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Treffen in Jackson Hole - Zentralbanker im Wilden Westen

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Die wichtigsten Zentralbankchefs der Welt sitzen beieinander - in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Von hier dringt jedes Jahr ein interpretationsbedürftiges Raunen in die Welt, wie es mit Wirtschaft und Zinsen weitergeht. Diesmal blieben die Finanzmärkte ohne große Erkenntnisse.

Die Wirtschaft boomt - der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr einen kräftigen Überschuss eingefahren. Nach einem Plus von 25,6 Milliarden Euro in 2016 liegt der Überschuss nach dem ersten Halbjahr 2017 bereits bei 18,3 Milliarden Euro.

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Reinhard Schlieker
ZDF-Wirtschaftsexperte Reinhard Schlieker.

Durch das Tal Jackson Hole in Wyoming fließt der Snake River - ob dieser Schlangenfluss von giftigen Exemplaren der Gattung seinen Namen bekam, ist nicht überliefert. Dort treffen sich alljährlich die bedeutenden Zentralbankchefs der Welt. Ihr Biss ist nun wiederum nicht giftig - mancher aber meint, sie würgen eher. Nämlich die Konjunktur ab. Und das Sozialwesen. Im Talkessel des Westens, wie er in den USA wilder nicht werden kann, berät man über ökonomische Stimuli und Zinsen, Konjunkturerwartungen und Währungsparitäten.

Die Rocky Mountains waren früher nicht bekannt als Hort der Finanzstabilität, aber warum denn nicht jetzt. Unter den Auguren des Welt-Geldwesens sind natürlich Janet Yellen, die Präsidentin der US-Notenbank Fed, und Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Der stolz einen erstarkten Euro mitbringen durfte. Denn der Dollar leidet momentan unter dem Präsidenten Trump.

Draghi: Nullzins hält nicht ewig

Die große, die fast einzige Frage des Publikums, das über die immerhin 2.100 Meter hohen Felsengebirge ins Tal blickt, ist eher eine, die mit dem Nullzins zu tun hat. Da ist Janet Yellen fein raus, denn sie hat den Kurs der Nullzinspolitik, die nach der Finanzkrise alle wieder gehfähig machen sollte, längst verlassen. Ihre regelmäßigen Zinserhöhungen scheinen etwas zu stocken - denn, wie sie nun sagte, die gute Konjunktur der USA sei noch kein Selbstläufer. Die dürfe man nicht vorschnell durch hohe Zinsen abwürgen.

Vollends kompliziert wird es bei Mario Draghi, der bei Goldman Sachs sozialisierte Zentralbanker aus Italien. Seine Anleihenkäufe will er fortsetzen, die geringe Inflation (1,3 Prozent) in Europa gefällt ihm nicht, aber er droht ganz verlegen schon mit dem Knüppel: Nullzins währt nicht ewig.

Frankreich im Aufschwung

Nun ist Draghi nicht für Deutschland zuständig, sondern für Europa, wie er es sieht. Das Euro-Europa ist nach wie vor von unterschiedlichen Qualitäten und Geschwindigkeiten geprägt. Dass er vorsichtig anmahnte, die Zinsen bei null oder gar unter dem Gefrierpunkt gebe es nicht ewig, sollte jenen zu denken geben, die bislang lieber nicht die Zukunft in den Blick nehmen. In Südeuropa hangeln sich viele an der billigen Verschuldung entlang.

Frankreich ist dabei, sich aus dem "Club Méditerranée" zu verabschieden und könnte Deutschland bald an Dynamik einholen, kurz darauf überholen. Wäre (auch für Deutschland) keine schlechte Nachricht. Frankreich ist unser bester und größter Handelspartner - in Zeiten der britischen Absetzbewegung ist das ein Pfund.

Auf ein Ende der 60-Monats-Milliarden-Anleihenkäufe sollte man sich noch nicht einstellen. Denn davon herunterzukommen dürfte nur in Trippelschritten erfolgen, wenn denn ein Anfangspunkt gesetzt wäre. Den aber erfuhr man auch in der Nacht zum Samstag aus Jackson Hole nicht. Womöglich hielten sich Janet Yellen und Mario Draghi aber auch an das Bonmot des legendären US-Notenbankchefs Greenspan: "Wenn Sie meinen, verstanden zu haben, was ich sagte, dann habe ich mich wohl unzureichend ausgedrückt."

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