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Ökolandwirtschaft im Himalaya - Der erste Bio-Bundesstaat der Welt

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Der indische Bundesstaat Sikkim sorgt mit einem beeindruckenden Experiment für weltweites Aufsehen: 100 Prozent Öko-Landwirtschaft - verordnet von der Regierung.

Bio-Produkte auf einem Markt in Sikkim
Bio-Produkte auf einem Markt in Sikkim
Quelle: imago/robertharding

Der indische Bundesstaat Sikkim ist halb so groß wie Thüringen und gilt seit zwei Jahren als Bio-Paradies. Denn alle landwirtschaftlichen Flächen im zweitkleinsten Bundesstaat von Indien sind seit Januar 2016 bio-zertifiziert. Das bedeutet: Alle 66.000 Kleinbauern verzichten auf Pestizide und Kunstdünger. Verantwortlich für die weltweit außergewöhnliche Erfolgsgeschichte ist Ministerpräsident Shri Pawhan Chamling. Er verkündete 2003 in einer historischen Erklärung, dass der Bundesstaat im Nordosten Indiens die gesamte Landwirtschaft umbauen wird. Die chemischen Stoffe gefährdeten das gesamte Ökosystem, so die Begründung des engagierten Ministerpräsidenten. Die Bauern sollten schrittweise und freiwillig auf synthetische Spritz- und Düngemittel verzichten. Dem dienstältesten Ministerpräsidenten Indiens war es wichtig, seine Bevölkerung vor den Folgen einer Chemielandwirtschaft zu bewahren.

Tradition und Wissenschaft kombiniert

Die rund 620.000 Einwohner von Sikkim sind stolz auf ihre Regierung. Denn kein anderer Bundesstaat der Welt hat es bislang geschafft, die Landwirtschaft komplett auf Ökolandbau umzustellen. Dieses Alleinstellungsmerkmal schafft Selbstbewusstsein. Seit Beginn des Projekts stellt die Regierung von Sikkim alle benötigten Hilfsmittel kostenlos zur Verfügung. Dazu zählen etwa Kompostplätze, umfangreiche Angebote für Schulungen und Weiterbildung sowie technisches Equipment.

Zudem wird im eigens geschaffenen staatlichen Forschungszentrum für ökologischen Landbau traditionelles Wissen mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert. Beispiel Maisanbau: Der Schädlingsbefall wird mit Extrakten des traditionellen Neembaums behandelt - ganz ohne Nebenwirkungen für nützliche Insekten. Darüber hinaus setzen die Bauern auf weitere natürliche Hilfsmittel.

Doku | planet e. - Die Öko-Rebellen vom Himalaya

Ein indischer Bundesstaat hat seine Landwirtschaft auf Bio umgestellt. Sehen Sie die "planet e."-Doku hier in der Mediathek oder am Sonntag, 14. Oktober, um 15:25 Uhr im ZDF.

Videolänge:
28 min
Datum:

Kompostplätze für alle

Kompost statt Kunstdünger: Das Gold der Bauern sind Würmer. Unzählige tierische Helfer zersetzen den organischen Abfall zu Naturdünger für die Felder. Mehr als 10.000 Kompostplätze hat die Regierung einrichten lassen, Tendenz steigend. Zudem soll jeder Betrieb eine Kuh halten, um neben der fruchtbaren Komposterde auch nährstoffreichen Mist auf die Felder ausbringen zu können.

Eine Kleinbäuerin bringt es auf den Punkt: "Es geht nicht nur darum, eine reiche Gemüseernte einzufahren, es geht auch um die Gesundheit der Böden. Deswegen setzen wir auf eine ausgeklügelte Fruchtfolge. Das hilft auch der Bodenfruchtbarkeit. Wenn man immer die gleiche Kultur anpflanzt, nimmt die Qualität der Böden sehr rasch ab. Deswegen setzen wir auf Vielfalt."

Reiche Erträge

Bis zu dreimal im Jahr wird geerntet. Auffallend sind die Mischkulturen. Neben der Hauptfrucht werden kleinere Begleitfrüchte angebaut. Die Palette reicht von Hirse, Weizen, Mais und Reis über Bananen und Mangos bis hin zu Gurken, Kiwis, Walnüssen und Gewürzen. Die Feldfrüchte werden im Stockwerkbau angebaut. Diese Anbaumethode verbunden mit der immensen Artenvielfalt unterbindet die Ausbreitung von Schädlingen. Neben der Selbstversorgung beinhaltet das Konzept auch die Vermarktung der Produkte. So verkaufen die Farmer Blumenkohl und Co. an lokale Händler, welche die Bioware auf dem gesamten indischen Markt verkaufen.

Und Ministerpräsident Shri Pawhan Chamling wird nicht müde, persönlich durch den Bundesstaat Sikkim zu fahren, um die Menschen über seine weiteren Pläne zu informieren. So sollen beispielsweise die bio-zertifizierte Tierhaltung und Futtermittelproduktion in Zukunft ausgebaut werden. Der dienstälteste Ministerpräsident Indiens zieht eine Zwischenbilanz: "Es war sehr schwierig, die Menschen zu überzeugen. Aber nach und nach haben sie schätzen gelernt, was Biolandbau wirklich bedeutet. Meine Vision ist, dass die gesamte Welt bis zum Jahr 2050 auf Ökolandbau umstellt. Und dafür müssen wir zusammenarbeiten."              

Modellcharakter - aber nicht für Deutschland

Die ersten Nachahmer gibt es bereits. Drei weitere indische Bundesstaaten wollen komplett auf Bio umstellen. Ein Blick auf Deutschland ist ernüchternd: Hierzulande liegt der Öko-Anbau bei acht Prozent. Gülle auf den Feldern, Pestizide und Kunstdünger prägen die Agrarwirtschaft. Man sei offen für Bio, aber der Markt sei schwierig, eine zentral geplante Umstellung auf 100 Prozent mache keinen Sinn, meinen Funktionäre des Deutschen Bauernverbandes.

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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