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Ostchinesisches Meer - Tanker-Brand: Rätseln über den Umweltschaden

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Eine Woche lang brannte der Tanker vor China auf hoher See. Die Behörden in Peking sprechen von wenig Auswirkungen auf die Umwelt. Experten sehen das skeptisch.

Brennender Tanker «Sanchi», Handout vom chinesischen Verkehrsministerium am 14.01.2018
Brennender Tanker "Sanchi": Wie viel Öl gelangte ins Meer? Quelle: dpa

Nach dem Untergang eines iranischen Öltankers im Ostchinesischen Meer wächst die Sorge um das an Fisch- und Vögelbeständen reiche Ökosystem. Es habe sich ein gut 18, Kilometer langer und mehr als sieben Kilometer breiter Ölteppich gebildet, berichtete der staatliche chinesische Sender CCTV. Spezialisten hätten damit begonnen, Öl an der Meeresoberfläche aufzufangen und zu binden. Die Suche nach Überlebenden sei eingestellt worden. Der japanischen Küstenwache zufolge stieg über der Unglückstelle weiterhin schwarzer Rauch auf. Das Schiff hatte 136.000 Tonnen Leichtöl an Bord. Die Frage ist nun: Wie viel davon ist verbrannt?

Die Behörden der Volksrepublik beteuern, dass die Umweltauswirkungen durch das austretende Leichtöl begrenzt seien. Experten halten das für Augenwischerei - sie befürchten eine Umweltkatastrophe von historischem Ausmaß. Schließlich sei nach der Explosion und dem Untergang der "Sanchi" Ölkondensat ausgetreten - ein besonders hochwertiges Leichtöl. Dies sei zwar auf den ersten Blick nicht zu sehen, für die Meeresbewohner aber besonders giftig.

Komplette Ladung ausgelaufen?

Die "Sanchi" war am 6. Januar auf hoher See mit einem chinesischen Frachter zusammengestoßen und sofort in Brand geraten, alle 32 Besatzungsmitglieder - 30 Iraner und zwei Bangladescher - kamen dabei vermutlich ums Leben. Nach mehreren Explosionen sank die "Sanchi" am Sonntag. Chinesischen Medienberichten zufolge könnte ihr eigener Tank bis zu tausend Tonnen Treibstoff enthalten haben.

Ostchinesisches Meer mit Unglücksstelle des Tankers Sanchi
Stelle, an der der Tanker "Sanchi" im Ostchinesischen Meer gesunken ist. Quelle: ZDF

Seines Wissens sei noch nie soviel Ölkondensat auf einen Schlag in die Umwelt gelangt, zitiert die Agentur AFP den US-Berater für Öl-Katastrophen, Richard Steiner. Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem mehr als tausend Tonnen Kondensat ins Meer gelangt seien. Bei den meisten Fällen sei es sogar weniger als eine Tonne. Angesichts des nach tagelangem Feuer und mehreren Explosionen schlechten Zustands der "Sanchi" geht der US-Experte davon aus, "dass keiner der Frachträume und Treibstofftanks intakt ist und daher das komplette Kondensat und der Treibstoff ausgelaufen sind". Selbst wenn nur 20 Prozent der Ladung ins Meer gelangt seien, entspräche dies in etwa der Menge an Rohöl, die bei der Havarie des Öltankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska ausgelaufen sei, verdeutlichte Steiner das Ausmaß der Umweltkatastrophe.

Peking: Minimale Auswirkungen

Die staatliche chinesische Meeresbehörde erklärte dagegen am Wochenende, es seien keine größeren Umweltschäden zu erwarten. Ein hochrangiger Vertreter der chinesischen Meeresbehörde sagte dem Staatssender CCTV, das Leichtöl an Bord der "Sanchi" habe "weniger Auswirkungen auf das Meer" als andere Ölarten. Das Leichtöl verdunste schnell, "der Großteil ist in die Atmosphäre entwichen", zitierte CCTV den Behördenvertreter Zhang Yong. Zudem liege der Unfallort hunderte Kilometer von der Küste entfernt, die zu erwartenden Belastungen für die Menschen seien daher "minimal". Laut CCTV konnte das Feuer an der Unglücksstelle am Montag gelöscht werden. Zwei Schiffe versprühten demnach Chemikalien, um den Ölteppich aufzulösen.

Dass das iranische Schiff sank, bevor die Ölladung komplett verbrannt war, ist für den Leiter des Pekinger Instituts für Öffentliche und Umweltangelegenheiten, Ma Jun, das Schlimmste, was nach der Havarie passieren konnte. "Das Ölkondensat ist für alle Meereslebewesen besonders giftig", sagte Ma der Zeitung "Global Times". Die Umweltorganisation Greenpeace warnte vor einem "extrem schwierigen" Reinigungsprozess, sollte das Schiff gesunken sein, bevor das gesamte Leichtöl verbrannte.

Giftige Säule unter Wasser

Anders als Rohöl bildet Ölkondensat keinen Teppich auf der Meeresoberfläche, sondern erzeugt unter Wasser eine giftige Säule aus Kohlenwasserstoffen, die von der Meeresoberfläche aus nicht zu sehen ist. Für die Wale, Seevögel, Fische und das Plankton im Ostchinesischen Meer bedeutet dies Lebensgefahr, sagte Steiner. Darüberhinaus könne das Unglück bei den Tieren chronische Krankheiten verursachen oder ihre Fortpflanzung hemmen. Auch Fischeier und -larven seien sicherlich den giftigen Bestandteilen ausgesetzt.

Selbst wenn die "giftige Phase" des Tankerunglücks nach wenigen Monaten beendet sei, könnten die Auswirkungen auf die Umwelt "viel länger" dauern, warnte Steiner. Da aber niemand die Umweltauswirkungen wissenschaftlich untersuche, "werden die Regierungen und Schiffseigner wahrscheinlich zu Unrecht behaupten, dass der Schaden nur begrenzt ist".

Ein Journalist des chinesischen Staatssenders CCTV berichtete am Wochenende, er habe einen Ölteppich auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern rund um den havarierten Tanker gesehen. Die Lage sei "sehr ernst", sagte der Reporter, nachdem er die Unglücksstelle an Bord eines Flugzeugs der chinesischen Meeresbehörde in Augenschein genommen hatte. Die staatliche chinesische Meeresbehörde erklärte jedoch, es seien keine größeren Umweltschäden zu erwarten.

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