Klima schützen, Wohlstand sichern - geht das?

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Klimafolgenforscher Edenhofer - Klima schützen, Wohlstand sichern - geht das?

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Klimapolitische Maßnahmen umsetzen und dabei Belastungen gerecht verteilen: Das fordert Klimafolgenforscher Edenhofer im ZDF. Nur so könne unser Wohlstand gesichert werden.

"Würden wir so weitermachen wie bisher, dann wäre der Wohlstand des 21. Jahrhunderts bedroht", erklärt Ottmar Edenhofer im ZDF-Interview.

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ZDF: Dass ökologische Notwendigkeiten und ökonomische Interessen aufeinanderstoßen, das ist sozusagen Ihr Fachgebiet. Haben Sie denn Verständnis dafür, dass Menschen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, zum Beispiel jetzt in der Automobilbranche?

Ottmar Edenhofer: Ja, natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sich Menschen Sorgen machen, wenn es darum geht, Arbeitsplätze zu erhalten. Oder wenn sie befürchten, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Nur ist es ja nicht so, dass wir einfach Klimaschutz machen, um den Menschen das Leben schwer zu machen. Sondern Klimaschutz heißt, dass wir gefährlichen Klimawandel vermeiden. Würden wir so weiter machen wie bisher, dann wäre der Wohlstand des 21. Jahrhunderts bedroht. Klimawandel führt dazu, dass wir Wohlstand vernichten.

Gut gemachte Klimapolitik hilft, den Wohlstand des 21. Jahrhunderts zu sichern.

ZDF: Ist es nicht ein Problem, dass die Kosten des Klimawandels sehr viel später voll spürbar wären, während die Kosten von Klimaschutz schon jetzt sofort spürbar sind?

Wenn wir jetzt noch lange warten, wird es immer teurer, um dann tatsächlich die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen.

Edenhofer: Ja, das ist sicher ein Problem, dass es dort ein Zeitproblem gibt. Aber es ist auch so, dass, wenn wir jetzt noch lange warten, wird es immer teurer, um dann tatsächlich die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen. Es bleibt ein Generationenkonflikt, aber ich glaube, dass es ein gutes kaufmännisches Verständnis ist, dass man nicht von der Substanz lebt. Und was wir im Augenblick machen, ist, dass wir von der Substanz leben, weil wir eben die Kosten des ungebremsten Klimawandels nicht einpreisen. Das ist eigentlich kein guter Ratgeber für eine Wirtschaftspolitik.

ZDF: Ein Problem ist auch ein Akzeptanzproblem, dass dann eben auch immer eine relativ große Anzahl von Menschen geben wird, die finden, dass sie einen ungerecht großen Anteil am Klimaschutz haben. Zum Beispiel: Wir wollen keine Atomkraftwerke, aber man will auch nicht die Stromtrasse oder das Windrad vor der eigenen Haustür haben. Oder wenn wir an die Landwirte denken, die jetzt in Berlin demonstrierten. Wie kann man so etwas auflösen?

Edenhofer: Das ist natürlich eine wichtige Frage: Wie können die Kosten der Belastungen des Klimaschutzes gerecht verteilt werden? Und das geht natürlich, wenn man zum Beispiel CO2-Preise erhebt, generiert man Einnahmen und mit diesen Einnahmen kann man diejenigen entlasten, die ansonsten überproportional von einer Klimapolitik belastet werden.

Das haben wir oft durchgerechnet. Es ist nur schade, dass sich die Politik dem bislang verweigert und eben keine gerechten und keine ambitionierten Kompensationsmaßnahmen durchführt. Wenn man das machen würde, könnte man diejenigen tatsächlich entlasten, die jetzt die Lasten überproportional schultern müssen.

ZDF: Auf internationaler Ebene stellt sich im Grunde genommen das gleiche Problem. Haben sie insofern erwartet, dass das jetzt in Madrid mit so einem kleinen Minimalkompromiss ausgehen würde, oder hatten sie da größere Hoffnungen im Vorfeld?

Edenhofer: Also man muss ja der Gerechtigkeit halber sagen, dass Madrid immer so eine Art technische Veranstaltung war. Da ging es um Buchhaltungsregeln. Da geht es darum, dass man versucht, keine Doppelzählungen aufkommen zu lassen, wenn es um den Emissionshandel geht. Also es war immer sehr technisch. Und es war eigentlich auch nicht auf der Tagesordnung, dass jetzt große Transferleistungen an andere Länder geleistet werden. Aber es ist ja klar: Wer internationalen Klimaschutz will, der muss natürlich für einen Ausgleich sorgen und muss diejenigen unterstützen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind oder die besonders hohe Kosten schultern müssen.

Und dafür gibt es ja auch eine Institution, der sogenannte Green Climate Fund. Den müsste man sehr viel stärker ausstatten. Und wenn wir das nicht machen, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass viele Länder bei der Klimapolitik nicht mitmachen wollen.

ZDF: Eines der Instrumente, das Sie ja auch empfehlen, sind die Zertifikate, die es ja auch bereits gibt. Aber dagegen erhebt sich auch Kritik, gerade auch von Klimaschützern, die sagen, das ist eigentlich ein Instrument, mit dem kann zum einen ziemlich viel betrogen werden. Und zum anderen kann man sich dann eigentlich freikaufen von Klimaschutz-Aktivitäten.

Edenhofer: Ja das erste Argument ist richtig. Wenn zum Beispiel Deutschland einen Solarpark in Brasilien baut, dann stellt sich die Frage, wie viele Emissionen werden damit vermieden. Und die zweite Frage, die sich stellt: Wem können denn die Emissionsminderungen angerechnet werden? Und in Madrid wollte Brasilien eben, dass beiden Ländern die Emissionsminderungen angerechnet werden, was natürlich unsinnig ist, denn am Ende würde das dazu führen, dass die Emissionen steigen. Das kann es ja nicht sein. Aber man muss eben solche Schlupflöcher stopfen. Und das gute an Madrid zumindest ist, dass man sich nicht darauf eingelassen hat, diese Schlupflöcher überhaupt zuzulassen. Insofern war es gut, diese Vereinbarungen zu vertagen.

Das zweite Argument, man kann sich mit dem Emissionshandel freikaufen, das ist eigentlich kein gutes Argument. Denn am Ende des Tages kann sich niemand freikaufen. Es kann nämlich nur derjenige Zertifikate verkaufen, der vorher Emissionsminderungen durchgeführt hat.

Das Interview führte Marietta Slomka im ZDF heute journal.

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