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NRW-AfD-Chef Marcus Pretzell im ZDF - "Lassen Sie sich mal überraschen"

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Mit einem Paukenschlag ist die AfD in ihre künftige Zeit im Bundestag gestartet. Nach dem Rücktritt der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry will auch ihr Mann, NRW-Landeschef Marcus Pretzell, der AfD den Rücken kehren. Im ZDF deutete er nun an, dass er und Petry womöglich eine neue Partei gründen könnten.

"Wenn man inhaltlich nicht mehr an die Positionen einer Partei glaubt, muss man einen anderen Weg gehen", sagt der bisherige AfD-Fraktionsvorsitzende Nordrhein-Westfalens, Markus Pretzell.

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Wie geht es jetzt weiter, wo sieht Pretzell seine politische Zukunft? Käme vielleicht eine andere Partei für ihn in Frage? Oder will er eine neue gründen? Bei diesen Fragen im ZDF morgenmagazin muss Pretzell schmunzeln, dann hebt er an zu einer längeren Erklärung. Es gebe in Deutschland eigentlich nur noch eine relevante Volkspartei und die habe leider das Problem, dass sie sich regional so einschränke, dass sie bundespolitisch "völlig kastriert" sei: "Das ist die CSU."

Die sei völlig handlungsunfähig, weil sie auf Bayern begrenzt sei. "Deshalb kann ich nur sagen, es gibt derzeit keine Partei, die in der Lage wäre, politische Veränderungen in Deutschland durchzusetzen. Und wenn es keine gibt, dann muss man eben ...", beginnt  Pretzell den Satz und lässt ihn offen. "Lassen Sie sich mal überraschen, was wir so vorhaben", erklärt er weiter. Sie würden sich jetzt ein bisschen Zeit nehmen für "viele, viele Gespräche", und dann "das machen, was wir uns für die Zukunft vorgenommen haben".

Pretzell: Müssen einen anderen Weg gehen

Zwei Tage nach der Bundestagswahl hatte der nordrhein-westfälische AfD-Chef Pretzell seinen Austritt aus der Partei angekündigt. Bei der nächsten Fraktionssitzung wolle er den Vorsitz zur Verfügung stellen. Zur Begründung für diesen Schritt sagte er im ZDF: "Wir haben festgestellt, dass wir inhaltlich bestimmte Positionierungen nicht so innerhalb der AfD erreichen können, wie wir uns das vorgestellt haben, als wir 2013 in die Partei eingetreten sind. Meine Frau hat sie ja mitgegründet", sagt Pretzell. Und wenn man inhaltlich nicht mehr an die Durchsetzung von Positionen innerhalb einer Partei glaube, dann müsse man eben einen anderen Weg gehen.

Er bestätigt, dass er den Machtkampf gegen den Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland verloren habe. Gauland habe sich mit seiner Strategie durchgesetzt. Das sei der Weg, den die AfD jetzt gehe.

Kritik am Rechtskurs glaubwürdig?

Petry und ihm gehe es um Politikfähigkeit, Gestaltungswillen und das Durchsetzen von Inhalten, erklärte Pretzell weiter.  Dies sei innerhalb der AfD aber nicht mehr zu erkennen. "Hat man einen Gestaltungswillen, oder erschöpft man sich in der Gemeinsamkeit, dass Merkel weg muss?", so Pretzell. Sicher könne Frau Merkel nicht Kanzlerin bleiben, wenn man Politik verändern wolle, aber was man brauche, seien gemeinsame Ziele. "Und das kann ich innerhalb der AfD leider so nicht mehr erkennen. Und deswegen muss man dann die Schlussfolgerungen daraus ziehen", so Pretzell.

Den Zeitpunkt für die Entscheidung findet er angemessen. Es wäre sicherlich nicht der richtige Weg für Frauke Petry gewesen, "kurz vor der Wahl als Parteivorsitzende den Bettel hinzuschmeißen und den Wahlkampf zu versauen". Pretzell, der auch Europa-Abgeordneter der AfD ist, wolle sein Landtagsmandat künftig parteilos ausüben. Der Abgeordnete Alexander Langguth werde zusammen mit Pretzell Partei und Fraktion verlassen.

Petry: "Man muss sich noch im Spiegel anschauen können"

Zuvor hatte seine Ehefrau, die bisherige AfD-Chefin Frauke Petry, ihrer Partei wegen zunehmender Radikalisierung den Rücken gekehrt. Nach ihrem Austritt aus der Bundestagsfraktion hatte die 42-Jährige am Dienstag in Dresden angekündigt, auch die Partei zu verlassen. "Ich habe fünf Kinder, für die ich Verantwortung trage, und am Ende muss man sich auch noch im Spiegel anschauen können", sagte Petry zu ihren Beweggründen vor Journalisten. Deutschland brauche dringend politische Veränderungen. "Aber wir sehen unsere Partei nicht mehr in der Lage, diese in die Hand zu nehmen."

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland war bei der Bundestagswahl als drittstärkste Kraft ins Parlament eingezogen. Erstmals seit 60 Jahren ist damit wieder eine Rechtsaußen-Partei im Bundestag vertreten.

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