Sie sind hier:

Thüringer Beziehungen zu Russland - Der nahe Osten

Datum:

Wenn Sachsens Ministerpräsident Kretschmer die Russland-Sanktionen abschaffen will und seine ostdeutschen Kollegen dazu nicken, hat das auch wirtschaftliche und historische Gründe.

Spezialitätengeschäft von Irina Breinert in Weimar
Das "Russische-Spezialitäten"-Geschäft von Irina Breinert in Weimar.
Quelle: ZDF/Hagen Mikulas

Einer der ersten Unterstützer von Michaels Kretschmers (CDU) Forderung war sein Thüringer Amtskollege Bodo Ramelow (Linke). "Die politische Wirkungslosigkeit der Sanktionen ist längst erwiesen, ihr erklärtes Ziel, der so dringend notwendige Frieden in der Ukraine, ist so weit entfernt wie je, das Leid der Zivilbevölkerung groß", sagte Ramelow in einem Interview mit der "Thüringer Allgemeinen". Zudem leide die Wirtschaft der neuen Bundesländer seit Jahren unter den Sanktionen.

Aufträge und Kunden gehen verloren

Die konkreten Folgen zeigen sich bei der Werkzeugbau Ruhla GmbH im Thüringischen Seebach. Die Maschinenbaufirma stellt Werkzeugformen für den Spritzguss von Medizin und Kosmetikverpackungen her. Rund 40 Prozent des Umsatzes macht der Mittelständler auf dem russischen Markt. Zwar seien die eigenen Produkte nicht sanktioniert, aber "die Kunden haben Probleme, unsere relativ teuren Waren zu kaufen. Weil die Banken auch sanktioniert sind und unsere Kunden kein Geld dafür bekommen", erklärt Geschäftsführerin Lena Lüneburger. Deshalb verliere die Firma regelmäßig Aufträge im Wert von Hunderttausenden Euro und langfristig auch Kunden, so Lüneburger: "Sie schauen nach Japan, China, Korea – und dort machen sie Geschäfte. Deswegen verlieren wir nach und nach Kunden."

Geschäftsführerin Lena Lüneburger
Ruhla-Geschäftsführerin Lena Lüneburger.
Quelle: ZDF/Hagen Mikulas

Wie ausgeprägt die Wirtschaftsbeziehungen der neuen Bundesländer nach Russland sind, zeigt sich in Thüringen beispielhaft: 222 Firmen sind derzeit auf dem russischen Markt aktiv. An den Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen gibt es 125 deutsch-russische Kooperationen, hat das Thüringer Wirtschaftsministerium gerade ausgerechnet.

Russland viertgrößter Partner Thüringens

Nach den USA, China und der Schweiz ist Russland der viertgrößte Wirtschaftspartner Thüringens außerhalb der EU. Im Jahr 2012, vor Beginn der Sanktionen, lieferte der Freistaat Erzeugnisse im Wert von 421 Millionen Euro nach Russland. 2018 lagen die Exporte bei kaum noch 300 Millionen Euro.

Die Nähe der Ostdeutschen zu Russland zeigt sich auch im russischen Lädchen von Irina Breinert in Weimar West. 2005 kam die Ingenieurin aus Sibirien nach Thüringen und betreibt seit zwei Jahren ein Spezialitätengeschäft. Russisches Eis, Sprotten, Wodka oder Pelmeni seien gefragte Produkte: "Viele deutsche Kunden kennen die russischen Produkte, viele haben schon Erfahrung aus der DDR-Zeit und ganz bestimmte Wünsche – danach fragen sie bei mir." Über 40 Jahre deutsch-sowjetischer Zwangsfreundschaft haben auch kulinarisch Spuren hinterlassen. Die Wirtschaftssanktionen, sagt Irina Breinert, seien in ihrem Laden nur selten ein Thema. Wenn doch, dann lehnten sie fast alle Kunden ab.

Hagen Mikulas ist Reporter im ZDF-Studio Erfurt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.