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Cem Özdemir im heute journal - "Der DFB hat uns da einen Bärendienst erwiesen"

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Özils Foto mit Erdogan hat nach Ansicht des Grünen-Politikers Cem Özdemir nur Verlierer hervorgebracht: beim DFB, beim Nachwuchs - und beim Spieler selbst.

Grünen-Politiker Cem Özdemir erklärt, Mesut Özils Erklärung zum Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten "hat mich nicht überzeugt". Man müsse darüber diskutieren "was die Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft ausmacht".

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"Das Foto war meines Erachtens falsch", sagte Özdemir im ZDF heute journal. "Es ist immer noch falsch und auch die Begründung von Özil hat mich nicht wirklich überzeugt." Es handele sich bei dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan "nicht um irgendeinen Präsidenten", sondern um einen, der Oppositionelle und Journalisten wegsperre. "Das gleichzusetzen mit demokratischen Politikern - das sollte eigentlich ein Nationalspieler unserer Mannschaft wissen -, das gehört sich nicht", sagte Özdemir.

Der Grünen-Politiker beklagte zudem den Umgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem Fall. Man hätte die Debatte vor der WM führen müssen, sagte Özdemir. Özil nach dem Scheitern bei der WM aber alleine verantwortlich zu machen, "das war nicht anständig, das gehört sich nicht, das sollte ein DFB-Präsident nicht machen".

Grünen-Politiker hätte sich Diskussion vor der WM gewünscht

Özil war am Sonntag als Konsequenz aus der Affäre um seine Fotos mit Erdogan aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Er hatte zugleich mit dem DFB abgerechnet - insbesondere mit Präsident Reinhard Grindel. Er verspüre "ein Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit" ihm gegenüber, hatte Özil erklärt. Der DFB wies jegliche Rassismus-Vorwürfe zurück.

"Der DFB hat uns da einen Bärendienst erwiesen", sagte Özdemir. "Es wird viel schwieriger für all die ehrenamtlich arbeitenden Leute vor Ort, die versuchen, junge Leute zu rekrutieren, für unser Land, für unsere Nationalmannschaft. Die sind um Jahre zurückgeworfen worden", sagte Özdemir.

Grundsätzlich hätte er sich gewünscht, den Fall Özil zum Anlass zu nehmen, schon vor der Weltmeisterschaft darüber zu diskutieren, was Zugehörigkeit zu Deutschland eigentlich bedeute. "Wer die Ärmel hochkrempelt, anpackt für unser Land, der gehört dazu", sagte Özdemir. Es hätte nur auch klar gemacht werden müssen, dass sich diese Zugehörigkeit nicht mit Loyalität zu einem Präsidenten vertrage, der "eindeutig kein Demokrat ist". "Darüber hätte man offen reden müssen."

Özdemir: DFB hätte Özil schützen müssen

Gleichzeitig hätte man sich aber auch schützend vor Özil stellen und sagen müssen: "Wir reden darüber, dieses Foto war nicht okay - aber Rassismus ist genauso wenig okay", sagte Özdemir. Der AfD und anderen gehe es nicht um die Nationalmannschaft. "Die wünschen sich wahrscheinlich eine Mannschaft, wo alle ihre Vorfahren auf die Schlacht am Teutoburger Wald gegen die Römer zurückführen können", sagte der Grünen-Politiker.

Mehrere AfD-Politiker hatten Özils Fotos im Netz aufgegriffen und kommentiert. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sah den Fall beispielsweise als Beleg, dass die deutsche Politik zur Eingliederung von Migranten gescheitert sei: "Integrations-Träumerei funktioniert nicht einmal bei Fußball-Millionären!" Özil stehe "für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis". Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch nannte Özil "Islamprofi".

"Das zurückzuweisen hätte ich mir auch gewünscht", sagte Özdemir. Schweden habe das im Fall Jimmy Durmaz "großartig" gemacht. Nach wüsten Beschimpfungen und Drohungen gegen den türkischstämmigen Nationalspieler stellte sich die schwedische Mannschaft hinter Durmaz. In einem Video riefen am Ende alle: "Fuck Racism!"

Özdemir dazu: "Warum können wir so etwas nicht? Vor vier Jahren konnten wir das. Da waren wir Weltmeister. Die Franzosen haben es dieses Mal großartig hingekriegt. Diesen Spirit wünsche ich mir bei uns im Land."

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