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Oliver Kahn wird 50 - Höher, immer höher

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Vom Karlsruher Amateur zum Torwart-Titan und künftigen Vorstandschef des FC Bayern: In Oliver Kahns Karriere ging es meist steil bergauf. Das Schwierigste kommt aber wohl noch.

Archiv: Oliver Kahn mit dem Pokal der Champions League im Jahre 2001
Oliver Kahn mit dem Pokal der Champions League 2001. Neben diesem Titel gewann Kahn acht deutsche Meisterschaften und sechs Mal den DFB-Pokal mit dem FC Bayern.
Quelle: ZDF

Es gibt ein schönes Zeitdokument vom 27. November 1987, in dem ein 18 Jahre alter Abiturient mit blonder Mähne in breitem Badisch ein paar Sätze in eine Fernsehkamera spricht. "Es ist net so, dass ich jetzt hier irgendwie schlaflose Nächte hätt", sagt der Teenager, "natürlich ist Nervosität da. Aber die Nervosität - ich bin sicher, wenn der Anpfiff erfolgt ist, verspüre ich keine Nervosität mehr." Nach dem Spiel wird der Amateur-Fußballer auf eine 0:4-Niederlage mit dem Karlsruher SC beim 1. FC Köln blicken und dabei erstaunlich gelassen wirken. "Wenn man vier Tore kriegt, na gut, kann man eigentlich net zufrieden sein", sagt er, "aber es war für ein Debüt eigentlich einigermaßen."

Archiv: Oliver Kahn im Trikot des Karlsruher SC am 27.11.1987
Oliver Kahn im Trikot des Karlsruher SC im November 1987: "Wenn man vier Tore kriegt, na gut, kann man eigentlich net zufrieden sein".
Quelle: imago

Die damaligen Sportschau-Zuschauer dürften ebenso wie Oliver Kahn kaum vermutet haben, dass dieses Spiel den Beginn einer Weltkarriere markieren sollte, auf die Kahn an seinem 50. Geburtstag an diesem Samstag zurückblicken kann. Zumal es nach seiner Ligapremiere noch drei Jahre dauerte, bis Kahn zur dauerhaften Nummer eins beim KSC aufstieg.

Für den Durchbruch war Geduld gefragt

Es war Geduld für den Durchbruch gefragt, der ihn mit seinem Wechsel 1994 zum FC Bayern für die damalige Bundesliga-Rekordablöse eines Torwarts (4,6 Millionen D-Mark) in neue Dimensionen führte. Acht Mal wurde Kahn bis zu seinem Karriereende 2008 dort Meister, zudem sechs Mal DFB-Pokal-Sieger und als Höhepunkt 2001 Gewinner der Champions League, als er im Finale gegen den FC Valencia drei Elfmeter parierte.

Drei Mal wurde er als Welttorhüter ausgezeichnet, bei der WM 2002 in Japan und Südkorea gar als bis heute einziger Torwart zum besten Spieler gekürt und vom Boulevard zu King Kahn sowie zum Torwart-Titan erhoben. Den Gewinn des EM-Titels 1996 erlebte er als Reservist der Nationalmannschaft, für die er zwischen 1993 und 2006 86 Spiele bestritt.

Wenn Oliver Kahn nun seinen 50. Geburtstag feiert, wird aber auch und vor allem an seinen einzigartigen Ehrgeiz erinnert, ohne den seine Karriere als gefürchteter Ballfänger kaum möglich gewesen wäre. Für immer im Ligagedächtnis geblieben sind dabei auch seine Ausbrüche. Wie seine Annäherung im April 1999 an den Hals von Borussia Dortmunds Stürmer Heiko Herrlich, gefolgt nur Minuten später von seiner Kung-Fu-Einlage gegen Stéphane Chapuisat. Als "Höhepunkt meiner Aggressionen, die sich je in mir entladen haben", sollte er diese Aktionen später einstufen.

Archiv: Heiko Herrlich und Oliver Kahn am 03.04.1999 in Dortmund
1999: Bayern-Torwart Oliver Kahn versucht, BVB-Stürmer Heiko Herrlich während des Spiels zu beißen.
Quelle: imago

"Eier!"

Ähnlich legendär waren seine markanten Aussagen vor laufenden Kameras. "Eier, wir brauchen Eier", sagte er 2003 nach einer 0:2-Niederlage beim FC Schalke. Zwei Jahre zuvor, bei der Last-Minute-Meisterschaft in Hamburg samt entrücktem Eckfahnenjubel, wurde sein Lebensspruch "Weiter, immer weiter" zum Markenzeichen. Auch deshalb, weil ihn heftige Rückschläge zusätzlich anstachelten. Wie 1999, als er durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit die "Mutter aller Niederlagen" im Finale der Champions League gegen Manchester United erlebte (1:2).

Auch in seiner zweiten Karriere im ZDF seit 2008 und als Geschäftsmann für Torwart-Förderprogramme trieb ihn sein Ehrgeiz an. Nach anfänglicher Kritik gelang ihm die Wandlung vom verbissenen Profi zum gelassenen Experten. So gibt er sich auch in Bezug auf seine dritte Karriere. Vom 1. Januar 2020 an soll er im Vorstand des FC Bayern eingearbeitet werden, um sukzessive die Nachfolge von AG-Chef Karl-Heinz Rummenigge anzutreten, der Ende 2021 abtreten wird.

Oliver Kahn und Uli Hoeness
Oliver Kahn und der jetzige Bayern-Präsident Uli Hoeneß.
Quelle: imago

Bald auch Vorstands-Chef?

Noch sei zwar "nichts spruchreif", sagte Kahn dieser Tage, aber die Gespräche seien schon sehr weit. Höher, immer höher scheint für ihn persönlich mittlerweile zu gelten. Er ahnt dabei, dass ihm seine schwierigste Aufgabe seiner Karriere wohl noch bevorsteht, als Lenker des FC Bayern. Angesprochen auf den geplanten Transfer von Leroy Sané sagte er, der Verein versuche, "international konkurrenzfähig zu bleiben". Das sei gegen Europas Topklubs "eine große Aufgabe, da der finanzielle Unterschied riesig ist". Es sei "in dem jetzigen Fußball-Umfeld schon eine riesige Leistung", dass die Münchner seit 2012 - abgesehen von der Vorsaison - in der Champions League stets vorne mitspielten. Beim FC Bayern trauen sie Kahn zu, dass das mit ihm weiterhin möglich bleibt.

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