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Ökobilanz - Wie nachhaltig ist die spanische Tomate?

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Bis sie bei uns im Supermarktregal landen, bringen spanische Tomaten lange Wege hinter sich. Wie nachhaltig sind sie - auch im Vergleich zu unseren heimischen Tomaten? Der Check.

Tomate
Neben den Niederlanden ist Spanien der Hauptlieferant für Tomaten.
Quelle: dpa

Es ist der Klassiker: Mit den besten Absichten zum Einkauf gestartet und dann am Supermarktregal stellt sich die große Frage: Welche Produkte sind wohl nachhaltiger? Die spanischen Import-Tomaten? Oder das niederländische Pendant - oder aber die ersten deutschen Tomaten, die im Frühjahr auch schon im Angebot sind?

Für normale Durchschnittsverbraucherer ist es oft schwierig, eine nachhaltige Kaufentscheidung zu treffen. Es müssen immer wieder sehr unterschiedliche Komponenten beachtet werden, die teils sogar unvereinbar sind. Hier eine kleine Orientierungshilfe am Beispiel der Tomate.

Oktober bis Juni: Die spanische Tomate sticht

Nach den Niederlanden ist Südspanien unser Hauptbezugsland für das rote Gold. Wollen wir im Frühjahr Tomaten kaufen, so sind die spanischen Importe - mit Blick auf die Klimabilanz - in jedem Fall die bessere Wahl.

Das Lieblingsgemüse der Deutschen kommt im Winter oft aus Spanien. Doch für Transport und Bewässerung fallen hohe CO2-Ausstöße und viel Wasser an.

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Konkret: Für ein Kilogramm Tomaten aus der südspanischen Anbauprovinz Almeria fallen rund 315 Gramm CO2-Äquivalente an. Die kommen vor allem durch den Lkw-Transport über mehr als 2.000 Kilometer zustande. Für die Produktion dagegen fallen nur etwa 40 Gramm CO2-Äquivalente an - beheizt werden muss in Almeria quasi nie.

Im Vergleich dazu kommt etwa eine deutsche Gewächshaustomate im April oder Mai auf rund 5,7 Kilogramm CO2-Äquivalente. Die fallen vor allem für die fossile Beheizung der Gewächshäuser an, in denen die Tomate nun einige Wochen gereift ist.

"Die Mehrheit der Gewächshäuser wird in Deutschland immer noch fossil beheizt, mit Erdgas oder Erdöl - weil es kurzfristig einfach günstiger ist. Leider hat das einen riesigen Klimaeffekt", sagt Claudio Beretta von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er hat für das ZDF berechnet: "Damit schneidet die spanische Importtomate im Frühjahr klimatechnisch um ein Vielfaches besser ab als die deutsche oder auch die niederländische Tomate."

Die Schattenseite: Wasserverbrauch

Doch spanische Tomaten sind nicht umsonst umstritten. Zwar sorgt das sonnige Wetter Südspaniens für ausreichend Wärme, um auch im Frühjahr ohne Heizung auszukommen. Doch die Sonne fordert auch ihren Tribut: Es gibt einen gigantischen Wasserbedarf. Die Tomate als besonders wasserbedürftige Pflanze braucht in Almeria im Schnitt schätzungsweise rund 20 Liter Wasser je Kilogramm Frucht. In Deutschland dagegen sind nur rund drei Liter Wasser nötig.

"Das ist aber noch gar nicht der entscheidende Unterschied", sagt Claudio Beretta. "In Südspanien ist das verfügbare Wasser insgesamt knapp. Man spricht von Wasserstress - also vom Druck, den die intensive Bewässerung auf das Ökosystem ausübt. Der Wasserstress ist in Spanien - je nach Berechnungsmethode - hunderte Male größer als in Deutschland." Das ist die relevante Größe, denn sie zeigt an, wie schädlich der Wasserverbrauch für Tiere, Pflanzen und auch Menschen vor Ort wirklich ist.

Tomate
Die Tomate - unser liebster Snack! 27 Kilo isst jeder Deutsche im Schnitt.
Quelle: dpa

Konsumenten müssen entscheiden, was für sie wichtiger ist

Unerfreulich für Verbraucher: Eine ganz klare Empfehlung, ob nun die gute Klimabilanz der spanischen Tomate oder die Genügsamkeit der deutschen Tomate beim Wasser vorzuziehen ist, gibt es nicht. Konsumenten müssen jeweils für sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist.

"Sicher ist, je mehr wir uns in den Winter bewegen, desto eher sollte die Wahl für die spanische Tomate ausfallen", so Beretta. "Und je mehr wir in die Übergangszeit gehen, desto eher für die deutsche Tomate, denn desto weniger muss geheizt werden und umgekehrt in Spanien nimmt der Wasserstress noch deutlich zu, je mehr wir uns Richtung Sommer bewegen."

Lichtblick für die deutsche Tomate

Immerhin: Es gibt langsam einen Trend weg von fossiler Beheizung der Gewächshäuser. Eine gute Alternative kann Abwärme von Industrieanlagen sein, es gibt erste Gemüsebauern, etwa in Sachsen-Anhalt im Landkreis Börde, die das nutzen. "Hier besteht ein sehr großes Potenzial von brachliegender Energie aus der Industrie und die kann natürlich sehr günstig genutzt werden, wenn das Gewächshaus in die Nähe eines industriellen Produzenten gebaut wird", sagt Beretta.

Problematisch ist ein anderer Trend, der parallel verläuft: Teils wird die Anbausaison für Tomaten in den Niederlanden und in Deutschland stark ausgeweitet, sodass in den Wintermonaten viel beleuchtet werden muss. Der Lichtbedarf verursacht einen sehr hohen Stromverbrauch, der auch eine verbesserte Energiebilanz beim Heizen dann wieder zunichte machen kann.

Tomaten
Die Tomate ist ein durstiges Gewächs - sie braucht sehr viel Wasser.
Quelle: dpa

Juli bis September: Deutsche Tomaten sind Trumpf

Im Winter sind deutsche und niederländische Tomaten also Klimakiller. Im Sommer dagegen wendet sich das Blatt. Dann brauchen auch hiesige Tomaten keine Heizung mehr. Da sie kaum durch die Gegend fahren müssen, sind sie dann sehr klimafreundlich: Es fallen nur 70 Gramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Tomaten an.

Der optimale Konsum sieht deshalb so aus: "Im Winter sollten wir am besten verarbeitete Tomaten konsumieren - also zum Beispiel Tomaten aus dem Glas oder aus der Büchse oder getrocknete Tomaten", sagt Claudio Beretta. "Und uns dann freuen, wenn es im Sommer wieder frische Tomaten gibt, die dann wirklich saison-lokal direkt vom Feld kommen und die wir dann mit sehr gutem Gewissen essen können."

Konkret: Wir können fast 100 deutsche Sommertomaten essen, die meist sogar besser schmecken, bis wir die Ökobilanz einer deutschen Wintertomate erreicht haben.

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