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28 Jahre nach Wiedervereinigung - Osten und Westen - noch Unterschiede?

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Zwei Studentinnen, zwei Bürgermeister, zwei Unternehmer, eine Kernfrage: Gibt es noch Unterschiede zwischen Ost und West? Eine Spurensuche in Niedersachen und Sachsen-Anhalt.

Theaterauführung des Maxim Gorki Theaters zum Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor
Feier zum Jubiläum der Wiedervereinigung: Vor 28 Jahren wurde Deutschland wieder eins - doch Unterschiede bleiben.
Quelle: dpa

"Ich habe lange Zeit in Köln, Berlin und Stuttgart gelebt und ich habe keinen Unterschied mehr gefühlt", sagt Andreas Brohm. Seit vier Jahren ist der frühere Musical-Tourmanager Bürgermeister von Tangerhütte in Sachsen-Anhalt. Vor der Wende galt die Gemeinde als wirtschaftliches Zentrum der Region. Heute ist sie geprägt von leerstehenden und maroden Gebäuden. Brohm führt uns durch eine der größten Industriebrachen: eine alte Gießerei. Unter unseren Füßen klirren Scherben, vor uns wachsen Bäume. Brohm hat große Visionen. Sein Motto: "Luxus der Leere". Mit neuen Wohn- und Industriekonzepten will er Investoren anziehen und die Brachen wiederbeleben.

Baugrundstücke zu verschenken

"Bei den Alten kann es noch passieren, dass die Mauer da ist. Bei jungen Leuten nicht mehr", so der Eindruck von Manfred Weiner. Seit 42 Jahren ist er Bürgermeister von Ottenstein in Niedersachsen. Wie Andreas Brohm will auch er seine Region attraktiver machen und neue Einwohner gewinnen. Er hat zwar keine Industriebrachen, dafür aber ein anderes Problem: Ottenstein ist abgeschieden. Bis zur nächsten Autobahn braucht man eine gute Stunde.

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Weiner sagt: "Wenn wir uns nicht rühren, dann hätten wir bis 2035 einen Einwohnerschwund von etwa 35 Prozent." Es sei sein Ansatz, das zu verhindern. Und der ist ungewöhnlich: Er verschenkt Baugrundstücke. Stolz führt er uns durch das Neubaugebiet. Erzählt, dass er von vielen für verrückt gehalten wurde, aber sein Plan geht auf: Sechs von zehn Bauplätzen sind vergeben. Sein Motto: "Unser Dorf hat Zukunft."

Die Studentinnen in der Stadt

"Ich würde sagen, dass dieses Ost-West-Ding in meiner Generation nicht mehr so eine Rolle spielt, in der Generation meiner Eltern vielleicht schon. Ich sehe aber noch einige Unterschiede, obwohl es die nicht mehr geben sollte." Wir treffen die 24-jährige Insa Steinebach an ihrem Lieblingsort in Magdeburg, dem Elbufer. Aufgewachsen ist sie in Schleswig-Holstein, fürs Studium ist sie in den Osten gezogen. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts machen das gerade einmal drei Prozent der Abiturienten aus dem westdeutschen Bundesgebiet. 35 Prozent derjenigen, die im Osten Abitur gemacht haben, studieren hingegen im Anschluss im Westen.

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So wie die 21-jährige Laura Schneider. Aus dem kleinen Prettin in Sachsen-Anhalt ist sie fürs Studium nach Braunschweig in Niedersachsen gezogen. Während wir mit ihr durch Braunschweig schlendern, erzählt sie uns: "Bei mir zuhause würde es auf jeden Fall erstmal auffallen, wenn eine Familie aus einem anderen Land einzieht, das gehört nicht zum Bild des Ortes dazu." Beim Thema "Offenheit gegenüber anderen Kulturen" sehen die Studentinnen einen klaren Unterschied. Allerdings: weniger zwischen Ost und West, sondern eher zwischen Stadt und Land.

Unternehmer zwischen Online und Offline

"Beim Einkommen oder bei anderen Dingen kann man immer wieder diese ehemalige DDR-Fläche wiederfinden, das kann man auch bestimmt in 20 Jahren noch. Aber ich denke, in vielen Köpfen ist das überhaupt kein Thema mehr", stellt Unternehmer Lutz Herms fest. "Der eine ist mit der Wende klargekommen, der andere nicht", fügt er hinzu.

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Zusammen mit seiner Frau Ariane hat sich Herms in Schernebeck in Sachsen-Anhalt einen Traum erfüllt: den eigenen Biohof. Wir stehen mitten auf ihrer Weide, die Sonne scheint, neben uns grasen Rinder. Ländliche Idylle - nur das mit dem Netz klappt alles andere als gut. Herms hat deshalb eine Notlösung parat: "Im Unternehmen arbeiten wir mit Funk, wir haben Walkie-Talkies wie das halt früher auch gang und gäbe war." Doch gutes Netz und schnelles Internet wären für den Biohof wichtig: Tierbestände, Düngebilanzen - alles muss online hinterlegt werden. Große Daten können die Herms bisher nur mit viel Geduld hochladen. Wir finden das "beste Netz" hingegen im niedersächsischen Isernhagen, sagt Unternehmer Rolf Spremberg stolz. Es sei "elementar wichtig, wenn man ein schnelles Geschäft machen will", erklärt er uns inmitten der großen Produktionshalle für Systemtechnik.

Integration: Unterschiede in Ost und West

Mit dem Netz hat er also kein Problem, dafür trifft ihn der Fachkräftemangel. Rolf Spremberg sieht darin aber auch eine Chance: "Kriegt man fertige Fachleute irgendwo her? Nein, die muss man selbst kreieren. Und da merken wir mit unseren Flüchtlingen, die jetzt ankommen, dass die sehr engagiert sind und auch sagen: 'Wir möchten später in diesem Betrieb arbeiten'". Beim Thema Integration von Migranten gibt es für den Geschäftsführer klare Unterschiede zwischen Ost und West. "Es geht ja vielen Menschen in den neuen Bundesländern schlechter als in den alten. Ich glaube schon, da wo es den Leuten schlechter geht, haben die mehr Probleme damit, Flüchtlinge zu integrieren. Weil sie ihre eigene Situation sehen."

Zwei Studentinnen, zwei Bürgermeister, zwei Unternehmer: Sie haben uns gezeigt, dass es noch Unterschiede zwischen Ost und West gibt. Sie haben uns aber auch gezeigt: Es liegt an jedem Einzelnen, die jeweiligen Herausforderungen zu meistern und Mauern in den Köpfen gar nicht erst entstehen zu lassen.

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