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OPEC-Treffen in Wien - Zwist im Ölkartell

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Die OPEC-Länder haben seit zwei Jahren ihre Produktion gedrosselt und den Ölpreis steigen lassen. Nun sind sie anlässlich ihres Treffens in Wien uneins über das weitere Vorgehen.

Archiv: Arbeiter an einer Ölpipeline
Arbeiter an einer Ölpipeline (Archivbild). Quelle: reuters

Schizophrenie greift offenbar in Ölförderstaaten um sich. "Wir wollen keinen hohen Ölpreis - wir wollen aber auch keinen niedrigen Ölpreis." Das sagte der für Ölförderung zuständige Minister aus dem Oman, Mohammed bin Hamad Al-Rumhy. Und damit meinte er: Lassen wir es doch, wie es ist.

Ölpreise zu hoch?

Seit eineinhalb Jahren ist die Situation folgende: Die Staaten des Ölkartells OPEC hatten sich gemeinsam mit dem nicht zum Bund gehörigen Russland auf eine Förderbegrenzung geeinigt. Das wiederum zegte den gewünschten Erfolg: Seither sind die Ölpreise ziemlich konstant gestiegen.

Das merken nicht nur Autofahrer an den Zapfsäulen und Häuslebesitzer beim Bestellen von Heizöl. Die gestiegenen Preise wirken sich auch auf Unternehmen und Wirtschaft aus. Das ist einer der offiziellen Gründe, warum Russland und Saudi-Arabien nun wieder ihre Produktion hochfahren wollen. So erklärte der saudische Energieminister im Vorfeld des OPEC-Treffens, dass ein zu hoher Ölpreis das Weltwirtschaftswachstum beeinträchtigen könnte. Deswegen sei es wichtig, eine Balance herzustellen.

Unterschiedliche Interessen

Ganz uneigennützig ist dieses Anliegen allerdings nicht: Eine steigende Produktion bedeutet für diese Großproduzenten auch steigende Einnahmen. Ganz im Unterschied zu Venezuela und Iran. Die nämlich kämpfen gerade mit anderen Problemen. Iran sieht sich mit den neuen US-Sanktionen konfrontiert und Venezuela mit einer schweren Wirtschaftskrise. Angesichts dieser Schwierigkeiten können beide Länder ihre Produktion kaum ausweiten. Deswegen sind sie an hohen oder sogar steigenden Ölpreisen interessiert.

Zugleich sind sie aber auch eine der Ursachen für die aktuell vergleichsweise hohen Ölpreise von rund 75 Dollar pro Fass: Denn die OPEC-Staaten produzieren aktuell weniger Öl, als sie könnten - was zum Großteil auf Venezuela und den Iran zurückzuführen ist. So gesehen würde die von Russland und Saudi-Arabien angestrebte Erhöhung der Produktion eine Lücke schließen. Beide Staaten würden davon profitieren, Iran und Venezuela aber nicht.

Trump mischt mit

Für das am Freitag beginnende Treffen steht nun die Möglichkeit auf der Tagesordnung, die Fördermengen um 300.000 bis 1,5 Millionen Fass wieder zu erhöhen. Unterstützung für dieses Anliegen kam in den vergangenen Tagen auch aus dem Weißen Haus in Washington. Stilgemäß per Twitter hat der US-Präsident die OPEC bezichtigt, an "zu hohen" Ölpreisen Schuld zu sein. Das allerdings entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Schizophrenie: Denn in den vergangenen Jahren haben sich die USA zu einem der drei größten Ölförderstaaten der Welt aufgeschwungen. Und zwar durch das umstrittene "Fracking", also der Ölgewinnung aus Schiefersand.

Die Äußerungen Trumps blieben natürlich nicht unkommentiert. So hat der iranische Ölminister in dieser Woche gekontert: Schuld an den hohen Ölpreisen seien vor allem die USA und namentlich eben Trump. Denn der sei mit seinen Sanktionen gegen Iran und Venezuela der eigentliche Treiber der Ölpreise. In der Tat lässt sich eine Tatsache zumindest nicht leugnen: Die letzte Phase der anziehenden Ölpreise hat begonnen vor etwas über einem Jahr - und zwar in etwa zum Zeitpunkt der Reise Trumps nach Saudi-Arabien, wo er Waffendeals einfädelte und an einem Säbeltanz teilnahm. Saudi-Arabien und Iran stehen sich in der Region traditionell feindlich gegenüber, weil sie um die regionale Vorherrschaft kämpfen. So hat denn auch den letzten Schub der Ölpreise die Ankündigung Trumps bewirkt, aus dem Atom-Deal mit Iran auszusteigen und das Land wieder mit Sanktionen zu belegen.

Können Autofahrer aufatmen?

Die OPEC-Länder in Wien jedenfalls haben keine einfachen Verhandlungen vor sich. Dennoch gab es am Donnerstag auch versöhnlichere Töne: Der iranische Energieminister zeigte sich optimistisch, dass es zu einer Einigung kommen könne. Experten vermuten im Falle einer solchen Einigung einen Kompromiss der Erhöhung der Produktion zwischen 300.000 und 600.000 Barrel. Das wiederum würde gut zur grassierenden Schizophrenie passen: Dann nämlich erwarten Beobachter Preise auf dem heutigen Niveau, nicht höher, nicht niedriger. Das wäre keine allzu schlechte Nachricht für Autofahrer vor den anstehenden Sommerferien, nachdem der Spritpreis in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen ist.

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