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Norwegian Air - Erste Airline will Entschädigung von Boeing

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Der Boeing-Absturz in Äthiopien wirbelt die Welt der Luftfahrt durcheinander. Die Auswirkungen sind global, der Billigflieger Norwegian Air will Entschädigung von Boeing fordern.

Norwegian Boeing 737 MAX 8, aufgenommen am 27.05.2018
Flugverbote für Maschinen des Modells Boeing 737 MAX 8: Norwegian verlangt von Boeing Schadenersatz.
Quelle: imago

Der US-Flugzeugbauer Boeing sieht sich nach dem Absturz einer Maschine von Ethiopian Airlines mit einer ersten Forderung nach Entschädigung konfrontiert. Norwegian Air Shuttle verlangt Schadenersatz, weil nach dem Unglück in Äthiopien das Modell 737 Max 8 mit einem Flugverbot belegt wurde. "Wir erwarten von Boeing, diese Rechnung zu übernehmen", erklärte der Billigflieger jetzt in Oslo.

Auf Empfehlung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA hatte Norwegian am Dienstag Flüge mit seinen 18 Maschinen des Modells Boeing 737 Max 8 gestrichen. Die finanziell angeschlagene Airline gehört zu den großen Abnehmern der neuen, spritsparsameren Version der Boeing 737 in Europa. Sollte das Flugzeug in zwei Wochen etwa wieder freigegeben werden, werde Norwegian kaum Schaden nehmen, erklärte Preben Rasch-Olsen, Experte des Brokers Carnegie. "Aber wenn sich das bis zu den Osterferien, Mai oder Juni hinzieht, ist es ein Problem." An dem Auftrag für weitere rund 50 Flugzeuge hielt Norwegian aber fest.

Am Sonntag war eine Boeing der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Erst im Oktober war eine solche Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start verunglückt.

Folgen des Absturzes

Zahlreiche Länder, darunter die gesamte EU, sperrten daraufhin ihren Luftraum für die Maschine. Am Mittwoch kamen unter anderem Neuseeland, Vietnam, Serbien und Ägypten hinzu. Ein Überblick über die Konsequenzen nach dem Flugzeugunglück:

  • Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat den gesamten europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max gesperrt. EASA ist für den Luftraum der 28 EU-Mitgliedsstaaten und für jenen von Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz zuständig. Auch die Türkei sperrte inzwischen ihren Luftraum für die Modelle 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9 - Transportflüge ausgenommen.
  • Auch Indien, Neuseeland, Hongkong, China, Indonesien, Malaysia, Singapur, Australien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Oman und der Libanon haben ein Startverbot gegen den Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 oder die gesamte Serie der 737 Max-Flieger verhängt.
  • Allein in China sind von dem Verbot knapp 100 Flugzeuge betroffen, in Europa mindestens 40 Maschinen.
  • Zu den Airlines außerhalb Chinas, die besonders betroffen sind gehören: Norwegian (18 Flugzeuge), der Reisekonzern Tui (15), Turkish Airlines (12), Flydubai (11), die brasilianische Gol (7), Ethiopian Airlines (4) und Polens Lot (5).
  • Die US-Luftfahrtbehörde FAA, in deren Aufsichtsbereich 74 der Boeing 737 Max 8 im Einsatz sind, hat kein Startverbot ausgesprochen.
  • Die US-Fluggesellschaften Southwest Airlines, American Airlines und auch die kanadische Air Canada halten bisher an den Flugzeugen fest.
Eine Boeing 737 Max 8 wird der Reisegesellschaft Tui. Archivbild

Europäische Luftfahrtbehörde entscheidet - Gesamter EU-Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt

Die EU sperrt ihren gesamten Luftraum für Verkehrsflugzeuge des Typs Boeing 737 MAX 8. Die Sperrung gelte ab Dienstagabend um 20:00 Uhr.

Deutschland: Kaum Einschränkungen

Reisende an deutschen Flughäfen haben wegen des weitgehenden Flugverbots der Maschinen Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9 bisher kaum mit Einschränkungen zu rechnen. In Frankfurt am Main sind am Mittwoch von dem Flugverbot lediglich zwei Flüge betroffen. Dabei handelt es sich um einen Flug nach Warschau, wie ein Flughafensprecher sagte. Die betroffene Maschine werde durch einen anderen Flieger ersetzt. Außerdem sei ein Charterflug nach Mazedonien gestrichen worden. Die Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht.

An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gibt es nach Angaben der Flughafensprecher keine Beeinträchtigungen. Das Gleiche gilt für die Flughäfen Köln/Bonn in Nordrhein-Westfalen, Hannover in Niedersachsen, Leipzig/Halle und Dresden in Sachsen sowie für Hamburg.

Druck auf US-Luftfahrtbehörde wächst

Während rund um den Globus Flugverbote für die Boeing 737 Max 8 verhängt werden, hält Amerika weiter stramm dagegen. Der Druck auf die US-Luftfahrtbehörde FAA wird aber immer größer, Spitzenpolitiker beider großen Parteien und Flugbegleiter fordern inzwischen, dass Boeings Krisenflieger vorerst am Boden bleibt. Der Hersteller beharrt indes auf der Sicherheit seiner Jets.

Konzernchef Dennis Muilenberg sprach einem Medienbericht zufolge direkt mit Präsident Donald Trump, um ein Startverbot für den Flugzeugtyp abzuwenden. Die FAA sieht bisher auch keinen Anlass für eine solche Maßnahme. Bislang hätten die Überprüfungen der Behörde keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der FAA-Chef Daniel Elwell am Dienstag auf Twitter mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

Weiter hieß es in der Mitteilung, die "dringende Auswertung" der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen infrage stellten, werde die FAA "sofortige und angemessene Maßnahmen" ergreifen.

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