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Organspende - "Ich will wieder am Leben teilnehmen"

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Niemand beschäftigt sich gern mit seinem eigenen Tod, aber was ist, wenn die eigenen Organe andere Leben retten können? Heute berät der Bundestag über zwei Gesetzesentwürfe.

Patrick Korosec wartet auf eine neue Niere. Seit drei Jahren ist er dialysepflichtig - jeden zweiten Tag. Seine Gesundheit leidet darunter und sein Leben. Doch er hofft weiter.

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Als die Ärzte Patrick Korosec (47) eröffnen, dass seine beiden von Zysten befallenen Nieren entfernt werden müssen, ändert sich sein Leben schlagartig. Seit über drei Jahren ist er Dialyse-Patient. "Es wird von Tag zu Tag schwieriger", sagt er und hofft auf eine neue Niere. In Deutschland stehen 10.000 schwer kranke Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

Zwei Gesetzesentwürfe          

Angesichts dieser dramatischen Situation gibt es parteiübergreifend ein Bewusstsein dafür, dass es einen Mentalitätswechsel bei der Organspende geben muss. Wie das erreicht werden könnte, darüber allerdings gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Am Nachmittag werden im Bundestag über zwei konkurrierende Gesetzesentwürfe in erster Lesung debattiert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach führen eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe an, die für die Widerspruchslösung eintritt.  Danach wäre jeder automatisch Organspender, der nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Im Fall des Hirntodes können die Angehörigen noch ein Veto einlegen, deshalb doppelte Widerspruchslösung.

Automatische oder bewusste Spende?

Minister Spahn bezeichnet die Organspende als "größtmögliche Solidarität". Kritiker halten die Widerspruchslösung für verfassungswidrig, da sie dem Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen widerspreche, schweigen dürfe nicht Zustimmung bedeuten. Auch die evangelische und die katholische Kirche haben sich in die Debatte eingeschaltet, nach ihrer Ansicht muss die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben.

Einen Alternativvorschlag hat eine Parlamentariergruppe um die Bundesvorsitzende der Grünen Annalena Baerbock und die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, vorgelegt, dieser setzt weiterhin auf eine bewusste Entscheidung und eine ausdrückliche Zustimmung zur Organspende. Laut Gesetzesentwurf sollen die Bürger regelmäßig etwa bei der Verlängerung ihrer Ausweise nach ihrer Bereitschaft zur Organspende befragt werden, Hausärzte sollen ihre Patienten mindestens alle zwei Jahre über die Organspende informieren.     

Bundestag entscheidet im Herbst

Das Thema heute im Bundestag ist ethisch heikel. Darf der Staat dem Bürger zumuten, sich mit dem eigenen Tod und der eigenen Bereitschaft zur Organspende auseinanderzusetzen? Heute werden zwei sehr unterschiedliche Gesetzesentwürfe beraten, die Abgeordneten werden aber erst im Herbst entscheiden.     

Patrick Korosec wartet seit über drei Jahren auf eine neue Niere, er findet die Widerspruchslösung gut, die Menschen würden durch sie nicht bevormundet, jeder könne widersprechen. Patrick Korosec ist erst 47 Jahre, doch manchmal fühlt er sich wie 70. Die Hoffnung will er nicht aufgeben, sein größter Wunsch: "Ich will wieder am Leben teilnehmen."

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