Oft bemerken Bürger digitale Angriffe nicht

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BKA-Herbsttagung - Oft bemerken Bürger digitale Angriffe nicht

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Die Cyberkriminalität nimmt dramatisch zu. Politik und Sicherheitsbehörden versprechen, sie besser zu bekämpfen. Doch wo ist der Bürger direkt von digitalen Angriffen betroffen?

Es ist inzwischen zum Ritual geworden: Auf der Jahrestagung des Bundeskriminalamtes zeichnen die Analysten des Amtes ein dunkles Bild in Sachen Cyberkriminalität. Dann folgt die Forderung nach weiter reichenden Ermittlungsbefugnissen.

Forderung nach mehr Überwachung

"Wir sehen eine Verlagerung von Kriminalität ins Netz", begründet BKA-Präsident Holger Münch im ZDF den Wunsch nach mehr Überwachung und größeren Datensammlungen. Kinderpornographie findet Münch zufolge nur noch im Netz statt. Als weitere erhebliche Gefahr hebt der BKA-Präsident hervor: "Drogenhandel und Waffenhandel nehmen im Darknet zu." Als Darknet wird der Teil des Internet bezeichnet, der über das TOR-Netzwerk erreichbar ist. Die Server haben dort die Top-Level-Domain .onion.

Über das Darknet kursieren die tollsten Kriminalgeschichten. Die wenigsten davon stimmen. In diesem Zusammenhang sieht der russische IT-Sicherheitsspezialist Eugene Kaspersky eine ganz andere und viel größere Gefahr. "So, wie oft in Sicherheitskreisen über Cyberkriminalität diskutiert wird, bleibt sie für den einzelnen Bürger abstrakt", warnt Kaspersky.

Dabei sind die meisten Computernetze in ihrem Alltag ganz oft von digitalen Angriffen betroffen. Sie merken sie nur nicht. Ein Überblick:

  • Spähangriffe mit Trojanern ...

... und anderer Spionagesoftware sind inzwischen alltäglich geworden. Dabei wird entweder eine eindeutige Identitätsnummer auf den Computer, das Tablet oder Smartphone geschickt. Oder ein Trojaner sammelt alle Daten des Computernutzers: Wo er im Internet surft, welche Software er in welchen Versionen installiert hat, was er googelt, welche Produkte er online kauft. Daraus entstehen persönliche Profile, die von Datenhändlern verkauft werden. Zu großen Teilen ist das illegal.

Tipp: Davor schützen kann man sich nur unzureichend. Virenscanner helfen ein wenig. Web-Seiten mit zweifelhaften Inhalten sollte man besser nicht ansurfen.

  • Hasspropaganda, Fake News und Beleidigungen ...

... nehmen rasant zu. In vielen Foren, auf Facebook, Instagram, Snapchat und anderen sozialen Medien wird zu Gewalt aufgerufen, werden Menschen übel beschimpft oder schlicht Lügen erzählt. Zu großen Teilen ist das strafbar.

Tipp: Strafanzeige in solchen Fällen zu stellen, hilft zwar nur langfristig, ist aber ein erster wichtiger Schritt.

  • Botnetze ...

... mit vielen hunderttausenden PCs nutzen Online-Kriminelle, um Spam-Mail zu versenden oder Überlastangriffe gegen Web-Server zu fahren. Dabei werden zum Beispiel die Server einer Bank oder eines Online-Shops so lange mit Abermillionen von Datenpäckchen beschossen, bis sie in die Knie gehen. Die Absender der Datenpäckchen sind gekaperte PCs. So mancher PC-Besitzer hat sich schon gewundert, wenn Ermittlungsbeamte bei ihm anklopften, weil sein Computer an einem digitalen Angriff beteiligt war.

Tipp: Ein Blick in die Tabelle mit den laufenden Prozessen auf dem eigenen PC verrät, ob das eigene Gerät gekapert wurde.

  • Erpressungstrojaner ...

... haben die Welt 2017 und 2018 in Atem gehalten. Die Ransomware genannte Schadsoftware verschlüsselt dabei den gesamten Festplatteninhalt und verspricht, den Entschlüsselungscode gegen Zahlung von Bitcoins zuzusenden. Das hat nicht nur Rechner der Deutschen Bahn, von Wasserwerken und Automobilfabriken lahmgelegt. Davon sind auch immer wieder private PCs betroffen.

Tipp: Der Zahlungsaufforderung Folge zu leisten bringt in aller Regel nichts. Regelmäßige Updates aufzuspielen, um erkannte Sicherheitslücken zu schließen, ist sinnvoll.

  • Krypto-Mining ...

... wird gerade zur großen Gefahr. Dabei klauen Online-Kriminelle Rechenzeit von PCs, Routern und anderen Geräten, um Bitcoins zu schürfen. Deren Prozessoren laufen deshalb dann tagelang unter Volllast und gehen kaputt.

Tipp: Sind Router betroffen, klappt oftmals die Internet-Anbindung nicht mehr so richtig und IP-Telefonie funktioniert nicht mehr.

  • Telefonie-Trojaner ...

... werden bevorzugt auf Smartphones aufgespielt. Von dort rufen sie dann teure Spezialnummern an, und der Handybesitzer wundert sich über eine irre hohe Telefonrechnung.

Tipp: Auch beim Smartphone empfiehlt sich deshalb ein Antivirenprogramm.

  • Kreditkartenmissbrauch ...

... hat insgesamt zugenommen. Dabei werden die Katendaten per Trojanerangriff oder Phishing-Mails erbeutet. So trudelt dann eine Mail ein, der Internet-Provider brauche eine Sicherheitsabfrage. Hinterlegt seien die Kreditkartendaten. Die müssten zum Abgleich noch einmal eingegeben werden. Zu viele Menschen fallen darauf herein. Noch übler ist es, wenn die Verbindung zum Bankenrechenzentrum abgehört oder umgeleitet wird, und Online-Kriminelle so an die Daten kommen.

Tipp: Buchungen stets zu kontrollieren hilft zwar nur bedingt, kann aber finanzielle Schäden verhindern.

  • Angriffe auf kritische Infrastruktur ...

... wie Krankenhäuser oder das Stromnetz merkt der Bürger natürlich auch sofort und direkt. Zu Monatsanfang hat es eine Klinik in Fürstenfeldbruck erwischt. Nach einem Trojanerangriff auf die Klinik-Computer ging dort nichts mehr. Rettungswagen mussten andere Kliniken anfahren. Geplante Operationen wurden verschoben. Bei Angriffen auf das Stromnetz konnten die Attacken auf Lastverteilungsrechner in Deutschland in der Vergangenheit abgewehrt werden. Andere Länder wie die Ukraine hat es aber öfter getroffen. Auf den Bürger hierzulande hatte das nur indirekte Auswirkungen, weil die Netzfrequenz deutlich abfiel und dann einige ferngesteuerte Uhren nachgingen.

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