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Elektroautos in Norwegen - Moderner Antrieb durch alte Energie

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Norwegen fördert Elektromobilität wie kein anderes Land in Europa. Mehr als die Hälfte der Neuzulassungen 2017 haben mindestens einen Hybridantrieb. Der Umstieg ist teuer. Doch das Haushaltsloch können die Norweger locker auffangen - durch den Export von Gas und Öl.

Die Kanzlerin hat es vergangene Woche verkündet, obwohl es längst alle wussten: Das Ziel, eine Million Elektroautos bis zum Jahre 2020 auf deutschen Straßen, ist verfehlt - deutlich. Es fehlt an Förderung, an Infrastruktur und am politischen Willen.

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Norwegen ist das erste Land in Europa, in dem Autos mit Elektro- und Hybridantrieb bei Neuzulassungen in der Mehrheit sind. Im Juni 2017 stieg ihr Anteil auf 53 Prozent. Und die norwegische Regierung will noch viel mehr: Ab 2025 soll kein Auto mehr, das in Norwegen verkauft wird, mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden.

Elektro-Metropole Oslo

Die Autos schnurren durch die Straßen; kein Lärm, kein Dreck. Die Kunden der Taxifahrer freuen sich über die Ruhe während einer Fahrt in einem Elektroauto. Allein in Oslo gibt es 400 Ladestationen mit 800 Ladepunkten. Einfache Haushaltssteckdosen, an denen die Autos über Nacht geladen werden - für drei Euro. In vielen Straßenzügen Oslos stehen sie aufgereiht, sind ganz normales Stadtbild geworden. Währen des Schwimmbadbesuchs schnell das Auto aufladen? Nicht nur in Oslo gar kein Problem. Norwegen hat mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern ähnlich viele Ladesäulen wie das viel bevölkerungsreichere Deutschland.

Wieviel Förderung braucht die Elektromobilität?

Der Staat verzichtet zwar auf eine direkte Prämie für den Kauf eines Elektroautos, aber Autos mit Verbrennungsmotor sind im direkten Vergleich deutlich teurer. Der Grund: für Autos mit Verbrennungsmotor fällt neben der Mehrwertsteuer eine zusätzliche Kaufsteuer von bis zu 85 Prozent an. Im Stadtverkehr wird das Elektroauto eindeutig bevorzugt: oft dürfen Elektroautos gratis parken, Busspuren befahren und sie werden von der Maut befreit, die auf vielen Schnellstraßen erhoben wird.

Der Umstieg auf die elektrische Mobilität hinterlässt im Staatshaushalt jedes Jahr ein Loch von rund 420 Milliarden Euro - eben wegen des Wegfalls der Kaufsteuer.
Aber Gas- und Ölexporte spülen kontinuierlich wieder viele Milliarden in die Staatskasse.
Von einer "Überförderung" der Elektroautos spricht deshalb kaum jemand im reichen Norwegen. Kritiker bemängeln aber, dass die Verkehrswende zur Elektromobilität ausgerechnet auf die "alte Energie" Öl gebaut ist.
Übrigens: Norwegen ist über den milliardenschweren Staatsfonds unter anderem auch an den deutschen Autobauern beteiligt, die ihr Geld fleißig noch mit dem Verbrennungsmotor verdienen.

Zukunft der Elektromobilität in Norwegen

Der konservative Klimaminister Vidar Helgesen schätzt, dass in etwa fünf Jahren die staatliche Förderung in Etappen zurückgenommen werden könne. Ob dann der Absatz der Elektroautos sofort stark abnimmt - darüber streiten Politik und Verkehrsexperten und haben auch ein wenig Angst davor. Denn in Dänemark brach der Umsatz von Elektroautos nach der Streichung von Steuervorteilen massiv ein. Auch in Norwegen gibt die große Mehrheit der Autokäufer an, dass die Steuervorteile und die Nutzungsprivilegien das Kaufargument sind, nicht die Umweltfreundlichkeit.

Trotzdem: die norwegische Regierung sowie Umwelt- und Wirtschaftsexperten sehen die Zukunft "elektrisch". Auch Schiffe sollen elektrisch angetrieben werden. Und natürlich Lkw: In Oslo fahren schon erste Müllwagen mit E-Antrieb. Im kommenden Jahr werden autonom fahrende, abgasfreie Kleinbusse getestet.

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