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NSU-Pozess vor Ende - Zschäpes Bitte um Gnade kommt spät

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Nach über fünf Jahren ist der NSU-Prozess am Ziel: Am 11. Juli soll das Urteil fallen. Zuvor hat sich Beate Zschäpe noch einmal persönlich geäußert - und um Milde gebeten.

Heute war das Schlusswort im NSU-Prozess. Nach 437 Prozesstagen sollen nächste Woche Mittwoch die Urteile gegen Zschäpe und vier Mitangeklagte fallen.

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Die etwas dünne Stimme von Beate Zschäpe rast. Nur wenige Minuten braucht sie, um von ihrer Festnahme 2011 über ihr viel kritisiertes Verhalten im NSU-Prozess bis zu einer Entschuldigung an die Angehörigen der NSU-Mordopfer alles abzureißen, was ihr zum Schluss des Mammutprozesses wichtig erscheint. Den entscheidenden Satz sagt sie ganz am Ende, es ist die Bitte um Gnade: "Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe."

Reue? Gesinnungswandel? Gericht kann nicht mehr hinterfragen

In dem seit Mai 2013 andauernden NSU-Prozess sprach Zschäpe vorher nie so lange. Nun, an diesem vorletzten Verhandlungstag vor dem vom Gericht auf den Mittwoch kommender Woche festgesetzten Urteilstermin, spricht sie so ausführlich, dass eine Frage zwingend erscheint: Was wäre, wenn sie diese Sätze ganz zu Beginn des NSU-Prozesses gesagt hätte - oder zumindest in der intensiven Beweisaufnahme?

Zschäpe sagt etwa: "Ich möchte nur noch eines - einen Abschluss finden, um irgendwann ein Leben ohne Abhängigkeit, ohne Gewalt und Ängste jeglicher Art führen zu können." Oder: "Ich wollte und will die Verantwortung für die Dinge übernehmen, die ich selbst verschuldet habe, und entschuldige mich für all das Leid, was ich verursacht habe."

Das sind Sätze, die ein Gericht als Reue bewerten könnte und als Gesinnungswandel. Weil sie diese Sätze aber so spät erst spricht, kann das Gericht die Aufrichtigkeit der Reue und der behaupteten Empfindungen nicht mehr hinterfragen.

Wut und Trauer bei Familien der NSU-Opfer

Wie tief die mit der NSU-Mordserie verbundenen Emotionen sind, zeigt an diesem Tag jemand anderes viel beeindruckender. Der Vater des im April 2006 in seinem Internetcafé in Kassel erschossenen Halit Yozgat gibt vor dem Oberlandesgericht ein Interview. Er spricht auf Türkisch, aber auch wer den Inhalt nicht versteht, kann das Leid der Familie Yozgat erahnen. Voll Wut und Trauer steht der Mann da, dessen Sohn mit nur 21 Jahren erschossen wurde.

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Schon in seiner Zeugenaussage im Jahr 2013 berührte Ismael Yozgat die Zuhörer im Prozess. Seine an diesem Tag ebenfalls im Gericht anwesende Frau Ayse wandte sich damals direkt an Zschäpe. Sie könne immer nur zwei Stunden schlafen, sagte sie. Alles, was sie noch wolle, sei Aufklärung über den Mord.

Zschäpe reagierte damals in der Anfangsphase des NSU-Prozesses nicht. Doch jetzt, in ihrem letzten Wort, geht sie auf Frau Yozgat ein. "Ich bin ein mitfühlender Mensch und habe sehr wohl den Schmerz, die Verzweiflung und die Wut der Angehörigen sehen und spüren können", sagt sie - auch wenn ihr das alle absprechen würden.

Hinterbliebene werden für immer ohne Antwort bleiben

Tatsächlich fügt Zschäpe den Angehörigen aber auch in ihrer letzten Aussage noch einmal Schmerz zu. Die von den Hinterbliebenen ersehnte Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet ihre Angehörigen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als Mordopfer ausgewählt wurden, könne sie nicht beantworten, sagt Zschäpe nachdrücklich. "Hätte ich weitere Kenntnisse, würde ich sie spätestens jetzt hier preisgeben, da es für mich keinerlei Grund mehr gibt, irgendetwas zu verschweigen."

Die Angehörigen werden also nun für immer ohne Antwort bleiben, die Mörder Böhnhardt und Mundlos sind seit 2011 tot. Zschäpe bleibt zudem dabei, dass sie keine Mittäterin an der Mordserie war.

Sie könnte nun für lange Jahre das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesprochen haben. Sie ist 43 Jahre alt, die Bundesanwaltschaft will sie für lange, lange Zeit im Gefängnis sehen. Ob das Gericht ihre Bitte um Gnade annimmt, wird Zschäpe bei der Urteilsverkündung am Mittwoch kommender Woche hören.

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