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Alternative Lebensformen - "PACS" oder: Ehe light

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In Frankreich feiert eine alternative Form des Ehevertrages große Erfolge. Der "PACS"-Vertrag ist mittlerweile weit verbreitet - steht die klassische Ehe vor dem Aus?

Es ist nur ein einfacher Vertrag, aber einer mit großer Wirkung: der "PACS-Vertrag". "Se pacser" bedeutet übersetzt "in einem eheähnlichen Verhältnis leben“. Der 1999 in Frankreich eingeführte PACS, der Pacte civil de solidarité, ist ein Überraschungserfolg. Ursprünglich als pragmatische Lösung für den rechtlichen Schutz gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften außerhalb der Ehe gedacht, wurde der PACS besonders bei heterosexuellen Paaren als staatlich anerkannte Lebenspartnerschaft populär.

Vorteile überwiegen

96 von 100 PACS-Paaren sind heterosexuell. Das hat auch Auswirkungen auf die Zahl der Eheschließungen: 44 Prozent aller Franzosen haben sich 2015 für den PACS entschieden. Der Trend geht weg von der Ehe und hin zum Zivilpakt, gerade bei Jüngeren.

Beim PACS handelt es sich um eine zivilrechtliche Partnerschaft. Darin ist vereinbart "einander gegenseitige und materielle Hilfe zu leisten" (Art.1), also füreinander Verantwortung zu übernehmen, auch wenn die Vermögen dabei getrennt bleiben. Die Vorteile für "Verpacste" sind unter anderem, dass das Paar steuerlich gemeinsam veranlagt wird und damit die gleichen steuerlichen Vorteile wie in der Ehe genießt. Auch im Erbfall erhält es ähnliche steuerliche Vergünstigungen wie Verheiratete. Zudem haben sie im Krankenfall Besuchsrecht in der Klinik. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ausländische Partner durch den PACS ein Aufenthaltsrecht erhalten.

Ein einfaches Formular

Archiv: Ein Junges Paar sitzt vor dem Eiffelturm in Paris, aufgenommen am 12.06.2009
Die Dokureihe plan b berichtete am 11. November über die "Ehe 'light'".
Quelle: imago

Bei den bürokratischen Hürden hat man in Frankreich gespart: Der Zivilpakt kann vor dem Notar oder im Rathaus und ohne Zeugen geschlossen werden und einseitig gelöst werden, mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist. Allerdings gibt es auch Nachteile. Der Partner erhält keine elterliche Gewalt über die Kinder des Anderen. Sie fallen unter das Familienrecht, egal ob PACS oder Ehe oder unverheiratet. Da streiten entPACSte genauso, aber eben vor dem Familiengericht. Und im Ausland gelten Paare mit PACS-Vertrag als unverheiratet. Eine Witwen- oder Hinterbliebenenrente ist nicht vorgesehen

Beliebt ist diese "Ehe light", weil sie schnell und unkompliziert geschlossen und ebenso einfach wieder aufgelöst werden kann. Die Standardversion des PACS lässt viele Freiheiten und besteht aus einem einfachen Formular. Darüber hinaus kann der Vertrag nach den individuellen Bedürfnissen des Paares ausgestaltet werden. Weitere Vereinbarungen kann man auch später noch zufügen oder wieder ändern.

Wie eine Verlobung, nur ernsthafter

Die genauen Regeln bei einer Trennung werden ebenfalls vom Paar vereinbart und nicht vom Staat vorgegeben. Es gibt keine automatischen Ansprüche, z.B. finanzieller Art, wie bei gemeinsamen Vermögen, es sei denn, man hat es vorher so vereinbart.

Dadurch sind bei einer Trennung auch die finanziellen Verhältnisse leichter geklärt. Der PACS legt keine Schutzmechanismen für die Zeit nach der Trennung fest, sondern versteht sich in erster Linie als Solidarpakt für die Zeit des Zusammenlebens. Im Vergleich zur klassischen Ehe bestehen keine Unterhaltspflichten oder die Pflicht zum Vermögensausgleich. Es gibt deswegen auch viel weniger Prozesse vor Gericht bei einer Trennung.

Viele betrachten den PACS wie eine Verlobung, nur etwas ernsthafter. Eine Ehe für Anfänger und kühle Rechner und für diejenigen, die den Staat nicht in ihre Beziehung lassen wollen. Die Erfahrung in Frankreich zeigt auch, "VerPACSte" trennen sich deutlich seltener als Verheiratete. Als unsere Nachbarn 2013 die "Ehe für alle" (mariage pour tous) einführten, wonach auch homosexuelle Paare die Möglichkeit haben zu heiraten, erhielt man den PACS einfach.

Vorbild für das Ausland

Inzwischen haben Belgien und Chile auch den PACS übernommen. Die Schweiz überlegt ebenfalls, den PACS einzuführen. Ein offizielles Zusammenleben, ohne verheiratet zu sein, ist auch in Finnland, Island, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Schottland möglich.

In Deutschland gab es ab 2001 die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle, die im Oktober 2017 von der Ehe für Alle abgelöst wurde. Statt die eingetragene Lebenspartnerschaft für Heterosexuelle zu öffnen, wurde die bis dahin bestehende Regelung abgeschafft. Eingetragene Lebensgemeinschaften vor der Ehe haben deswegen aktuell keinen Platz im deutschen Familienrecht, obwohl durchaus Bedarf besteht.

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