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Das Geschäft mit den Waffen - Seit Trump: Waffenverkäufe rückläufig

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Die Waffenverkaufszahlen in den USA brechen ein. Die Traditionsfirma Remington musste Konkurs anmelden. Grund sind nicht etwa Massaker, wie an der Schule in Florida, sondern Trump.

Archiv: Handfeuerwaffen auf einem Display im Huron Valley Guns Store am Gun Appreciation Day, Huron Valley Guns, Milford, Michigan, USA, aufgenommen am 19.01.2013
Handfeuerwaffen in einem Waffengeschäft in Michigan, USA (Archivbild).
Quelle: imago

"Ist das Recht eine Waffe zu besitzen wichtiger als ein Menschenleben? Nein!" sagt Scott Pappalardo aus Middletown, New York. Auf seinem Schoß liegt ein Sturmgewehr. Das gleiche Modell, mit dem der Schütze in Florida vergangene Woche 17 Schüler ermordet hat. Seit 30 Jahren ist Pappalardo stolzer Waffenbesitzer. Plötzlich steht er auf und zersägt seine AR-15 vor laufender Kamera. "Ich werde dafür sorgen, dass diese Waffe niemals benutzt wird, um einem Menschen das Leben zu nehmen." Das Video ist inzwischen Millionen mal angeklickt worden. Unter dem Hashtag #OneLess ("Eine Waffe weniger") hat Pappalardo Dutzende Nachahmer inspiriert.

#OneLess nur eine Minderheit

Eine Massenbewegung ist #OneLess aber nicht. Das Motto vieler Waffenbesitzer in den USA lautet nicht "weniger" sondern "mehr": Zwischen 270 und 310 Millionen Waffen befinden sich in Privatbesitz. Drei von zehn erwachsenen US-Bürgern besitzen eine Waffe. Zwei Drittel haben nicht nur ein Gewehr, sondern ein ganzes Arsenal. Einige wenige, sogenannte Superbesitzer, horten bis zu 140 Waffen.

Trotzdem läuft das Geschäft mit Gewehren seit einem Jahr denkbar schlecht. Gerade hat das Traditionsunternehmen Remington Konkurs angemeldet. Im vergangenen Jahr sind die Verkaufszahlen um 27 Prozent eingebrochen. 177 Mitarbeiter mussten entlassen werden. Remington ist die älteste Waffenschmiede in den USA, gegründet 1816 in Ilion, New York. Remington versorgte Soldaten im Bürgerkrieg und in beiden Weltkriegen mit Waffen. Generationen von Waffennarren kauften Remington Revolver und Gewehre.

Goldene Ära der Waffenindustrie?

"Unter Präsident Obama boomte das Geschäft mit den Waffen", sagt Robert Spitzer, Professor an der State University of New York und Autor mehrerer Bücher zum Thema Waffenrecht. Obama galt als Waffenkritiker. 2012, nach dem Massaker in der Sandy Hook Grundschule in Connecticut, kündigte er schärfere Waffengesetze an.

"Aus Angst vor strengeren Gesetzen, kauften die Leute noch mehr Waffen", erklärt Börsenanalyst Kevin Cassidy. Davon profitierte auch Remington. Die Verkaufszahlen stiegen unmittelbar nach Sandy Hook um 36 Prozent auf 1,3 Milliarden im Jahr 2013. Auch vor der Präsidentschaftswahl 2016 boomte das Geschäft. Der Grund: Die Mehrheit der Amerikaner erwartete einen Sieg Hillary Clintons - und die hatte im Wahlkampf für strengere Waffengesetze plädiert.

Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, sind die goldenen Zeiten für die Waffenindustrie allerdings vorbei. Der Präsident, der sich vor kurzem noch als "treuer Freund" der Waffenbesitzer bezeichnete und für seinen Wahlkampf eine 30 Millionen Dollar Spende der Waffenlobby angenommen hat, ist schlecht fürs Geschäft. "Man könnte von einer Trump-Rezession sprechen", sagt Experte Robert Spitzer.

"Waffenverkauf ist hochpolitisch"

"Waffenbesitzer tätigen keine Panikkäufe mehr. Sie brauchen nicht mehr nach jedem Massaker zu befürchten, dass die Regierung schärfere Waffengesetze androht und durchsetzt", erklärt Daniel Webster, Direktor des Center für Gun Policy and Research. "Die Waffenlobby kann ihre Anhänger nicht mehr so einfach mobilisieren, wie sie das in der Zeit der waffenkritischen Obama-Regierung konnte." Paradoxerweise sind deshalb die Verkaufszahlen der großen Waffenproduzenten im ersten Jahr der Regierung Trump drastisch gefallen. Nicht nur Remington, auch American Outdoor Brands (Smith & Wesson) und Sturm, Ruger & Co. sind betroffen.

"Der Verkauf von Waffen ist hochpolitisch", meint Professor Spitzer. "Es könnte durchaus sein, dass die Wahlen im November neuen Aufschwung für die Waffenindustrie bringen. Sollten die Demokraten gewinnen, werden die Lobbyisten der NRA (National Rifle Organisation) erneut die Angst vor schärferen Waffengesetzen schüren. Das Ziel: möglichst viele Menschen mit möglichst vielen Waffen versorgen."

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