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Drogen, Geld und dunkle Geschäfte - Welche kriminellen Clans in Deutschland agieren

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Der Schlag gegen die Mafia hat ein Licht auf die Strukturen der organisierten Kriminalität geworfen, die Deutschland prägen. Hier ein Überblick über die einflussreichsten Banden.

Mafia

Quelle: colourbox.de

Die italienische Mafia

Sie ist die bekannteste und bis heute eine der brutalsten Verbrecherorganisationen: die italienische Mafia, die ihren Ursprung in Sizilien hat. Die "Cosa Nostra" hat ihr Netzwerk auf der ganzen Welt und ist auch in Deutschland aktiv. Das BKA ermittelte 2017 in drei Verfahren gegen Mitglieder der Organisation. Konkurrenz bekommt die "Cosa Nostra" aus dem eigenen Land: die neapolitanische "Camorra", die weniger bekannte "Stidda" und die kalabrische "'Ndrangheta". Gegen letztere richtete sich der Schlag der internationalen Ermittler, bei dem am Mittwoch in Italien, Deutschland, den Niederlanden und in Belgien 90 Verdächtige festgenommen wurden. Die "'Ndrangheta" gilt als die gefährlichste und einflussreichste Mafiaorganisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel.

Deutschland wird von der italienischen Mafia besonders zur Geldwäsche, für Rauschgifthandel, Wirtschaftskriminalität, Erpressungs- und Raubdelikte genutzt. Die Mafia-Expertin Margherita Bettoni erklärt im ZDF-Interview, dass sich Deutschland aufgrund seiner Infrastruktur geradezu anbiete. Die Mafia finde hier eine "starke Volkswirtschaft mitten in Europa mit guter Infrastruktur, wo viel Bargeld im Umlauf ist und es auch viele Anlagamöglichkeiten gibt".

Das BKA beklagt in einem Lagebericht für das Jahr 2017 vor allem einen "hohen Organisations- und Professionalisierungsgrad" und führt das auf Verbindungen zurück, die sich seit den 70er Jahren gebildet hätten. Die Behörden gehen von etwa 600 aktiven Mafia-Mitgliedern in Deutschland aus, am stärksten vertreten sei die 'Ndrangheta. Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI hat sie weltweit etwa 6.000 Mitglieder in 160 sogenannten Clans. Diese hängen über Familienbande miteinander zusammen. Experten schätzen, dass die 'Ndrangheta jährlich einen weltweiten Umsatz zwischen 50 und 100 Milliarden Euro macht.

Auch in Deutschland soll die 'Ndrangheta außerordentlich aktiv sein. Welche Folgen das hierzulande hat, beantwortet der Mafia-Experte und Journalist Sandro Mattioli.

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Russisch-Eurasische Banden

In seinem Bundeslagebild listet das BKA auch "Russisch-Eurasische Organisierte Kriminalität" - kurz REOK - auf, ohne diesen Organisationen bestimmte Namen zuzuordnen. Das verbindende Element dieser Syndikate ist die russische Sprache. Die Anführer, die von ihren Gefolgsleuten als "Diebe im Gesetz" bezeichnet werden, orientieren sich an einem eigenen Norm- und Wertesystem. Vor allem russische, deutsche und litauische Staatsangehörige führen diese Gruppierungen an. Sie sind besonders im Drogenhandel und -schmuggel sowie in Eigentumsdelikten aktiv. Außerdem wird die REOK häufig mit Schleuserbanden und Geldwäsche in Verbindung gebracht.

"Rockerkrieg: Aufstieg der Hells Angels": Ein Motorradfahrer der Hells Angels fährt auf dem Motorrad.
Kein Rocker ohne Motorrad: Der Kult ums richtige Gefährt bildet den Kern der Gruppen. "Freiheit" statt gültiger Gesetze wird angestrebt.
Quelle: dpa

Rockergruppen

Ihre Wurzeln haben alle bedeutenden Rockerclubs in den USA. Zu den bekanntesten in Deutschland aktiven Rockergruppen zählen die "Hells Angels" und die "Bandidos" aber auch der in der Öffentlichkeit weniger bekannte "Gremium MC". Sie sind Mitglieder der international organisierten Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG). Dazu kommen Unterstützerclubs und regional aktive Gangs. Das BKA geht davon aus, dass insgesamt etwa 10.000 Mitglieder in Hunderten Chaptern aktiv sind. Die Palette der Straftaten, in die Angehörige dieser Banden involviert sind, ist breit: Laut BKA reicht sie von Drogen- und Gewaltdelikten bis hin zu Wirtschaftskriminalität und Kontrolle des Nachtlebens.

Gesondert betrachtet werden beim BKA "rockerähnliche Gruppierungen", die aus einem ähnlichen Selbstverständnis heraus aktiv sind, bei denen aber keine Motorradpflicht besteht.

Kriminelle Familienclans

Arabischstämmige Großfamilien mit kriminellen Mitgliedern leben vor allem in Berlin, im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und Bremen. In der Hauptstadt sollen es mindestens zwölf Clans mit mehreren hundert Mitgliedern sein. Von 68 großen Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität richteten sich zuletzt 14 gegen diese Strukturen. Vor allem die abgeschotteten Familienstrukturen machen es der Polizei schwer. Viele Mitglieder dieser Familien, die kurdischer, palästinensischer oder libanesischer Herkunft sind, durften in Deutschland lange nicht arbeiten. Offiziell waren sie staatenlos und ihr Aufenthaltsstatus ungeklärt. Kriminalität - vor allem Drogenhandel und vermutlich Geldwäsche - wurde zur Haupteinnahmequelle.

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