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Orang-Utan-Welttag - Eine Insel für den blinden Leuser

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Zweimal haben Tierschützer den Orang-Utan Leuser gerettet. Doch Wilderer richteten ihn so zu, dass er erblindete. Seine Retter wollen ihm trotzdem ein normales Leben ermöglichen.

Blinder Orang-Utan Leuser bekommt neues Zuhause
Der blinde Orang-Utan Leuser soll sein Leben im Käfig bald hinter sich lassen. Quelle: SOCP

Er muss ein besonders mutiger Affe gewesen sein, neugierig und unternehmungslustig. Jeden Quadratmeter "seines" Regenwalds erkundete Leuser, als er endlich wieder frei sein durfte. Monatelang hatten ihn Tierschützer auf seine Auswilderung vorbereitet. Als es soweit war, kam der Orang-Utan hervorragend im Dschungel zurecht. Die ersten Monate im Nationalpark Bukit Tigapuluh auf der indonesischen Insel Sumatra dürften die glücklichsten in seinem Leben gewesen sein.

Schon als Jungtier in Gefangenschaft

Zum ersten Mal hatten die Tierschützer Leuser auf der heißen Landstraße nach Jakarta gefunden - in einem Fahrzeug, qualvoll gefesselt. Wilderer hatten das Äffchen im Regenwald gefangen. In der indonesischen Hauptstadt wollten sie ihre Beute verkaufen. In Asien, aber auch in vielen arabischen Ländern gilt es als Statussymbol, ein Wildtier zu besitzen. Meist töten die Räuber die Orang-Utan-Mütter und nehmen nur die wehrlosen Babys mit.

Viele Orang-Utan-Kinder in Indonesien sind Waisen und auf menschliche Hilfe angewiesen. Dabei sind Menschen nicht nur letzte Hoffnung, sondern auch größter Feind: Durch die Rodung von Regenwald für Palmölplantagen verlieren die Tiere ihren Lebensraum.

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In seinem neuen Leben legte Leuser weite Strecken zurück, kletterte auf hohe Bäume, baute Nester. Der Affe verhielt sich, als hätte er nie in Gefangenschaft gelebt. Die Tierschützer waren glücklich. Mehr als eintausend Tiere warten in Rettungsstationen auf Sumatra und Borneo auf ihre Auswilderung. Die oft noch sehr jungen Überlebenden sind verwaist, verletzt und häufig traumatisiert. Nur wenigen gelingt der Weg zurück in die Wildnis so problemlos wie Leuser.

Von Gewehrkugeln durchsiebt

Im November 2006 erhalten die Helfer des Sumatra Orangutan Conservation Program (SOCP) einen Anruf. In einem Dorf, 40 Kilometer außerhalb des Nationalparks, sollen Bauern einen Orang-Utan versteckt haben. Als die Tierschützer eintreffen, sind sie entsetzt: Es ist Leuser und er ist fast bewusstlos vor Schmerzen. Die Verletzungen sind dramatisch. Ein 40 Zentimeter langer Schnitt klafft im rechten Bein. 62 Luftgewehrkugeln haben den Körper durchsiebt, Kugeln stecken in beiden Augen. Leuser ist halbtot, von Schmerzen gemartert und blind.

Es wird nie geklärt, warum die Bauern den jungen Affen so quälten. Die Tierschützer vermuten, dass es aus Langeweile war. Im SOCP-Rettungszentrum in Medan, im Norden Sumatras, operieren sie den Orang-Utan. 14 Kugeln können entfernt werden. Aber schnell wird klar: Der Patient wird nie wieder sehen können und für immer auf menschliche Hilfe angewiesen sein. Eine erneute Auswilderung ist undenkbar. Wird Leuser auf ewig in einem Käfig bleiben müssen?

Eine Alternative zum Käfig

Forest School, Central Kalimantan, Indonesia. BOS Foundation
Viele Urang-Utans, die von Menschen verletzt wurden, können nicht mehr in die Wildnis zurückkehren und sind auf Menschen angewiesen, die ihnen helfen. Quelle: Borneo Orangutan Survival Foundation

Orang-Utans können bis zu 50 Jahre alt werden. Die Vorstellung, dass der hochsensible, kluge Affenjunge den Rest seines vermutlich noch langen Lebens zwar sicher, aber hinter Gittern verbringt, wollen die SOCP-Helfer nicht akzeptieren. Zumal der blinde Leuser nicht der einzige ist. In den Käfigen des Rettungszentrums führen auch andere, nicht auswilderungsfähige Tiere ein tristes Leben. So können Orang-Utans, die sich bei Menschen mit Hepatitis B infiziert haben, nicht geheilt und nie entlassen werden. Die Hoffnung heißt "Orang Utan Haven". In der Nähe von Medan hat SOCP 48 Hektar Regenwald gekauft, die Leuser und seinen Leidensgenossen ein artgerechtes Altern ermöglichen sollen. Im "Haven" soll jedes Tier eine kleine Insel bekommen: "Umgeben von Wasser, mit Vegetation, mit Wind in ihren Haaren und Dingen, auf die sie klettern können", sagt SOCP-Direktor Ian Singleton. Die Inseln wären groß genug für ein richtiges Leben und klein genug, die Kranken nicht zu überfordern.

Eine internationale Herausforderung

Leusers Chance, nicht im Käfig zu sterben, wird fast ausschließlich durch Spendengelder ermöglicht. Gerade aus Deutschland erfahren die indonesischen Tierschützer dabei regelmäßig Unterstützung. Die Orang-Utan-Rettungsvereine in Leipzig oder Berlin gehören weltweit zu den wichtigsten Helfern. Allein schaffen es die indonesischen Tierschutz-Organisationen längst nicht mehr, die Ausrottung der letzten Orang-Utans zu verhindern. Sie brauchen die Hilfe der ganzen Menschheit. 

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