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Oxfam-Studie - Acht Männer besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Welt

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"Die acht reichsten Milliardäre besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung": Mit dieser Warnbotschaft will die Hilfsorganisation Oxfam aufrütteln. Auch wenn diese Zahl angezweifelt wird, steht fest: Die Wohlstandsschere öffnet sich immer weiter. Oxfam fordert, Reiche stärker zu besteuern.

Leben mit ein paar Cent: Die Menschen, die unsere Kleidung produzieren oder das Leder für Schuhe und Taschen gerben, sind oft bitterarm. Manfred Karremann zeigt am Beispiel von Bangladesch, woher unsere Produkte kommen.

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Die globale Ungleichheit hat laut einer neuen Studie ein dramatisches Ausmaß erreicht. Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Nur acht superreiche Männer verfügen gemeinsam über ein ähnlich großes Vermögen wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung - 3,6 Milliarden Menschen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam. Die Organisation stellte diese vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vor und mahnte die Eliten zu echten Anstrengungen gegen die zunehmende Wohlstandskluft. Im Oxfam-Report vom Vorjahr hatte die Vergleichszahl der Supereichen noch bei 62 gelegen.

"Es ist obszön, dass so viel Reichtum in den Händen so weniger ist, wenn einer von zehn Menschen mit weniger als zwei Dollar pro Tag überlebt", mahnte Winnie Byanyima, Exekutivdirektorin von Oxfam. "Ungleichheit hält Hunderte Millionen in Armut gefangen, sie reißt unsere Gesellschaften auf und untergräbt Demokratie."

Oxfam schlägt Steuer für Reiche vor

Als Gegenrezept schlägt der Oxfam-Bericht eine höhere Besteuerung von Reichtum und Einkommen vor, um für gerechtere Bedingungen zu sorgen. Dadurch könnten zudem Investitionen in öffentliche Dienste und Jobs finanziert werden. Zudem mahnte die Hilfsorganisation eine bessere internationale Kooperation an, um angemessene Bezahlung von Arbeitern sicherzustellen und Steuerflucht von Reichen zu vermeiden.

Die Autoren der Studie riefen Regierungs- und Staatschefs auf, nicht länger nur Lippenbekenntnisse abzugeben, sondern aktiv gegen die Ungleichheit vorzugehen. Ansonsten werde der öffentliche Unmut noch zunehmen und zu weiteren erdbebenartigen politischen Umwälzungen wie dem Brexit-Votum in Großbritannien und dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA führen, warnten sie.

Kritik an Quellenlage der Studie

Für die Studie zog die Organisation unter anderem die Forbes-Liste der Superreichen heran, die im März 2016 veröffentlicht worden war. Danach steht Microsoft-Gründer Bill Gates mit einem Nettovermögen von 75 Milliarden an der Spitze.

Auf den Plätzen folgen der spanische Modeunternehmer Amancio Ortega, US-Finanzier Warren Buffett, der mexikanische Geschäftsmogul Carlos Slim, Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Larry Ellison von Oracle und Michael Bloomberg, der Ex-Bürgermeister von New York. Neben der Forbes-Liste wurde aber auch eine Schätzung zum weltweiten Vermögen der Bank Credit Suisse herangezogen.

Die Daten zeigen laut Oxfam, dass die Ungleichheit über die Zeit zugenommen hat. Allerdings gibt es Kritik an der Quellenlage. Zieht man etwa eine Schätzung von Bloomberg über die Reichsten der Welt heran, kommt man zu anderen Ergebnissen.  Auch bei der  Schätzung zum weltweiten Vermögen der Bank Credit Suisse liegt der Fokus nicht auf dem Vermögen der Ärmsten. Dennoch gibt Oxfam jährlich seinen Bericht auf dieser Quellenlage heraus.

Demnach wuchs das globale Einkommen weltweit von 1988 bis 2011 um rund 11,9 Billionen Euro. Die reichsten zehn Prozent profitierten davon am meisten. Auf sie entfiel laut der Daten mehr als 45 Prozent der Steigerung. In Deutschland lag der Zuwachs des reichsten Zehntels demnach bei 34 Prozent.

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