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Fairer Handel - Wie fair ist der Schoko-Hase?

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Deutschland ist Weltmeister - bei der Produktion, aber auch beim Naschen von Schoko-Osterhasen. Das geht häufig auf Kosten von Kakaobauern in Afrika. Doch es tut sich was.

Archiv: In Schablonen gegossene Schokolade-Ostereier werden zusammengesetzt, aufgenommen am 09.04.2019
Deutschland ist Weltmeister bei der Produktion und beim Naschen von Schokoladen-Osterhasen.
Quelle: picture alliance/APA/picturedesk.com

Wenn kommendes Wochenende wieder die große Eiersuche losgeht, dann müsste jeder Deutsche mindestens einen Osterhasen aus Schokolade finden - zumindest statistisch gesehen. Etwa 220 Millionen solcher Schokohasen haben deutsche Hersteller in diesem Jahr produziert, 114 Millionen davon bleiben in Deutschland. Der Rest wird vor allem in Länder der EU, in die USA sowie nach Kanada und Australien exportiert.

Süßer Schoki-Kick auf Kosten der Ärmsten

Beim Kauf von Schokohasen haben deutsche Kunden mittlerweile immer häufiger die Möglichkeit, Verantwortung zu zeigen: Sie können zu Produkten greifen, die dabei helfen sollen, bessere Lebensbedingungen in den Ländern zu schaffen, in denen die Rohstoffe produziert werden. Bei Schokoladenprodukten geht es dabei vor allem um den Kakao.

Die Armut unter den Kakaobauern ist so groß, dass junge Leute andere Verdienstchancen suchen und wir eine regelrechte Landflucht sehen.
Edith Gmeiner von Fairtrade Deutschland

Denn die Produktion ist fast immer mir Armut und Überlebenskampf verbunden: Viele Kakaobauern in Westafrika - Hauptproduzent ist die Elfenbeinküste - können aus dem Anbau oftmals kaum den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie bestreiten.

Verschiedene Initiativen wie UTZ Certified, Rainforest Alliance oder auch Fairtrade engagieren sich deshalb im Bereich der Kakao-Produktion für mehr Nachhaltigkeit und bessere Bedingungen für die Bauern.

Kakao-Anbau fairer gestalten

Dabei geht es nicht nur darum, Gutes zu tun, um das schlechte Gewissen der reichen Länder zu erleichtern. "Die Armut unter den Kakaobauern ist so groß, dass junge Leute andere Verdienstchancen suchen und wir eine regelrechte Landflucht sehen", sagt Edith Gmeiner von Fairtrade Deutschland. "Wenn wir weiterhin Kakao haben möchten, dann müssen wir auch etwas dafür tun, damit sich die Perspektiven verbessern."

"Wenn wir weiterhin Kakao haben möchten, dann müssen wir auch etwas dafür tun, damit sich die Perspektiven verbessern."
Edith Gmeiner von Fairtrade Deutschland

Um dies zu erreichen, arbeitet das internationale Netzwerk Transfair, zu dem auch Fairtrade Deutschland gehört, daran, die lange Produktionskette gerechter und nachhaltiger zu gestalten. Eine Kette, an deren Anfang die ärmsten und schwächsten Glieder stehen - die Kakaobauern. Das Model von Transfair sieht vor, dass sich Kakaobauern zu demokratisch organisierten Genossenschaften zusammenschließen und mit Abnehmern und Produzenten zusammenarbeiten, die sich an die Standards von Transfair halten.

In der Elfenbeinküste tut sich was

Neben Schulungen für die Bauern oder dem Verbot von Kinderarbeit geht es dabei natürlich auch um Geld. "Auch bei stark schwankenden Weltpreisen für Kakao können sich die Bauern hierbei auf einen Mindestpreis verlassen, ein Sicherheitsnetz sozusagen", sagt Edith Gmeiner. Bislang waren dies 2.000 US-Dollar pro Tonne Kakaobohnen, ab Oktober werden es 2.400 US-Dollar sein. Hinzu kommt ein Aufschlag von 240 US-Dollar pro Tonne, über deren Verwendung die Genossenschaften bestimmen können. So können sie das Geld beispielsweise für Trocknungsanlagen oder Schulprojekte einsetzen. "Damit so ein System richtig wirken kann, brauchen wir 30 bis 40 Prozent der Gesamternte mit so einem Mindestpreis", erklärt Edith Gmeiner. Mit bereits 30 Prozent sei man heute auf einem guten Weg. In der Elfenbeinküste gibt es derzeit rund 200 solcher Genossenschaften mit insgesamt rund 230.000 Bauern. Vor einigen Jahren sah das noch deutlich anders aus.

Archiv: Kakaoanbau in der Elfenbeinküste, aufgenommen am 19.05.2011
In der Elfenbeinküste wird weltweit der meiste Kakao angebaut
Quelle: Reuters

Der Anteil fair gehandelten Kakaos, der in deutschen Süßwaren steckt, lag bis zum Jahr 2014 bei nur einem Prozent. Dann wurde ein Fairtrade-Label nur für Kakao eingeführt. "Mittlerweile sind wir bei zehn Prozent, also rund 50.000 Tonnen pro Jahr", so Gmeiner. Dass es zu dieser großen Steigerung innerhalb weniger Jahre kommen konnte, führt die Fairtrade-Expertin auf verschiedene Faktoren zurück - beispielsweise auf eine gestiegene Nachfrage durch die Kunden. Ebenso wirke sich auch ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein der Industrie aus.

Fairtrade ist nicht gleich Fairtrade

Der BDSI empfiehlt seinen Mitgliedern, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen, um für die Gesamtbranche einen Anteil von 75 Prozent im Jahre 2025 zu erreichen.
Solveig Schneider, BDSI-Sprecherin

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) beziffert den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren für 2018 sogar auf 62 Prozent. Im Jahr 2011 waren es demnach noch drei Prozent. Mit Blick auf die Zukunft sagt die Sprecherin des Verbands, Solveig Schneider: "Der BDSI empfiehlt seinen Mitgliedern, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen, um für die Gesamtbranche einen Anteil von 75 Prozent im Jahre 2025 zu erreichen." Das könne "aber nur durch das Zusammenwirken aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten erreicht und nicht von den Herstellern allein gewährleistet werden".

Auch wenn sich die Zahlen von Fairtrade und BDSI deutlich in Lesart und Definition unterscheiden: Es scheint sich bereits einiges getan zu haben beim Thema Kakao-Produktion. Wenngleich Edith Gmeiner von Fairtrade Deutschland noch eine Menge Luft nach oben sieht. "Um den Kakaobauern weiter aus der Armut zu helfen, müssten wir eigentlich über einen Referenzpreis reden, der deutlich über dem aktuellen Mindestpreis liegt. Hier gibt es gerade auch ein Kooperationsprojekt mit dem Entwicklungsministerium." Damit solches Umdenken gelingen kann, dürfen wir Verbraucher aber nicht nur nach dem billigsten Preis schauen. Vielleicht schon jetzt - beim Griff nach dem Schokohasen.

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