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Obdachlose in New York - Unter Brüdern

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Die Südbronx ist das ärmste Viertel New Yorks. Nachts fallen Schüsse, der Drogenhandel blüht. Mittendrin lebt eine Gruppe Franziskanerbrüder - unter einem Dach mit Obdachlosen.

Kreuz in einem Obdachlosenheim in New York
Kreuz in einem Obdachlosenheim in New York Quelle: zdf

An der Wand hängt ein Kruzifix. Daneben tickt eine Wanduhr an der grün gestrichenen Wand. Und auf dem Holztisch darunter liegt der Metalldetektor. "Das hier ist der Empfangsbereich. Hier kommen unsere Gäste an", erklärt Felix von Wedel. Wer in der East 156 Strasse an die Tür klopft, wird erst einmal kontrolliert. Keine Waffen, keine Drogen, kein Alkohol. Jeder, der ankommt, muss in ein Röhrchen blasen, wie bei einer Polizeikontrolle. "Bei der Aufnahme sind wir ziemlich strikt. Jeder, der bleiben will, muss einen Vertrag unterschreiben. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus."

"Ich habe jetzt viele Brüder"

Felix von Wedel (links) mit Windsor, einem der Obdachlosen
Felix von Wedel (links) mit Windsor, einem der Obdachlosen Quelle: ZDF/ Maya Dähne

Insgesamt 24 Betten gibt es in dem Haus der Franziskanerbrüder. Alle sind derzeit belegt. Windsor wohnt seit einigen Wochen bei den Franziskanern. Er hat seinen Job verloren, leidet unter Depressionen. Seine Frau hat ihn vor die Tür gesetzt. Um seinen Hals hängt ein Kreuz, seine Arme sind tätowiert. "Bevor ich hierher kam, hatte ich einen Bruder, jetzt habe ich ganz viele", sagt er strahlend und klopft Felix auf die Schulter. Auf dem Tisch hinter ihm steht ein Stapel Weihnachtsgeschenke, daneben eine große Kiste Bananen. "Das sind alles Spenden", erklärt Felix.

Der 23-jährige Felix aus Bonn wohnt seit Sommer bei den Franziskanern in der Bronx. Er ist als freiwilliger Helfer hier, hilft beim Kochen, Aufräumen und Putzen. Gerade hat er das Treppenhaus neu gestrichen und eine Waschmaschine abgeholt, die installiert werden soll. Außer Felix leben noch zehn weitere junge Männer mit den Franziskanermönchen und den Obdachlosen in dem alten Haus neben der St. Adalbert's Kirche.

Tischtennisplatte und Krippe

Jeder der 24 Gäste hat sein eigenes kleines Zimmer. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Tischtennisplatte, Schachbrett und Weihnachtskrippe. Wer hier wohnt, muss sich an feste Regeln halten. Morgens gibt es gemeinsames Frühstück, dann hilft jeder beim Aufräumen und putzen. Um 6.45 müssen alle das Haus verlassen. Wer mag kann um 7.30 Uhr noch die Messe besuchen - freiwillig. "Manche bleiben, einfach weil es warm ist und sie noch eine Stunde länger hier sein können", sagt Felix. "Aber einer unserer Gäste hat sich tatsächlich taufen lassen."

"Die Männer verbringen die Zeit tagsüber in Drogenprogrammen, sie halten sich in öffentlichen Bibliotheken auf oder besuchen ihre Familien", erzählt Felix. Abends kommen sie zwischen 6.30 und 7.00 Uhr wieder zurück. Dann gibt es Abendessen für alle. Wer nicht rechtzeitig kommt, verliert sein Bett. Die Franziskanerbrüder kümmern sich um ihre Gäste, beraten sie in Familienangelegenheiten und helfen ihnen, einen Job zu finden. Einige Abendprogramme sind verpflichtend. Es soll sich niemand wie im Hotel fühlen.

Keine Waffen, keine Medikamente, keine Pornos

Anders als im Hotel sind die Türen an den Schlafzimmern ausgehängt. Jede Nacht hat einer der Franziskanerbrüder Wachdienst. Im Büro flimmern auf dem Monitor die Bilder der Sicherheitskameras im Haus. "Probleme haben wir hier eigentlich selten." Einer der Gäste kam vor Kurzem mit einem Springmesser an. "Das musste er natürlich abgeben. Genau wie Handys und Medikamente." Auf dem Regal stehen Plastikkisten mit Namensschildern. Hier werden Tablettenschachteln und Mobiltelefone aufbewahrt. In einer Kiste liegt ein Horrorvideo. "Das ist genauso verboten wie Kondome und Pornografie. Einer unserer Gäste wollte seine Pornohefte nicht abgeben und musste gehen. So sind die Regeln hier."

Nachts sind in der Nachbarschaft manchmal Schüsse zu hören und Polizei-Sirenen. Drinnen im Haus der Franziskaner hängen Lichterketten. Auf der Fensterbank steht Franz von Assisi. An Weihnachten wird Felix mit den acht Mönchen, den anderen freiwilligen Helfern und ihren Gästen hier essen. "Es ist eine Insel der Ruhe vor dem Chaos draußen."

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