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Drei Jahre Minsker Abkommen - Das bange Warten auf Frieden

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Es war ein diplomatischer Kraftakt: Vor drei Jahren trat das Minsker Abkommen in Kraft. Es sollte Frieden bringen für die Ostukraine - doch der rückt in immer weitere Ferne.

Das Friedensabkommen von Minsk besteht nun seit fast drei Jahren. Die darin vereinbarte umfassende Waffenruhe für die Ostukraine währte jedoch nicht lange.

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Marinka ist ein geteilter Ort. Ukrainisch kontrolliertes Territorium auf der einen Seite. Die selbsternannte "Volksrepublik Donezk" auf der anderen. 2015 wurde heftig um den Ort gekämpft - und noch immer kommt es zu kleineren Gefechten. Trotz offiziell vereinbarter Waffenruhe. In manchen Straßen am Stadtrand steht kaum ein Haus ohne Kriegsschäden. Das Reparieren haben die Bewohner aufgegeben. Es ist zu teuer, und viele finden: Es lohne sich nicht, so lange nicht Frieden einzieht.

Wer kann, der geht

Karte: Ostukraine
Karte: Ostukraine Quelle: ZDF

Tatjana lebt in Sichtweite zur selbsternannten "Volksrepublik Donezk". Die Pufferzone: ein vermintes Feld. Sie berichtet von einer alten Frau, die sich verirrt hatte. "Ihr Sohn hat sie gesucht. Überall. Wie sich herausstellte, war sie ins Feld gelaufen – ein Stückchen zu weit. Sie ist auf eine Mine getreten. Man hat ihren Leichnam erst viel später gefunden."

In den Dörfern rund um Marinka gab es schon vor dem Krieg kaum Jobs. Jetzt haben auch noch Supermärkte und Arztstationen geschlossen. Die meisten, die es sich leisten konnten, haben die Gegend verlassen. Diejenigen, die noch hier leben, sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Auf Hilfe aus der Hauptstadt Kiew zu warten, haben sie aufgegeben, erzählt eine Frau: "Ich wünschte, unsere Regierung würde sich besser um uns kümmern. Aber mein Eindruck ist, dass sie nichts tut."

In der Schule von Krasnogorovka, einem anderen Ort an der Pufferzone, versuchen sie die Kinder mit Singen abzulenken. Je positiver die Lehrer seien, meint die Musiklehrerin, umso fröhlicher wären die Kinder. Dass das allein nicht reicht, wissen die Psychologen ein Stockwerk weiter oben. Sie betreuen Kinder, die kaum noch sprechen. Kaum noch schlafen. Viel weinen, und unter Angststörungen leiden. "Wir versuchen den Kindern und ihren Eltern beizubringen, sich selbst zu helfen", erklärt Yekaterina Bakhmetyeva. "Denn wie sollen wir die Kinder heilen, wenn der Krieg immer noch anhält?"

Unwillen auf beiden Seiten

Seit vier Jahren bekämpfen sich im Donbass prorussische Separatisten und ukrainische Soldaten. Seit drei Jahren gibt es das Abkommen "Minsk 2", das Frieden bringen sollte. Dessen Kern: eine Waffenruhe. Doch die werde täglich zwischen 100 und 1.000 Mal gebrochen, sagt Alexander Hug von der OSZE.

Bilderserie: Leben in der Ostukraine

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ist mit einer Beobachtermission in der Ostukraine. Hug attestiert beiden Konfliktparteien einen Unwillen, sich an die Vereinbarungen von Minsk zu halten: "Die Mission stellt fest, dass die schweren Waffen auf beiden Seiten noch nicht abgezogen sind. Die Mission stellt fest, dass die Konfliktparteien sich an vielen Orten noch zu nah gegenüber stehen. Und die Mission stellt fest, dass statt Minen zu räumen Minen verlegt werden."

10.300 Menschen hat der Ostukraine-Konflikt schon das Leben gekostet. Er hat Familien gespalten, Nachbarn zu Feinden gemacht. Gerade hat das Parlament in Kiew ein Gesetz verabschiedet, das die Fronten noch verhärten dürfte: Es benennt Russland als "Aggressor". Moskau weist das zurück. Der Frieden im Donbass scheint damit wieder ein Stück weiter in die Ferne gerückt zu sein.

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