Format die Situation verändern können?

Katschko: Das Normandie-Format ist nicht effektiv, auch die Minsker Abkommen haben nichts gebracht. Ich bin seit 2014 im Krieg, wir wurden seitdem vom Feind immer mehr eingekreist, immer mehr Raum wurde uns genommen, zum Beispiel in Debalzewe. Laut dem Minsker Friedens-Abkommen wäre es unser Gebiet gewesen, aber es wurde uns einfach abgenommen und wir konnten nichts machen. Das Normandie-Format braucht Europa mehr als die Ukraine. Die Europäer wollen, dass es eine diplomatische Lösung des Konflikts gibt. Aber das wird leider nicht passieren.

heute.de: Was erwarten Sie vom Normandie-Treffen?

Katschko: Ich denke, dass Russland beim Normandie-Treffen schamlos seine harten Bedingungen diktieren wird. Europa wird versuchen, das abzumildern, um eine Parität zu erreichen. Aber ich sehe bei unserem Präsidenten keinen starken Willen, die ukrainischen Interessen zu verteidigen und unsere nationalen Interessen nicht zu verraten.

Das Interview führte ZDF-Reporter Christian Semm aus dem ZDF-Studio Moskau.

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