Sie sind hier:

Reaktionen zum Fall Özil - Maas: "Armutszeugnis für alle"

Datum:

Viel Verständnis und jede Menge Gegenwind: Der Fall Özil hat hitzige Debatten losgetreten. Die Kanzlerin lobt ihn, Außenminister Maas spricht von einem "Armutszeugnis für alle".

Warum hat es der DFB nicht geschafft, die Diskussion um das Foto mit Erdogan vor Beginn der WM zu lösen? Ob Präsident Grindel zurücktritt, ist noch ungewiss, so ZDF-Korrespondent Thomas Wark.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Bundesaußenminister Heiko Maas hat davor gewarnt, vom Fall des Fußballstars Mesut Özil Rückschlüsse auf den Stand der Integration von Migranten in Deutschland zu ziehen. "Ich glaube (...) nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland", sagte Maas am Montag in Berlin. Auf Twitter fügte er hinzu, dass es "zahlreiche mindestens genauso wichtige Schicksale" gebe.

Der SPD-Politiker rief alle Seiten zur Mäßigung in der Debatte auf. "Ich glaube alle Beteiligten in der Causa sollten einmal in sich gehen. Ich sehe wenige, die nach meiner Wahrnehmung sich dort einigermaßen richtig verhalten haben." Maas ergänzte: "Ein Rücktritt wegen rassistischer Anfeindungen ist ein Armutszeugnis für alle. Wir verlieren gerade mehr als einen Topspieler."

Maas: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz"

Mit Blick auf Vorwürfe gegen Özil, er habe mit seinem Verhalten zum Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft beigetragen, sagte Maas noch: "Ansonsten liegt die Wahrheit auf dem Platz. Dass die Deutschen so früh ausgeschieden sind, hat wenig damit zu tun, dass Herr Özil sich mit Herrn Erdogan hat fotografieren lassen."

Özil (29) war am Sonntag als Konsequenz aus der Affäre um seine Fotos mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Er verspüre "ein Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit" ihm gegenüber, erklärte Özil seinen Schritt.

Merkel: "Großartiger Fußballer"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederum hatte Özil als "großartigen Fußballer" gelobt und ließ über Regierungssprecherin Ulrike Demmer erklären, dass der Sport viel zur Integration in Deutschland beitrage: "Deutschland ist ein weltoffenes Land und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Schlüsselaufgabe der Bundesregierung."

Es sei gut, dass sich Özil endlich erklärt habe, twitterte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU). "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben." Zugleich dürfe berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen.

Experte: "Wird immer enger für uns"

Kritisch äußerte sich Religionswissenschaftlerin Paula Schrode über den Verlauf der Debatte. Muslime bekämen das Gefühl: Es wird hier immer enger für uns", sagte die Professorin der Universität Bayreuth der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ich glaube auch: Hätte sich statt Özil mit Erdogan ein russischstämmiger Fußballnationalspieler mit dem russischen Präsidenten Putin fotografieren lassen, wäre der Aufschrei wohl nicht so groß gewesen."

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume wertete den Rücktritt Özils im Interview mit dem Portal Vatican News als "bedauerliches Signal" für die Integration türkischstämmiger junger Menschen in Deutschland.

Der Religionswissenschaftler und Buchautor ("Islam in der Krise") zeigte sich zugleich besorgt über die allgemeine Debattenkultur. Das Internet trage zu einem Wiederaufleben von Rassismus und Antisemitismus bei. Es gelte, darüber nachzudenken, "was eigentlich diese neuen Medien mit uns machen, in positiver und in negativer Hinsicht", so Blume: "Der Spaltpilz frisst sich durch die Gesellschaft."

Generalvikar: "Schwer erträglich"

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, schreibt auf seiner Facebook-Seite, abgesehen von einem "schwer erträglichen" Foto-Shooting mit Erdogan und fehlender "Selbstkritik" Özils halte er es für besonders schlimm, "wie schnell gegenwärtig in unserem Land ein offener Rassismus mit nationalistischem Gewand um sich greifen kann".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, schrieb auf Twitter, der Fall Özil zeuge von einer tiefen gesellschaftlichen Wunde. "Wegen Rassismus und Respektlosigkeit erklärt Özil den Rücktritt. Brutal und wahr zugleich."

Unterdessen wurde eine Studie des Duisburger Zentrums für Türkeistudien bekannt, wonach sich Deutsche mit türkischen Wurzeln immer stärker mit der Türkei verbunden fühlen. Der Leiter des Zentrums, Haci-Halil Uslucan, nannte es laut Deutschlandfunk besonders problematisch, dass jeder zweite Türkeistämmige die türkische Regierung und Migrantenorganisationen als seine vorrangigen Interessensvertreter wahrnehme.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.