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Bilanz der Weltwasserwoche - Ökosystem "Wasser" in großer Gefahr

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Werden die Ökosysteme der Erde in den nächsten Jahrzehnten weiter so belastet wie zurzeit, droht ihnen der Kollaps - die Gattung Mensch würde sich damit selbst abschaffen.

Verschmutztes Trinkwasser
Verschmutztes Trinkwasser Quelle: reuters

Eigentlich ist es wirklich ziemlich einfach: Unser Planet ist ein in sich geschlossenes System. Wenn man es nicht zu sehr strapaziert, läuft alles bestens. Denn es gibt ein erstaunliches Phänomen: Unsere Atemluft, die fruchtbaren Böden und unser Trinkwasser werden durch natürlich Prozesse ununterbrochen gereinigt und erneuert.

Vier von neun Öko-Grenzen bereits überschritten

Vor ein paar Jahren schon hat uns das der Wissenschaftler Johann Rockström vom Stockholm Resilience Centre genauer erklärt. Zusammen mit einem internationalen Team hat er das System Erde analysiert und dann in neun Teilsysteme aufgeteilt. Für jedes System haben die Forscher sogenannte planetare Grenzen errechnet. Gemeint ist das Belastungsmaximum, bis zu dem die Fähigkeit zur Regeneration gerade noch funktioniert.

Vier von neun planetaren Grenzen sind im globalen Maßstab durch menschlichen Einfluss bereits überschritten: Klimastabilität, Erhalt der Biodiversität, nachhaltige Landnutzung und biogeochemische Kreisläufe.

Gewässerqualität in Deutschland kein Vorbild

Bei weiteren planetaren Grenzen gibt es zwar keine globalen Überschreitungen, aber regional werden immer häufiger Anzeichen der Übernutzung sichtbar. Der Wasserverbrauch gehört dazu, so etwa im Westen der USA sowie in Teilen Südeuropas, Asiens und des Mittleren Ostens. Das sind alarmierende Anzeichen, die auch während der diesjährigen Weltwasserwoche in Stockholm von vielen Experten hervorgehoben wurden. Obwohl seit Jahren gemahnt wird, mit unserem wichtigsten Lebensmittel, dem Trinkwasser, sensibel umzugehen, ist selbst in den reichen Industrieländern noch keine Entwarnung zu verzeichnen.

Vor allem Deutschland gibt hier ein schlechtes Beispiel: Nach einer Untersuchung der EU-Umweltagentur vom Juli 2018 befinden sich nur 8,4 Prozent der deutschen Oberflächengewässer in einem "guten ökologischen" Zustand. Das ist ein unglaublicher Skandal, denn EU-weit liegt der Wert immerhin bei 40,6 Prozent.

Wasserproblem verschärft sich

2,1 Milliarden Menschen weltweit haben laut Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef keinen Zugang zu sauberem Wasser - rund 884 Millionen Menschen noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Wasser. Und die Lage spitzt sich zu angesichts der immer noch wachsenden Weltbevölkerung.

Das meiste Wasser wird weltweit in der Landwirtschaft verbraucht, etwa 70 Prozent, ein weiteres Fünftel in der Industrie. Zuhause verbrauchen die Menschen das meiste Wasser, wenn sie duschen, auf die Toilettenspülung drücken oder Wäsche waschen. Etwa 123 Liter kommen da hierzulande pro Kopf und Tag zusammen. Mit fünf Litern am Tag müssen dagegen die Menschen in manchen Entwicklungsländern auskommen.

Trinkwasser aus Flüssen für zwei Milliarden Menschen

Laut dem World Wildlife Fund (WWF) sind weltweit zwei Milliarden Menschen für ihr Trinkwasser direkt auf Flüsse angewiesen. Viele Flüsse werden zur Müll- und Abwasser-Entsorgung missbraucht, sind teils extrem vergiftet. Das ist deshalb dramatisch, weil nur intakte aquatische Ökosystem genau die Regenerationsfähigkeit aufbringen, die wir dringend zur Stabilisierung eben auch der Wasserversorgung brauchen.

Abgesehen davon puffern gesunde Flüsse starkregenbedingte Wassermassen besser weg, helfen bei Dürreperioden und liefern Nahrung durch einen intakten Fischbestand.

Weltwasserwoche fördert naturbasierte Lösungen

Deshalb ist es gut, dass die diesjährige Weltwasserwoche ausdrücklich dazu auffordert, nach mehr naturbasierten Lösungen des Wasserversorgungsproblems zu suchen. Und kürt in diesem Zusammenhang zwei Wissenschaftler mit dem Stockholmer Wasserpreis, die genau das getan haben: Professors Bruce Rittmann (USA) und Mark van Loosdrecht (Niederlande). Beide haben revolutionäre Verfahren zur Einsatzreife gebracht, die unter dem Einsatz von Mikroorganismen gefährliche Stoffe in stark verschmutztem Abwasser unschädlich machen - und das zu niedrigeren Kosten ohne Einsatz von Chemie.

Seit 1991 findet sie jährlich statt, die Weltwasserwoche in Stockholm. Gemessen daran hat sich bei der Verbesserung der Wasserversorgung viel zu wenig getan. Aus der noch regionalen Überschreitung der planetaren Grenze "Wasser" könnte in ein paar Jahren eine globale werden.

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