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Ökologisch verreisen - Experte: Kreuzfahrten belasten Umwelt stark

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Kreuzfahrten bleiben ein Renner, auch für deutsche Urlauber. Die Schattenseite: Massive Umweltverschmutzung, beklagt Frank Herrmann gegenüber dem 3sat-Wirtschaftsmagazin-makro.

Archiv: Passagiere auf dem Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffes
Passagiere auf dem Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffes (Archivbild). Quelle: dpa

makro: Wer profitiert vom Boom in der Kreuzfahrt?

Frank Herrmann: In erster Linie die Reedereien, große Reiseveranstalter, Werften, maritime Zulieferbetriebe und Häfen. Die besuchten Länder profitieren nur sehr begrenzt, denn geschlafen, gegessen und geshoppt wird überwiegend an Bord. Lokale Taxifahrer, Guides, kleinere Reiseveranstalter, Restaurants und Kunsthandwerksläden müssen sich mit den Brotkrümeln begnügen. Der Trend geht vor allem in der Karibik zur Nutzung von Liegeplätzen auf luxuriös ausgebauten Privatinseln oder abgeschirmten Badebuchten beispielsweise in Haiti, Honduras oder den Bahamas. Echtes Kennenlernen von Land und Leuten sieht anders aus.

makro: Die Kreuzfahrt-Branche verspricht Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Umwelt. Was ist dran an diesem Versprechen?

Herrmann: Gemessen an den Umsätzen und Gewinnen der Branche viel zu wenig. Nur einige wenige Vorzeigeschiffe verfügen über moderne Filteranlagen, können Landstrom in den Häfen nutzen oder sind zukünftig auf die Nutzung von Flüssiggas ausgelegt. Das Gros der Schiffe pustet große Mengen Schwefeloxide, Stickoxide, Ruß, Feinstaub und Schwermetalle weitestgehend filterlos in die Umwelt. Auf hoher See wird weiterhin hochgiftiges Schweröl verbrannt, in den Häfen laufen die Schiffe rund um die Uhr mit Schiffsdiesel, der die Grenzwerte der Autoindustrie deutlich überschreitet. Auch die CO2-Emissionen einer Kreuzfahrt sind beträchtlich. Hier übernehmen die Reedereien viel zu wenig Verantwortung. Auch im Klimavertrag von Paris sind die Emissionen der Schifffahrt nicht berücksichtigt.

makro: Sicherheit ist ein weiterer Grundsatz der Branche. Nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" und dem Fehlverhalten des Kapitäns wurde die Frage laut, ob der Boom nicht auf Kosten einer soliden Ausbildung von Kapitänen geht. Was ist Ihre Erkenntnis dazu?

Herrmann: Das ist schwer zu beurteilen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass eine Reederei ein 500-Millionen-Euro-Schiff einem schlecht ausgebildeten Kapitän anvertraut. Aber auch ein erfahrener Kapitän kann in einer Krisensituation Fehlentscheidungen treffen. Davon sind auch Kreuzfahrtschiffe nicht ausgenommen.

makro: Über Deck herrscht Luxus, aber unter Deck oft miese Bezahlung und lange Arbeitszeiten. Wie schafft es die Kreuzfahrt-Industrie, arbeits- und sozialrechtliche Regelungen zu umschiffen?

Herrmann: Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sind in aller Regel nicht in den Ländern registriert, in den die Reedereien operieren. Alle deutschen Hochsee-Kreuzfahrtschiffe fahren unter fremder Flagge, sie sind in Steueroasen wie Malta oder Ländern wie Italien, US-amerikanische Schiffe z.B. auf den Bahamas oder in Panama registriert. Dort gelten Arbeits- und Sozialstandards, die weniger streng sind als die deutschen Vorschriften. Auch steuerlich bietet das Ausflaggen den Reedereien Vorteile.

makro: Wenn ich in meinem Urlaub weder Arbeitskräfte billig ausbeuten noch die Umwelt zerstören will - wie mache ich dann am besten Urlaub? Ab aufs Rad und zelten?

Herrmann: Je weniger CO2 wir im Urlaub erzeugen, desto besser. Das bedeutet weniger fliegen, Kreuzfahrten meiden und den Urlaub öfter mal mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln planen. Wenn Auto oder Wohnmobil, dann möglichst voll ausgelastet. Wer nicht auf Camping steht, findet inzwischen zahlreiche Hotels, die Nachhaltigkeit praktisch umsetzen. Ideal sind einfache Pensionen und Mittelklassehotels. Luxushotels mit üppigen Pool- und Gartenlandschaften sollte man – auch wenn sie vorgeben nachhaltig zu wirtschaften - wegen des hohen Pro-Kopf-Wasser- und Energieverbrauchs meiden.    

Das Interview führte makro-Moderatorin Eva Schmidt.

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