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Wie viel Bio steckt noch in Bio?

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Öko-Boom - Wie viel Bio steckt noch in Bio?

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Fast elf Milliarden Euro gaben die Deutschen 2018 für Bio-Lebensmittel aus. Selbst Discounter setzen immer mehr auf ökologisch produzierte Lebensmittel. Doch das hat fatale Folgen.

"planet e.: Alles Bio, alles gut? Über die fatalen Folgen des Öko-Booms": Ein ecuadorianischer Landarbeiter reinigt Bananenstauden, die an Ständern aufgehängt sind, mit Wasser.
Geerntete Bio-Bananen werden gesäubert und für das Verschiffen vorbereitet.
Quelle: ZDF/Daniel Meinl

Was vor gut 30 Jahren als Nische im Lebensmittelhandel begann, ist längst zum Mainstream geworden. Gab es Bio anfangs nur im Fachhandel, haben Supermärkte und Discounter heute längst die Nase vorn.

Fast 6,5 Milliarden Euro hat der Lebensmitteleinzelhandel 2018 mit ökologischen Produkten umgesetzt. Die klassischen Bio-Läden kommen laut des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nicht einmal auf 3 Milliarden Euro. Die restlichen 1,5 Milliarden Euro verteilen sich auf verschiedene Anbieter, unter anderem Kantinen und Tankstellen.

Weniger Schadstoffe, keine Gentechnik

Viele fürchten nun, dass die großen Lebensmittelkonzerne Bio "kapern" könnten. Doch Peter Röhrig vom BÖLW wiegelt ab: "Erst mal ist es ein großer Erfolg, dass Bio diesen Erfolg hat, denn mit jedem Bioprodukt im Geschäft steigt ja auch die Fläche, die biologisch bewirtschaftet wird, ohne Herbizide wie Glyphosat."

Auch werde so nicht zu viel Dünger genutzt, der nachher ins Grundwasser gelangen könne. Tiere werden artgerecht gehalten und Gentechnik werde nicht eingesetzt. Dennoch sind viele Bio-Bauern und -Produzenten da nicht so optimistisch.

Bio-Produkte zum Schnäppchenpreis

In Supermärkten und Discountern finden sich immer mehr Produkte mit Siegeln von Bioverbänden wie Demeter, Naturland oder Bioland. Dabei stellen die Verbände deutlich strengere Anforderungen an Tierhaltung, Pestizid- und Düngemitteleinsatz als etwa das EU Bio-Siegel. Und trotzdem gibt es diese sogenannte Verbandsware jetzt oft schon zum Schnäppchenpreis.

Bio-Siegel der EU
Das EU Bio-Siegel.
Quelle: dpa

Bio-Bauer Florian Gleissner von der Domäne Fredeburg, die fast 30 Jahre biologisch wirtschaftet und viele ihrer Demeter-zertifizierten Produkte im eigenen Hofladen verkauft, ist entsprechend skeptisch.

"Wenn jetzt die Handelskette Bio-Produkte für einen Dumpingpreis auf den Markt schmeißt und quersubventioniert mit den 98,99 Prozent konventionellen Produkten, die eben auch noch gehandelt werden, dann ist es ein gezieltes Kaputtmachen des Biomarktes mithilfe der konventionellen Produkte", sagt Gleissner. "Das darf nicht stattfinden."

Müllberge aus Plastik wegen des Bio-Anbaus

Die Nachfrage nach Bio ist riesig. Viel Obst und Gemüse kommt deshalb aus dem Ausland, so zum Beispiel aus Almería in Spanien. "Mar del plastico" ("Plastikmeer") nennen die Einheimischen die Region. Riesige Gewächshäuser aus Plastikplanen erstrecken sich hier bis zum Horizont.

Archiv: Gewächshäuser aus Plastik bei Almeria, Spanien
Almería in Spanien: Die Einheimischen nennen die Region "Mar del plastico" ("Plastikmeer").
Quelle: imago
Weil das Plastik sehr schwer zu recyceln ist, wird es einfach in die Landschaft geschmissen.
Umweltschützer Jose Riveras

Die Folge: Überall türmen sich Müllberge aus Plastikplanen und Kanistern aus den Gewächshäusern - auch aus den Bio-Betrieben.

Der spanische Umweltschützer Jose Riveras meint daher, Bio aus Almería sei kaum nachhaltiger als konventionelle Produkte: "Der Müll ist ein Problem sowohl der biologischen, als auch der konventionellen Landwirtschaft rund um Almería. Weil das Plastik sehr schwer zu recyceln ist, wird es einfach in die Landschaft geschmissen."

Glaubwürdigkeit von Bio steht auf dem Spiel

Ecuador ist einer der größten Bananenproduzenten der Welt und größter Bananenlieferant Deutschlands. Doch nicht immer ist Bio drin, wo Bio drauf steht, sagt Bernhard Schulz von der Zertifizierungsorganisation Ceres.

Immer wieder überführen seine Kontrolleure Bio-Produzenten des Betrugs und finden verbotene Pestizide und Düngemittel. Bio-Bananen aus Ecuador gelten inzwischen als Risiko-Produkt.

"Das liegt daran, dass Bananen eine Kultur sind, die sehr werthaltig ist, also vom Ertrag pro Hektar in Dollar gerechnet. Die Versuchung, unerlaubte Pestizide beziehungsweise unerlaubte Düngemittel einzusetzen, ist also recht hoch", erklärt Schulz. "Und aus diesem Grund werden da Bananen als Biobananen verkauft, die das Siegel eigentlich nicht wert sind."

Dumpingpreise für Bio-Lebensmittel, eine durch die Gewächshäuser und ihren Müll zerstörte Natur und verbotene Pestizide auf Bio-Produkten: Die Glaubwürdigkeit von Bio steht auf dem Spiel.

Sehen Sie hier die Dokumentation bereits vorab:

Billig liegt auch bei Bio im Trend. Massentierhaltung, Umweltverschmutzung und Billigimporte sind mittlerweile auch bei der Bio-Produktion Alltag. Und der Boom lockt immer mehr Betrüger an.

Beitragslänge:
28 min
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