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Zwischenbilanz nach PSA-Übernahme - Opel: Zahlen gut, Stimmung schlecht

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Mitten hinein in die Werksferien in Rüsselsheim endlich mal gute Nachrichten über Opel: Die Marke mit dem Blitz verdient wieder Geld. Doch ist das wirklich die Wende zum Guten?

Zentrale von Opel in Rüsselsheim am 4.7.2018
Zentrale von Opel in Rüsselsheim am 4.7.2018 Quelle: reuters

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete der hessische Autobauer zusammen mit seiner britischen Tochter Vauxhall ein Betriebsergebnis von 502 Millionen Euro. Was jahrelang nicht möglich war, scheint auf einmal zu gehen: Opel schreibt schwarze Zahlen, zumindest in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres.

Händlern die Verträge aufgekündigt

Was machen die französischen Eigner anders? Kann der an der Spitze des PSA-Konzerns stehende Carlos Tavares zaubern? Oder ist der als Kostenkiller bekannte Franco-Portugiese bereits radikaler vorgegangen als bisher bekannt? Bis 2020 will Tavares bei Opel den Turnaround geschafft haben. Derzeit sieht es danach aus, als könne er dieses Ziel sogar früher erreichen.

Tavares, der einst unter dem Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn gelernt hat, Konzerne wieder auf Kurs zu bringen, und der den Opel-Mutterkonzern Peugeot-Citroen in erstaunlicher Geschwindigkeit sanierte, weiß, wo er ansetzen muss: Einkauf, Entwicklung, Händlernetz. Drei Bereiche, in denen sich bei Opel Milliarden einsparen lassen. Im Einkauf allein durch die Bündelung der Markenmacht. Die Zulieferer werden von den Herstellern noch stärker ausgequetscht. Den Opel-Händlern wurden bundesweit die Verträge aufgekündigt. Offiziell begründet mit dem Aushandeln von anderen Konditionen. Wobei das Wort "andere" in diesem Zusammenhang durchaus als für den PSA-Konzern bessere Konditionen verstanden werden darf.

Eine Plattform für viele Marken

Und dann noch die Entwicklung. Hier lassen sich bei Opel ganz sicher die meisten Kosten sparen. Kein Wunder: Unter Führung des ehemaligen Mutterkonzerns GM war Opel gezwungen, Autos so zu entwickeln, dass sie überall auf der Welt verkauft werden könnten. Da es auf der Welt sehr unterschiedliche Zulassungskriterien für Fahrzeuge gibt, machte das die Entwicklung stets extrem teuer. Bereits beim gemeinsam mit Peugeot-Citroen entwickelten und auf einer PSA-Plattform aufbauenden Opel Grandland zeigt sich, dass es wesentlich günstiger geht. Das ist der Weg, den Sanierer Tavares auch in Zukunft gehen will. Eine Plattform für viele Marken - nur so lässt sich offenbar heutzutage noch Geld verdienen.

Die Maßnahmen zeigen: Tavares hat Opels Geschäftszahlen nicht aus dem Hut gezaubert, sehr wohl aber längst die Samthandschuhe ausgezogen, die er anfänglich beim Werben um Opel noch getragen haben mag. Das Ganze aber hat seinen Preis: Die Stimmung in Rüsselsheim ist trotz der derzeitigen Sommerhitze eisig. Hinter vorgehaltener Hand wird von den "arroganten Franzosen" gesprochen, wenn Manager aus Paris auf dem Werksgelände gesichtet werden. Rund 3.700 Stellen sollen bei Opel abgebaut werden - trotz einer ausgehandelten Jobgarantie. Abfindungsprogramme laufen. Der Gesamtbetriebsrat fühlte sich jüngst genötigt zu schreiben, dass Opel die Mitarbeiter davonlaufen. Die Besten. Denn Abfindungen nehmen vor allem die Beschäftigten, die wissen, dass sie schnell woanders wieder unterkommen.

Weiter Marktanteile verloren

Und aus noch einem anderen Grund fährt Tavares mit Opel einen "heißen Reifen". Trotz erster Kosten- und Effizienzerfolge verliert Opel weiter Marktanteile. Neueste Zahlen sehen Opel nur noch bei 5,9 Prozent. Zu wenig - nicht nur für Tavarez, sondern auch für die stolzen Opelaner. Noch vor 20 Jahren wetteiferte Opel mit VW um die Vorherrschaft beim Kunden. Um wieder auf diese Augenhöhe zu kommen, müssten aber nicht nur die Kosten stimmen, dafür bräuchte es auch motivierte Händler und motivierte Werksangestellte. Hier zeigt das System Tavares Schwächen.

Statt sich auf den Autobau zu konzentrieren, sehen sich viele Opelaner immer wieder mit unangenehmen Neuigkeiten konfrontiert. Gedankenspiele um einen zumindest teilweisen Verkaufs des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, das als Herzstück der Marke Opel gilt. Ebenso neuerliche Verdachtsmomente, auch Opel habe mit illegaler Software Abgaswerte an seinen Fahrzeugen manipuliert.

Wenn die Opelaner übernächste Woche aus ihren Betriebsferien zurückkehren, werden sie sich also keineswegs uneingeschränkt über den heutigen Achtungserfolg freuen können. Zu unsicher ist auch weiterhin die Zukunft der Marke und vieler Arbeitsplätze in Deutschland.

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