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Kampf für Toleranz - Olga Tokarczuk erhält Nobelpreis

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Polnische Autorin - Kampf für Toleranz - Olga Tokarczuk erhält Nobelpreis

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Sie zählt zu den bekanntesten polnischen Autorinnen ihrer Generation und setzt sich gegen Fremdenhass ein. Dabei scheut Olga Tokarczuk vor Kritik an ihrer Heimat nicht zurück.

Archiv: Olga Tokarczuk am 07.03.2019
Olga Tokarczuk gehört zu Polens populärsten Autorinnen der jüngeren Generation.
Quelle: Reuters

Fast sieben Jahre schrieb die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk an ihrem letzten Roman. Als er erschien, traf sie damit den Nerv der Zeit. Ihr Historienroman "Ksiegi Jakubowe" ("Die Bücher Jakobs" 2014) sei angesichts der Migrationskrise hochaktuell, loben Kritiker das Werk über die multikulturelle Geschichte des heute katholisch geprägten Polens. Es ist nun auch in deutscher Übersetzung erschienen.

Tokarczuk: Geschichte Polens neu aufschreiben

Tokarczuk gehört zu Polens populärsten Autorinnen der jüngeren Generation. Sie wolle die Geschichte ihres Landes neu aufschreiben, ohne dabei "die schrecklichen Dinge", zu verstecken, sagte die 57-Jährige einmal. Für Tokarczuk ein Mittel im Kampf gegen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in ihrer Heimat. Polen stelle sich als tolerantes und offenes Land dar, sagte die studierte Psychologin. "Aber wir haben schreckliche Dinge getan", kritisierte sie und prangerte auch Antisemitismus in der Geschichte ihres Landes an.

Seit rund 30 Jahren veröffentlicht Tokarczuk, die in Sulechow bei Zielona Gora (Grünberg) geboren wurde, Gedichte, Romane und Erzählungen. Ihre Werke führen Leser oft in ein Reich zwischen Mythen und Realität. Auch im Ausland machte sich die Polin längst einen Namen. Viele ihrer Romane, darunter "Ur und andere Zeiten" (1996) und "Gesang der Fledermäuse" (2011), wurden ins Deutsche übersetzt. 2015 wurde sie mit dem Brückepreis der Europastadt Görlitz-Zgorzelec geehrt. Ihr Werk weite den Blick auf die neue Literatur in Mittel- und Osteuropa, hieß es damals zur Begründung.

Beschimpft für Kritik an Polen

Zu ihren Auszeichnungen zählen auch der polnische Buchpreis "Nike" (2015, 2008) sowie der Brücke-Berlin-Preis (2002), den sie mit Übersetzerin Esther Kinsky erhielt. Ihr Kampf für Toleranz und vor allem die Konfrontation Polens mit den eigenen Vergehen schufen der Polin auch Feinde. Sogar Todesdrohungen habe sie erhalten, erzählt sie einmal der Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Die Autorin war übel beschimpft worden, nachdem sie den ihrer Ansicht nach geschönten Blick vieler Polen auf die Vergangenheit ihres Landes in einem Fernsehinterview kritisiert hatte. "Wir stellen die Geschichte Polens als die eines toleranten Landes dar, aber wir haben schreckliche Dinge getan", sagte sie und nannte Pogrome und die Diskriminierung ethnischer Minderheiten als Beispiel. In bedrohlichen Zeiten sei Kultur aber besonders wichtig, betont Tokarczuk und will sich weiter engagieren: "Vor allem schreiben".

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