Sie sind hier:

Zukunftsplan "Pace" - Opel wieder profitabel

Datum:

Genau vor einem Jahr hat Opel-Chef Michael Lohscheller der Belegschaft den Zukunftsplan "Pace" verkündet. Nach zwölf Monaten kann sich die Bilanz bei Opel durchaus sehen lassen.

Zentrale von Opel in Rüsselsheim am 4.7.2018
Zentrale von Opel in Rüsselsheim am 4.7.2018 Quelle: reuters

Als Opel im Juli einen Halbjahresgewinn von 502 Millionen Euro verkündete, überraschte das so ziemlich alle in der Branche. 20 Jahre machte man in Rüsselheim unter General Motors nur Verluste. Der neue Eigner, der französische PSA-Konzern, hat das Ruder rumgerissen und mit einem harten Sparprogramm Opel wettbewerbsfähig gemacht. "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass 'Pace' funktioniert. Unsere Umsatzerlöse pro Fahrzeug haben sich verbessert. Wir haben unsere Werke profitabler gemacht. All das hat dazu geführt, dass wir jetzt Opel schnell wieder in die schwarzen Zahlen führen konnten", sagt Opel-Chef Michael Lohscheller im ZDF-Interview.

Tausende Stellen sozialverträglich gestrichen

Dank der Zusammenarbeit mit der neuen Unternehmensmutter PSA könne Opel viele Fahrzeuge günstiger entwickeln. Im ersten Halbjahr seien die Fixkosten um 28 Prozent gesunken, heißt es bei Opel. "Was überraschend ist, dass die Franzosen das in einem Jahr hinbekommen haben. Das hat General Motors nicht geschafft. Gemeinsamer Einkauf, gemeinsame Entwicklung", da sei noch Sparpotenzial drin, sagt Jürgen Pieper, Autoanalyst des Bankhauses Metzler.

Die guten Opel-Zahlen sind aber auch Ergebnis eines massiven Stellenabbaus. Zwar wurde keinem "Opelaner" gekündigt, denn Geschäftsleitung, IG Metall und Betriebsrat vereinbarten, einen Abbau über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen zu regeln. Im Ergebnis verlassen aber 3.700 Beschäftigte das Unternehmen. Ein Aderlass für die Arbeitnehmervertreter. Die übrigen mehr als 15.000 Arbeitsplätze sind bis einschließlich Juli 2023 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. PSA verpflichtet sich im Gegenzug zu Investitionen in Milliardenhöhe für alle deutschen Standorte in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.

Die Gewerkschaft hatte dafür Lohnzugeständnisse gemacht und Erhöhungen aus dem Flächentarifvertrag zeitlich verschoben. "Die Leute, die jetzt an Bord sind, können auch nicht gekündigt werden. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, in die Beschäftigung und den Bestand zu investieren. Das setzt aber voraus, dass wir in Rüsselsheim ein drittes volumenkräftiges Fahrzeug bekommen, neben dem Zafira und Insignia. Da erwarten wir Vorschläge vom Konzern", fordert Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.  

Zukunft des Entwicklungszentrums ungewiss

Schäfer-Klug erkennt zwar an, dass die Franzosen vieles verändert haben. Aber die Kultur sei doch eine andere, vor allem beim Thema Mitbestimmung. Nicht immer werde der Betriebsrat umfassend informiert. So will Opel die Kosten aller Voraussicht nach durch den Verkauf eines Teils des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums mit rund 2.000 Mitarbeitern an den französischen Ingenieursdienstleister Segula noch weiter drücken. Viele Mitarbeiter im Entwicklungszentrum sind skeptisch, was sie bei Segula erwartet, berichtet Schäfer-Klug dem ZDF.

Der Gesamtbetriebsratschef betont, dass es in Verhandlungen jetzt darum gehe, die betroffenen Mitarbeiter mit Tarifverträgen abzusichern. Opel-Chef Michael Lohscheller dagegen sagt, das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim bleibe Kern der Marke. "Wir übernehmen die gesamte Entwicklung für die leichten Nutzfahrzeuge im PSA-Konzern. Wir haben auch die Entwicklungsverantwortung für eine neue Motorenfamilie bekommen. Richtig ist aber auch, dass wir Überkapazitäten in Rüsselheim haben", gesteht Lohscheller ein.

PSA drückt in Rüsselsheim aufs Tempo

So sorgt der Übergang von bis zu 2.000 Opel-Mitarbeitern an Segula Technologies für Unruhe im Unternehmen. Die Anfangseuphorie über den neuen französischen Besitzer ist bei vielen Mitarbeitern erstmal verflogen. Denn PSA drückt bei den Rüsselsheimern aufs Tempo. "PSA-Chef Carlos Tavares ist ein harter Knochen. Er verordnete erstmal harte Medizin. Aber er ist ein Automanager, der viel davon versteht", betont Autoanalyst Pieper.

Es zeigt sich, dass mehr als ein Jahr nach der Übernahme die Franzosen Opel an der kurzen Leine führen. Tavares will Erfolge sehen. Mit seinem Sparprogramm macht er sich nicht nur Freunde in Rüsselsheim. Aber "Pace" hat auch zum Kurswechsel bei Opel geführt. Entscheidend wird das nächste Jahr sein. Dann will Opel die Konkurrenz mit Modellen wie dem neuen Corsa angreifen.

Dominik Lessmeister ist Reporter im ZDF-Landesstudio Hessen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.