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Maschinelle Übersetzung - Kölner Start-up will Google den Rang ablaufen

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Kampfansage an Google und Microsoft: Ein Start-up aus Köln will mit seinem Online-Übersetzungsdienst besser sein als die etablierte US-Konkurrenz. Kann das gelingen?

Archiv: Ein Mann tippt am 28.04.2014 in einem Büro in Berlin auf einer Tastatur
Quelle: dpa

Vorgezogene Neuwahlen in Japan. Regierungschef Shinzo Abe gewinnt mit deutlichem Vorsprung. Das Medienecho im In- und Ausland ist groß. Auch die Washington Post berichtet. Doch nicht jeder spricht so gut Englisch, dass er den Artikel in der US-Tageszeitung auf Anhieb versteht. Online-Übersetzungsprogramme können helfen.

Besser als die Konkurrenz

Maschinelle Textübersetzung war bisher die Domäne von Google und Microsoft. Wer einen fremdsprachigen Text ins Deutsche übertragen wollte, bemühte meist den Google Übersetzer oder den Übersetzungsdienst aus dem Hause Microsoft. DeepL, ein Start-up aus Köln, will den etablierten Diensten nun Paroli bieten und besser sein als die US-Konkurrenz.

Bis vor wenigen Jahren funktionierten Online-Übersetzungsdienste eher schlecht als recht. Zwar hat sich die Übersetzungsqualität dank neuer Technologien mittlerweile deutlich verbessert. Sie reicht aber gerade bei längeren Texten oftmals nur aus, um sich einen Eindruck vom Inhalt zu verschaffen. Flüssig lesbar sind nur die wenigsten Übersetzungen. Man merkt sofort, hier war ein Computer am Werk.

Kein Newcomer

Archiv: Die Grafik zeigt, wie die Übersetzungsdienste von Google, Microsoft und DeepL den ersten Satz eines Artikels der Washington Post übersetzen
Quelle: ZDF

DeepL will mit künstlichen neuronalen Netzen und Deep Learning punkten. Diese Technologien werden zwar auch von Google und Co. benutzt. Man habe sie bei DeepL jedoch deutlich verbessert, sagt Silvia Lipski, Redaktionsleiterin beim Kölner Übersetzungsdienst. Zudem ist DeepL kein Newcomer auf dem Übersetzungsmarkt. Das Start-up betreibt seit acht Jahren das Webportal Linguee, eine Suchmaschine für Übersetzungen.

Anders als die meisten anderen Online-Wörterbücher werden Wörter bei Linguee nicht einzeln übersetzt, sondern in Satzzusammenhängen präsentiert. Dadurch gibt es auch bei Redewendungen, die ansonsten unverständlich blieben, keine Probleme. In den vergangenen Jahren wurden auf den Servern von Linguee zudem Milliarden Übersetzungen angesammelt - ein Datenschatz, der DeepL nun zugutekommt.

Wie DeepL trainiert wird

Denn um künstliche neuronale Netze zu trainieren, braucht man sehr viele Trainingsdaten, so Lipski zu heute.de. "Die Netzwerke schauen sich hochqualitative Übersetzungen an und können so lernen, was eine gute Übersetzung ausmacht." Je mehr Übersetzungen in der Trainingsphase zur Verfügung stünden, desto besser würde das Netzwerk am Ende funktionieren, sagt Lipski.

heute.de hat die Übersetzungsdienste von Google, Microsoft und DeepL mit dem Artikel der Washington Post zur Wahl in Japan gefüttert. Der Microsoft Translator scheiterte schon am ersten Satz. Die Übersetzung klang holprig und blieb unverständlich. Der Google Übersetzer hatte vor allem mit der deutschen Grammatik Probleme. Am besten funktionierte DeepL. Die Übersetzung war flüssig lesbar und korrekt. Selbst Konjunktive wurden richtig erkannt.

Nur sieben Sprachen

In Tests schneidet DeepL besonders gut ab, wenn längere Sätze zu übersetzen sind. Fehlerfrei ist der Dienst natürlich nicht. DeepL ging im August an den Start und zählte schon im ersten Monat über eine Million Nutzer. Nach positiven Berichten etwa in der französischen Tageszeitung Le Monde oder im US-IT-Blog TechCrunch stiegen die Nutzerzahlen auch international rasant. "Ein Drittel der Zugriffe kommt derzeit aus Deutschland, der Rest aus der ganzen Welt", sagt Lipski.

Nachholbedarf hat DeepL beim Funktionsumfang. Ganze Webseiten wie bei Google lassen sich noch nicht übersetzen. Auch stehen mit Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch und Polnisch derzeit nur sieben Sprachen zur Auswahl. Weitere sind in Planung. Der Google Übersetzer spricht dagegen schon jetzt über hundert Sprachen. Bei Microsoft sind es mehr als 60.

Smartphone-Apps in Planung

DeepL ist kostenlos und kann über jeden Browser am PC, auf dem Smartphone oder auf dem Tablet betrieben werden. Ein zu übersetzender Text darf bis zu 5.000 Zeichen lang sein. Die Eingangssprache wird automatisch erkannt. Eine App für iOS und Android gibt es noch nicht. DeepL will nachbessern. "Wir arbeiten daran", sagt Silvia Lipski.

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