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Paketflut zur Weihnachtszeit - "Jedes Jahr Rekordmengen"

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Weihnachtszeit - Geschenkezeit. Das Paketgeschäft brummt, Zulieferer kommen an ihre Grenzen. Kunden meckern, und Städte versuchen mit innovativen Projekten der Flut Herr zu werden.

Archiv: Pakete liegen in einer Zustellbasis, aufgenommen am 15.11.2017
Quelle: dpa

Es sind wahre Berge an Verpacktem, die in den Wochen vor Weihnachten den Besitzer wechseln. In den Paket- und Sortierzentren rotieren die Mitarbeiter. Für die Dienstleister Post DHL, DPD, GLS & Co. ist es die lukrativste Zeit des Jahres. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BIEK) geht davon aus, dass in der Weihnachtszeit bis zu 30 Millionen Pakete mehr an private Empfänger gehen als vor einem Jahr. An Spitzentagen werden insgesamt wohl gut 15 Millionen Sendungen transportiert, sagt Elena Marcus-Engelhardt vom BIEK.

Für diese Flut sorgt vor allem der boomende Online-Handel. Elf Prozent Wachstum in diesem Jahr prognostiziert der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Klicken, gucken, kaufen - für Kunden inzwischen Gewohnheit - ohne ein riesiges logistisches Räderwerk nicht zu leisten. "Die Mengen explodieren", sagt Marcus-Engelhardt. "Die Unternehmen stoßen teilweise an ihre Grenzen." Im Sommer richte sich die Branche aufs Weihnachtsgeschäft ein, im Winter stelle sie ein: 135.000 Zusteller werden in diesen Wochen unterwegs sein, 25.000 mehr verglichen mit dem Rest des Jahres.

Stress und Belastung für die Zusteller

Dabei wird es für die Unternehmen immer schwieriger, Personal zu finden. Faire Arbeitsbedingungen und die Sicherung hoher Sozialstandards seien zentrale Faktoren, um auch künftig geeignete Arbeitskräfte zu finden, heißt es. Woran sich nach Einschätzung von Gewerkschaftern noch eine Menge verbessern ließe.

Auch der Paketdienst DPD hat tausende Mitarbeiter zusätzlich eingestellt, um die Massen zu bewältigen. "Wir reden jedes Jahr von Rekordmengen", sagt Sprecher Peter Rey. Im Weihnachtsgeschäft würden mehr als zwei Millionen Pakete täglich bewegt, 15 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Es ist harte Arbeit. Der Stress, die Belastung nehmen zu. Besonders aufwändig sei die Lieferung an die Haustür. Immer seltener seien die Empfänger zuhause, auf einen Stopp kommt oft nur ein einziges Paket.

Deshalb sei in der Branche eine Entwicklung vorstellbar, dass die Paketdienste künftig standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür extra koste. Von 50 Cent ist die Rede. "Es ist in Zukunft vielleicht keine Selbstverständlichkeit mehr, dass an die Haustür geliefert wird", betont Rey.

Ärger bei den Kunden

Selbstverständlich ist auch nicht, dass alle Pakete überhaupt die Empfänger erreichen, wissen die Verbraucherzentralen. Vor zwei Jahren riefen sie deshalb das Portal "Paket-Ärger" ins Leben. 22.000 Beschwerden sind bis jetzt angekommen. "Häufigster Grund: Zustellung nicht erfolgt", sagt Sprecher Julian Graf. Auch lange Lieferzeiten, Sendungsverlust oder fehlende Benachrichtigungen werden bemängelt. Mal werde das Paket im Hausflur abgestellt, mal im Garten. Kritik gebe es branchenübergreifend - am Marktführer DHL ebenso wie an DPD & Co.

Von Extrakosten für die Zustellung an die Haustür hält die Verbraucherzentrale nichts. "Die Verbraucher bezahlen ja schon für diese Lieferung. Aufgrund dieses Vertrages sind die Paketdienste aus unserer Sicht gehalten, zu liefern, auch an die Haustür", sagt Graf.

An die Haustür, in den Hausflur, in den Garten - wo immer das Paket am Ende ankommt, der Weg dahin kostet Ressourcen und Nerven. Städte klagen über die zunehmende Luftbelastung, Autofahrer über blockierte Straßen und Zusteller über fehlende Parkmöglichkeiten. Der Druck, Lösungen zu finden, wächst.

Lastenräder-Pilotprojekt "ein Gewinn für alle"

Mit einem Pilotprojekt hat die Stadt Nürnberg reagiert: Zusteller mit Elektro-Lastenrädern liefern hier seit einem Jahr auf der sogenannten "letzten Meile" Pakete in der Innenstadt aus - im Einsatz für DPD und GLS. Die Ladung holen sie von sogenannten Mikro-Depots ab und bringen sie bis zur Haustür. Zur Zeit sind acht Räder unterwegs, die auch dann in die Altstadt dürfen, wenn die Lieferwagen Sperrzeit haben.

Sie dürfen auf dem Gehsteig parken, sind mit 25 Kilometern pro Stunde auch nicht langsamer als Transporter und können Einbahnstraßen in falscher Richtung nutzen. 100 Stopps können sie täglich schaffen. Inzwischen ersetze ein Lastenradfahrer einen Transporter in Sprinter-Größe, erzählt Ulrich Schaller von der IHK Nürnberg, die zusammen mit dem Bayrischen Innenministerium und der TH Nürnberg an dem Pilotprojekt beteiligt ist.

"Wir wollten die Stickoxid-Werte reduzieren, haben nach Lösungen gesucht, alle Paketdienstleister eingeladen und zwei gewonnen", sagt Schaller. Das Projekt sei für alle Beteiligten ein Gewinn. Ideen, um die Paketeflut zu steuern, gibt es also - aber eben nicht überall. Dass im aktuellen Weihnachtsgeschäft alles glatt läuft, steht nicht fest. Wer auf Nummer sicher gehen wolle, solle sein Paket nicht erst am 20. oder 21.12. abschicken, sagt der BIEK. "So früh wie möglich abschicken", rät auch die Verbraucherzentrale. Zeit genug ist ja noch.

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