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Paketdienste - Lieferung bis an die Haustür kostet extra

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Bei Hermes und DPD kostet die Zustellung bis an die Haustür extra. Billiger ist die Lieferung an Paketshops. Das sei im Interesse vieler Kunden, heißt es. Experten bezweifeln das.

Ein Hermes-Mitarbeiter trägt Pakete am 20.03.2019 in Kabelsketal
Hermes und DPD lassen sich die Lieferung bis an die Haustür extra bezahlen. DHL plant bisher keine Zuschläge dafür.
Quelle: dpa

Privatkunden, die ein Paket bis an die Haustür des Empfängers schicken, müssen bei Hermes und DPD tiefer in die Tasche greifen als bei einer Lieferung an einen Paketshop. Hermes verlangt für die Zustellung bis zur Haustür einen Aufpreis von 55 bis 60 Cent, bei DPD kostet es zwischen 39 und 50 Cent mehr. Bei der Konkurrenz gibt es solche Aufschläge bislang nicht.

Viel Aufwand und hohe Kosten

"Die Zustellung direkt an einen Paketshop ist im Vergleich mit deutlich weniger Aufwand verbunden", begründet DPD-Sprecher Peter Rey die unterschiedlichen Gebühren. Während die Zustellung an den Shop in aller Regel reibungslos sei, komme es bei der Haustür-Zustellung häufig zu Problemen. "Private Empfänger sind bei der Zustellung oft nicht zu Hause, so dass unsere Zusteller vor verschlossenen Türen stehen", sagt Rey. Mehrere Zustellversuche müssten unternommen werden - das treibe die Kosten in die Höhe.

Zudem sei die Paketshop-Lieferung bei den Kunden sehr beliebt, sagen Hermes und DPD. "Die Shops lassen sich insbesondere in Ballungsräumen sehr gut in tägliche Wege - zum Beispiel von oder zur Arbeit - integrieren", so eine Hermes-Sprecherin zu heute.de. Gerade für Berufstätige, die tagsüber nicht zu Hause seien, sei der Paketshop eine bequeme Option. Die preislich günstigere Shopzustellung liege somit im Interesse vieler Kunden.

"Den Nachteil haben die Empfänger"

Stephan Seeck, Logistikexperte an der HTW Berlin, kommt zu anderen Ergebnissen. Mehr als 80 Prozent der Paketempfänger, die Seeck im Rahmen einer Studie befragte, wünschten sich die Zustellung an der eigenen Haustür. Die Lieferung an einen Paketshop sei nicht der Service, den die Mehrheit der Empfänger eigentlich erwarte, so Seeck. Von den günstigen Paketshop-Tarifen profitiere derjenige, der das Paket verschicke. "Den Nachteil haben die Empfänger", meint Seeck.

"Die Zustellung an der Haustür wird auch in Zukunft wichtig bleiben", so DPD-Sprecher Rey. "Wir erwarten allerdings, dass sie sich branchenweit zu einem höherpreisigen Premiumservice entwickelt." Das gelte auch und gerade für den Online-Handel, der bundesweit mehr als 60 Prozent aller Päckchen und Pakete auf den Weg bringt. Muss also auch der Online-Shopper für die Lieferung bis an die eigene Haustür bald extra in die Tasche greifen?

Haustür-Zustellung soll auch im Online-Handel teurer werden

Bisher unterscheiden die meisten Online-Shops in ihren Lieferbedingungen nicht zwischen der Zustellung an der Haustür und der Lieferung an einen Abholshop. Das könnte sich ändern. Bereits jetzt geben Hermes und DPD großen Online-Shops Rabatte, wenn sich deren Kunden die Pakete in Paketshops abholen. "Eine Differenzierung nach 'kostenfrei an den Shop' oder 'kostenpflichtige Haustürzustellung' wäre Online-Händlern heute schon möglich, wird jedoch nicht praktiziert", so Rey von DPD. "An dieser Stelle erwarten wir im Markt mittelfristig Bewegung."

"Die Verteuerung der Hauszustellung ist ein wichtiger Ansatzpunkt und Hebel zur Lösung der Zustellprobleme auf der letzten Meile", meint Logistikexperte Klaus Esser von der Kölner Beratungsfirma KE-Consult. Die Kunden der Online-Shops von diesem Ansatz zu überzeugen, brauche jedoch einen langen Atem. Es bestehe die Gefahr, dass sie zu anderen Online-Händlern wechselten, bei denen es eine Preisdifferenzierung nicht gebe. Zudem müssten die Paketdienste ihre Paketshop-Netze deutlich ausbauen - nicht nur in den Ballungsgebieten, auch auf dem flachen Land.

Zustellgebühren werden steigen

Der hohe Kostendruck auf der letzten Meile macht natürlich auch DHL zu schaffen. Anders als Hermes und DPD plant der Marktführer allerdings bislang keine besonderen Zuschläge für die Haustürzustellung. Stattdessen werde der Zustellvorgang optimiert - etwa durch "immer flexiblere Zustelloptionen, die dazu beitragen, dass wir den Empfänger direkt beim ersten Zustellversuch erreichen und zusätzliche Wege einsparen können", so eine DHL-Sprecherin.

Aufgrund des steigenden Kostendrucks bei der Paketzustellung werde es auf kurz oder lang zu einer kräftigen Erhöhung der Gebühren kommen, egal ob bequem an die Haustür oder an einen Shop geliefert werde, meint Logistikexperte Seeck. Schuld seien laut Hermes vor allem bereits gestiegene und künftig weiter steigende Personalkosten.

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