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Verband bedauert Özil-Rücktritt - DFB weist Rassismus-Vorwürfe zurück

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Der Deutsche Fußballbund hat auf den Rundumschlag des zurückgetretenen Nationalspielers Mesut Özil reagiert. Erste Stimmen fordern einen weiteren Rücktritt.

Archiv: Fahnen mit dem Logo des DFB wehen am 15.04.2016 in Frankfurt am Main
Quelle: dpa

Der Verband bedauerte den Rücktritt Özils und setzte sich gegen die Anschuldigungen vor allem gegen Präsident Reinhard Grindel zur Wehr. "Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir (...) in aller Deutlichkeit zurück", hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes.

Zu weiteren personellen Konsequenzen und der Zukunft des stark in der Kritik stehenden Grindel machte der Verband keine Angaben. Der 56 Jahre alte DFB-Chef, der derzeit im Urlaub verweilen soll, wurde in der veröffentlichten Mitteilung auch nicht zitiert. Nach der massiven  Attacke Özils, die der Profi am Sonntag über die sozialen Netzwerke inszenierte, dürfte aber auch der CDU-Politiker um sein Amt fürchten müssen.

Einzelne Politiker forderten in der Debatte um Integration bereits einen Rücktritt des DFB-Präsidenten, dem Özil "Inkompetenz und Unfähigkeit" vorgeworfen hatte. Diesem wolle er nicht länger als "Sündenbock" dienen.

DFB gesteht Fehler ein

Der DFB gestand in der der schwelenden Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auch eigene Fehler ein. "Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein", hieß es in der Mitteilung. Dass Özil zum Ziel von rassistischen Parolen wurde und der Verband seinen Spieler nicht ausreichend geschützt habe, "bedauern wir". Für den Verband dürften die turbulenten ersten Stunden nach Özils Abgang nur ein Vorgeschmack auf das gewesen sein, was nun folgt: eine schwere Verbandskrise, die weit über den Fußballplatz hinaus reicht.

Als ob die sportliche Aufarbeitung nach dem historischen Aus in der WM-Vorrunde in Russland nicht genug Sorgen mache, muss sich der DFB nun auch unbequemen Fragen stellen. "Der DFB steht für Vielfalt, von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis", schreibt der DFB selbst. Gerade an der Spitze war davon beim internen Zerfall nach dem WM-Debakel nicht mehr viel zu sehen. Grindel und Manager Oliver Bierhoff gerieten mit Aussagen über Özil und dessen Rolle in Interviews scharf in die Kritik, der Ton wurde rauer, der lange Zeit schweigende Spielmacher des FC Arsenal immer mehr in eine Ecke gedrängt.

Özil befreite sich auf seine eigene Weise. Seine beispiellos offene Anfeindung war eine Abrechnung mit Land, Leuten und Kritikern, mit DFB-Sponsoren und Medien, mit dem Verband - und vor allem mit Grindel. Rassismus, Karrieregeilheit, Desinteresse, Propaganda - Özils Liste an Vorwürfen war lang, kommentieren wollte sie der DFB nicht. Für den Verband gehöre es "zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen". Kein weiterer Brandherd, keine Reaktion auf die Provokation
- so die offensichtliche Devise des DFB in dieser schweren Depression.

Abgang mit Knalleffekt

"Herausragende Leistungen" habe Özil gezeigt, "eine erfolgreiche Ära mitgeprägt", bedankte sich der DFB. Doch das Schweigen Özils nach den Bildern mit Erdogan und vor der WM sowie das fehlende klare  Bekenntnis zu den deutschen Grundwerten, das Ilkay Gündogan ausgewählten Medien abgab, ärgerte den Verband offenbar doch mehr als anfangs zugegeben. "Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten ist für jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen", schrieb der DFB. "Der DFB hätte sich gefreut, wenn Mesut Özil auf dieser gemeinsamen Basis weiter Teil des Teams hätte sein wollen", hieß es.

Doch Özil wollte nicht mehr, er wollte einen Abgang mit Knalleffekt.Wie der DFB den zornigen Ausstieg Özils nun aufarbeiten wird, ist völlig offen. Sportlich ist der erste von Joachim Löws Weltmeistern abgetreten, doch weit mehr als bei der Kadernominierung dürfte das Özil-Beben auf die Strukturen im Verband und auch auf die  EM-Bewerbung für 2024, bei der die Türkei einziger Gegenkandidat ist, wirken.

In Frankreich bejubelt derzeit eine ganze Nation die Weltmeister-Elf, in der zwei Drittel der Spieler einen Migrationshintergrund haben. Mehr dazu hier.

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