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Nach Freispruch einer Christin - Pakistan geht gegen Islamisten vor

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Wegen Vandalismus sind in Pakistan Hunderte Demonstranten festgenommen. Sie hatten gegen den Freispruch der Christin Asia Bibi protestiert - die weiter im Gefängnis sitzt.

In Pakistan wurde die Christin Aasia Bibi, 2009 verurteilt wegen Blasphemie, freigesprochen. Das Urteil ist für tausende wütende Islamisten ein Grund, gewaltsam zu demonstrieren.

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Nach massiven Protesten von Islamisten gegen den Freispruch der Christin Asia Bibi in Pakistan sind Hunderte Demonstranten wegen mutmaßlichen Vandalismus festgenommen worden. "Wir haben Personen festgenommen, die verdächtigt werden, Polizisten verletzt oder privates und öffentliches Eigentum beschädigt zu haben", sagte Basharat Ali, ein Sprecher der Polizei für die Provinz Punjab am Montag. Radikalislamische Gruppen hatten drei Tage lang protestiert, nachdem der Oberste Gerichtshof am Mittwoch die wegen Gotteslästerung verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle in Islamabad freigesprochen hatte.

Verhaftungen wegen Vandalismus

Das Vorgehen der Polizei folgte auf eine Anweisung des Innenministeriums an die Provinzregierungen des Landes, Maßnahmen gegen jene zu ergreifen, die in Gewalt und Sachbeschädigungen während der Proteste involviert waren. Lokalen Medienberichten zufolge wurden in der Provinz Punjab bisher mehr als 1.100 Personen in Haft genommen. Unter den wegen "Vandalismus" Inhaftierten seien auch islamische Geistliche und Führungspersönlichkeiten der radikalislamischen Partei Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP). Von den Behörden veröffentlichte Videoaufnahmen zeigten, wie Demonstranten Autos in Brand steckten, Straßen blockierten sowie private und öffentliche Gebäude beschädigten.

Laut einem Sprecher der TLP, Zubair Kasuri, sind in der Nacht zu Montag landesweit mehr als 500 Mitglieder radikalislamischen Partei TLP festgenommen worden. Auf Verlangen der Regierung sperrte der Kurznachrichtendienst Twitter das Profil des Islamistenführers Khadim Hussain Rizvi. Rizvi ist der Anführer der radikalislamischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) und Drahtzieher der dreitägigen gewaltsamen Proteste nach dem Freispruch für Asia Bibi am vergangenen Mittwoch.

Proteste enden nach Zulassung eines Revisionsantrags

Die Proteste endeten nach einem Abkommen der TLP mit der Regierung. Demnach will Islamabad einen Revisionsantrag gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts zulassen und Bibi am Verlassen des Landes hindern. Nach Angaben ihres Ehemannes befindet sich die 51-Jährige weiter im Gefängnis. Zudem wurde den Demonstranten Straffreiheit versprochen. "Die Strategie der Regierung, das Abkommen zu missbrauchen und unsere Leute anstelle von Schurken zu inhaftieren, wird sich nachteilig auf den Frieden auswirken", sagte TLP-Sprecher Kasuri.

Anwalt erhält Morddrohungen

Der Anwalt der Christin Asia Bibi ist nach Angaben einer Hilfsorganisation in die Niederlande geflohen. Nach Bedrohungen habe Saif-ul-Malook Pakistan verlassen und sei am Samstag von der niederländischen Stiftung Hilfe für verfolgte Christen (HVC) aufgenommen worden, teilte diese am Montag mit.

Asia Bibi (Archivibld vom 20.11.2010)
Asia Bibi (Archiv vom 20.11.2010)
Quelle: AP

Als erste katholische Frau war Asia Bibi 2010 Jahren wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden darunter verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil. Im Juli 2015 ordnete ein Gericht die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe an. Das erneute Berufungsverfahren war in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert worden. Laut pakistanischen Medien hatten islamistische Hardliner die Richter bedroht. Nach acht Jahren Haft wurde die Christin in der vergangenen Woche in Islamabad freigesprochen. Die Stiftung HVC hatte nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Jahren die Verteidigung der Frau finanziell unterstützt.

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