Sie sind hier:

Große Feier auf Rügen - Ostsee-Windpark Arkona geht in Betrieb

Datum:

Vor Rügen hat Eon 60 Windkraftanlagen errichtet. Die Inbetriebnahme des Windparks wird heute mit Politprominenz gefeiert. Doch die Branche bekommt auch Gegenwind.

Offshore-Windpark "Arkona" in der Ostsee
Offshore-Windpark "Arkona" in der Ostsee
Quelle: dpa

Vom Kreidefelsen an der Ostküste von Rügen ist er nur bei klarem Wetter am Horizont zu erkennen: "Arkona", der größte Windpark der Ostsee. Imposant ragen die 60 Windräder 175 Meter in den Himmel. Mit einer Gesamtleistung von mehr als 380 Megawatt versorgen sie etwa 400.000 Haushalte. 1,2 Milliarden Euro haben Eon und der norwegische Anteilseigner Equinor investiert. 

Heute geht der Windpark offiziell in Betrieb. Das Ereignis soll in Sassnitz-Mukran auf Rügen groß gefeiert werden, unter anderen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Auch Norwegens Energieminister Kjell Borge Freiberg und der französische Umweltminister François de Rugy haben zugesagt, wie Eon mitteilte.

Der Offshore-Windpark Arkona, der als größter Windpark der Ostsee gilt, geht an diesem Dienstag offiziell in Betrieb. Über anhaltende Proteste gegen Stromtrassen sagt Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU): "Die Politik hat zu lange weggeschaut."

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Der Vorteil von Offshore-Anlagen: Selbst bei einer leichten Brise kann hier zuverlässig eine große Menge an Strom produziert werden. Außerdem stören die Windräder keine Anwohner.

Naturschützer warnen vor Umwelt-Belastungen

Der Gegenwind fällt auf See deshalb zwar geringer aus - Naturschützer warnen dennoch vor Umwelt-Belastungen: "Die Einweihung eines so großen Windparks ist ein guter Tag für den Klimaschutz, ein problematischer Tag für den Meeresnaturschutz. Wir haben Konflikte mit dem Vogelzug", so Corinna Cwielag vom BUND Mecklenburg-Vorpommern. Um möglichst wenige Vögel zu beeinträchtigen, können einzelne "Arkona"-Windräder gedrosselt oder abgeschaltet werden. Auch der Lärm, der besonders beim Bau der Anlagen entsteht, belaste die Tierwelt in der Ostsee, so Kritiker.

Luftaufnahme des Offshore-Windparks "Alpha Ventus" in der Nordsee

Windkraft auf See - Zehn Jahre Offshore-Parks: Eine Erfolgsgeschichte

Windräder in der Nordsee, die umweltfreundlichen Strom erzeugen - heute kaum mehr wegzudenken. Einige Naturschützer sind noch immer skeptisch. Experten waren es anfangs auch.

Kritik: Branchen-Potentiale werden nicht ausgeschöpft

Vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns produzieren mit "Arkona" mittlerweile vier Windparks Strom für mehr als eine Million Haushalte. Drei weitere Parks sind geplant. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sei das aber zu wenig, sagt Jens Fortmann, Professor für Windenergie und Netzausbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Bundespolitik stehe auf der Bremse: "Wenn der Genehmigungsprozess von staatlicher Seite nicht gestartet wird, dann gibt's auch keine Möglichkeit, Windparks zu bauen." Als die Stromgewinnung auf See los ging, war die Produktion noch sehr teuer. Durch neue Technologien sind die Kosten aber deutlich gesunken, die Zahl der Bauanträge gestiegen. Doch die Politik kommt mit schlankeren Genehmigungsprozessen nicht hinterher, kritisiert Fortmann.

Fortmann hält am enormen Potential der Offshore-Industrie fest. Momentan würden fünf Gigawatt Strom durch Offshore-Windanlagen in Nord- und Ostsee generiert, das Zehnfache wäre möglich. Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müssten jährlich Windparks mit einer Gesamtleistung von zwei Gigawatt gebaut werden. Die Planung der Bundesregierung sieht aber nur die Hälfte vor.

Netzausbau kostet Zeit und Geld

Ein weiteres Problem der Energiewende ist der Netzausbau. Um den Strom der Windräder von der See an Land zu bekommen, müssen Stromkabel im Meeresboden verlegt werden. Außerdem soll der Ostsee-Strom auch in den Süden Deutschlands transportiert werden können. Die Bundesregierung bereitet deshalb den Bau der unterirdischen Stromautobahn "SuedLink" vor. Sie soll von Schleswig-Holstein 700 Kilometer bis Bayern und Baden-Württemberg verlaufen. Doch dagegen protestieren zahlreiche Bürgerinitiativen, das Land Thüringen hat sogar Klage eingereicht.

Für Mecklenburg-Vorpommern ist der Ausbau der Offshore-Industrie ein Gewinn. Besonders der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Stefan Kerth (SPD), freut sich: "Vom Fährhafen Sassnitz aus werden die Windparks unterhalten und Instand gehalten". Etwa 100 neue Mitarbeiter haben die Windkraft-Betreiber im Hafen Sassnitz-Mukran eingestellt, weitere saisonunabhängige Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Windenergie: Während sie an Land zunehmend in die Kritik gerät, scheint das Potential auf See offenbar noch lange nicht ausgeschöpft. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.