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Krise in Venezuela - Guaidó will Hilfspakete holen - Schüsse an Grenze

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Das venezolanische Militär hat am Samstag Tränengas eingesetzt, um eine Demonstration an der Grenze zu Kolumbien aufzulösen. Es kam zu Zusammenstößen.

Der Machtkampf in Venezuela spitzt sich zu. Interimspräsident Guaidó hat zu einem Sturm auf die Grenzen aufgerufen, um Hilfsgüter ins Land zu holen. Die Nationalgarde setzte Tränengas ein.

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Die Demonstranten hatten versucht, am Grenzort Ureña nach Kolumbien zu gelangen. Unterdessen desertierten vier venezolanische Soldaten und überquerten die seit Freitag geschlossene Grenze. Die Menschenmenge, die in Ureña Spezialkräften der Nationalgarde gegenüberstand, skandierte: "Wir wollen arbeiten." Wie Vertreter der kolumbianischen Einwanderungsbehörde mitteilten, brachen drei Mitglieder der Nationalgarde Venezuelas mit einem gepanzerten Fahrzeug durch Sicherheitsbarrikaden auf der Grenzbrücke Simón Bolívar.

Eine Frau auf der kolumbianischen Seite sei bei der Aktion verletzt worden, berichtete ein AFP-Reporter. Die Behörden erklärten zudem, ein Offizier der Nationalgarde sei über eine andere Brücke aus Venezuela in den kolumbianischen Grenzort Cúcuta desertiert.

Guaidó: Soldaten haben uns geholfen

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó hatte zuvor angekündigt, die humanitäre Hilfe persönlich abholen zu wollen: Überraschend hatte sich der junge Oppositionsführer am Freitag beim Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta gezeigt. Sein Besuch im Nachbarland war eine offene Provokation gegen seinen Kontrahenten, Staatschef Nicolás Maduro: Wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens darf Guaidó das Land eigentlich gar nicht verlassen.

Macht, Musik und Hilfslieferungen

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"Die Frage ist: Wie sind wir hier nach Kolumbien gekommen, wenn der Luftraum gesperrt und der Schiffsverkehr verboten ist und die Straßen blockiert sind? Wir sind hier, weil die Soldaten uns geholfen haben. Das ist die Wahrheit", sagte Guaidó vor der Lagerhalle mit den Hilfsgütern an der Seite von Kolumbiens Präsident Ivan Duque, dem chilenischen Staatschef Sebastián Piñera und Paraguays Präsident Mario Abdó. Der kolumbianische Fernsehsender Caracol veröffentlichte ein Video, auf dem Guaidó mit Anhängern im Laufschritt über eine Grenzbrücke zwischen Venezuela und Kolumbien rennt. "Diese Brücke gehört mir", ruft er und streckt eine Faust in die Luft. "Natürlich schaffen wir es."

USA und UN warnen vor Gewalt

Washington warnte Maduro und das venezolanische Militär vor Gewaltanwendung. In einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung forderte das Weiße Haus die venezolanischen Soldaten auf, Hilfsgüter für das Volk ungehindert passieren zu lassen. "Die Welt sieht zu", warnten die USA.

Karte von Venezuela und Kolumbien mit Cucuta
In der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta liegt Hilfe für Venezuela bereit.

Dass die Soldaten Guaidó nach eigener Darstellung passieren ließen, sorgte bei Maduros Gegnern für Optimismus. "Hoffentlich erleuchtet Gott die Streitkräfte", sagte der chilenische Präsident Piñera. Auch Kolumbiens Staatschef appellierte an das Militär: "Soldaten, stellt euch auf die richtige Seite der Geschichte."

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte die venezolanischen Sicherheitskräfte unterdessen auf, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Außenminister Jorge Arreaza erklärte: "Das Militär wird niemals den Befehl erhalten, auf Zivilisten zu schießen. Es ist dazu da, unser Territorium gegen bewaffnete Angriffe zu verteidigen."

USA bringen Hilfe nach Cúcuta

US-Hilfsgüter für Venezuela in Kolumbien.
US-Hilfsgüter für Venezuela in Kolumbien.
Quelle: Sofia Toscano/colprensa/dpa

Der US-Sonderbeauftragte für Venezuela, Elliott Abrams, brachte am Freitag weitere Hilfsgüter nach Cúcuta. "Venezuela wird frei sein - vielleicht morgen, vielleicht übermorgen", sagte er. "Soldaten, hört die Schreie eurer Brüder und Schwestern, eurer Väter, Mütter und Kinder. Sie verlangen Essen und Medikamente, um zu überleben."

Hunderttausende Menschen hatten zuvor bei "Venezuela Aid Live" bekannten lateinamerikanischen Künstlern wie Luis Fonsi, Juanes, Maluma und Paulina Rubio zugejubelt. Mit dem Konzert wollten der britische Milliardär Richard Branson und die venezolanische Opposition den Startschuss zu einer Spendenkampagne geben, um innerhalb von 60 Tagen bis zu 100 Millionen Dollar für die humanitäre Hilfe einzusammeln.

Auf der venezolanischen Seite hielten regierungstreue Musiker bei einem Gegenkonzert dagegen und forderten "Hände weg von Venezuela". Der Regierungsfunktionär Freddy Bernal sagte: "Alle Künstler auf der Bühne werden der Welt sagen, dass Venezuela frei und unabhängig ist."

Hunger und Malaria

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs einführen. Viele Menschen hungern, Infektionskrankheiten wie Malaria breiten sich wieder aus und über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen. An den Hilfslieferungen könnte sich der seit Wochen tobende Machtkampf zwischen Maduro und seinem Gegenspieler Guaidó entscheiden. Gelingt es dem selbst ernannten Interimspräsident tatsächlich, Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel nach Venezuela zu schaffen und an die notleidende Bevölkerung zu verteilen, wäre das ein Coup. Gehen die Soldaten allerdings mit Gewalt gegen die Freiwilligen vor, könnte es Blutvergießen geben.

Auch in Brasilien stehen zahlreiche Hilfsgüter bereit. Allerdings hat Maduro die Grenze schließen lassen.

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