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CO2-Ausstoß im Handel - Sauberer Einkaufen: Online oder im Laden?

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Lieferwahnsinn, Städtesterben: Der Ruf der Online-Handels ist ramponiert. Zu Unrecht, was die CO2-Bilanz angeht. Fährt ein Kunde mit seinem Pkw los, verbraucht er erstmal mehr CO2.

Was verursacht mehr Kohlendioxid-Emissionen: Der Online-Handel oder der stationäre Handel? Der Online-Handel hat es strukturell leichter, CO2 einzusparen, weil er effektiver transportiert und weniger Gebäude betreiben muss.

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Wenn es um Kohlendioxid-Emissionen geht, hat der Online-Handel einen strukturellen Vorteil: Die Versender versuchen von sich aus, Zeit und Treibstoff zu sparen. Entsprechend niedrig ist der CO2-Ausstoß.

Es ist neun Uhr morgens im Zustell-Zentrum der DHL in Frankfurt-Rödelheim: Der Zusteller Libo Valenzia packt seinen Transporter. Diesmal lädt er 174 Pakete und Päckchen ein. Valenzia achtet sehr darauf, die Pakete richtig zu sortieren. Der kürzeste Weg von Kunde zu Kunde ist das Ziel. "Das Laden ist eigentlich das A und O. Wenn man nicht richtig geladen hat, ist man draußen verloren", sagt Libo Valenzia.

Kurze Wege

Wenn alles gut verstaut ist, rechnet ein Navigationsgerät die günstigste Route aus. Der Zusteller will so wenig wie möglich fahren, unnötige Wege vermeiden. Libo Valenzia ist den ganzen Tag in seinem Bezirk in Frankfurt Bockenheim unterwegs, fährt aber insgesamt nur rund 20 Kilometer. Es kommt auf eine gute Planung an, erklärt er: "Das ist das Wichtigste eigentlich. Wenn man morgens nicht gut organisiert ist, nicht gut geplant hat, verliert man viel Zeit. Erstens Zeit, zweitens vermeidet man das sinnlose Hin- und Herfahren."

Die Paketzusteller wollen Treibstoff und Zeit sparen, dadurch stoßen sie automatisch wenig Kohlendioxid aus, eben weil die Wege von Kunde zu Kunde so kurz wie möglich sind. Auch wenn man die gesamte Lieferkette vom Lager des Herstellers bis zum Kunden miteinbezieht, rechnet DHL mit nur 500 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Paket. Von 600 Gramm CO2 geht das Öko-Institut aus.

Einkaufen mit dem Auto verursacht viel CO2

Wenn dagegen ein Kunde mit dem Auto zu einem Geschäft vor Ort fährt, stößt er auf einem Kilometer 139 Gramm Kohlendioxid aus, sagt das Umweltbundesamt. Das heißt, nach fünf Kilometern Einkaufsfahrt ist der CO2-Ausstoß der gesamten Lieferkette des Online-Handels erreicht.

Wer mit Bus oder Bahn einkauft, verursacht weniger CO2-Ausstoß, nur 440 Gramm rechnet das Öko-Institut. Kommt die Käuferin oder der Käufer zu Fuß oder mit dem Fahrrad, fällt gar kein CO2 an. Das heißt, die Nähe von Kunden und Ladengeschäft hilft, das hat zum Beispiel auch Ikea erkannt. Der Ikea-Deutschland-Chef, Dennis Balslev erklärt es so: "Wir haben entschieden, in die Städte zu gehen. Es ist besser, wir kommen zu den Kunden, als dass sie zu uns fahren. Wir ziehen in die großen Städte."

Auch in seinen Häusern auf der grünen Wiese versucht Ikea, Kohlendioxid zu vermeiden. Auf seinen Parkplätzen bietet Ikea kostenlos Ökostrom für Elektro-Autos an. Nur fahren hierzulande bisher eben nur Wenige ein E-Auto. Ikea muss, wie alle stationären Händler, seine Waren den Kunden präsentieren. Hier braucht es Beleuchtung, Heizung, Kühlung, vielleicht sogar Restaurants. Das setzt viel CO2 frei. Der Online-Handel dagegen kommt ohne Läden aus, braucht nur Logistik und Strom für die Computer und Server.

Energie sparen mit Gewinn

Ikea setzt seit 2010 in seinen Verkaufsräumen auf möglichst energiesparende Technik und hat festgestellt, dass das sogar ein gutes Geschäft ist. "Es ist interessant, wir haben festgestellt: Es kostet kein Geld, nachhaltig zu sein, da ist ein großer Gewinn. Manchmal dauert es zwei Jahre, manchmal acht, bevor man die Kosten raushat, aber langfristig ist es ein Gewinn für uns, aber auch für die Kunden, für den Planeten," sagt Balslev.

Wegen seiner kurzen Wege und weil er keine Laden-Geschäfte betreiben muss, ist der Online-Handel erst einmal im Vorteil, was den Ausstoß von Kohlendioxid angeht. Im Alltag allerdings kommen zusätzliche CO2-Emissionen dazu: Die vielen Retouren müssen eben auch transportiert werden. Wenn der Paketbote den Kunden nicht antrifft, muss ebenfalls mehr gefahren werden. Wenn der Kunde eine schnelle Lieferung verlangt, hat der Paketdienst nicht die Zeit, seinen Transporter auszulasten. Außerdem fallen im Online-Handel zusätzliche Verpackungen an.

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