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Angriffe der Palästinenser - Drachen-Attacken auf Israel

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Brennende Flugdrachen und Ballons – mit neuen Methoden greifen Palästinenser aus dem Gazastreifen Israel an. Für die Israelis im Süden des Landes ein wachsendes Problem.

Ein israelisches Feuerwehrfahrzeug steht an einem brennenden Getreidefeld in Süd-Israel
Ein israelisches Feuerwehrfahrzeug steht an einem brennenden Getreidefeld in Süd-Israel Quelle: israel fire and rescue authority /dpa

Nach den Raketen kommen jetzt brennende Flugdrachen und Ballons: Der Süden Israels wird mittlerweile immer häufiger mit einer neuen Art von Angriffen aus dem Gazastreifen konfrontiert. Bislang waren sie nicht tödlich, beschädigten aber Ackerland und Naturschutzgebiete.

Gleichzeitig haben die von Palästinensern in die Luft gelassenen Drachen unter den Einwohnern der Region für Unruhe gesorgt. "Das hat erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht, aber noch stärker ist das Emotionale", sagt der 78-jährige Itzik Ebbo aus dem Kibbutz Nir Am. "Es gibt Ernten, in die wir Herzblut gesteckt haben." Mittlerweile sind im israelischen Fernsehen andauernd Einheimische zu sehen, die mit versteinerter Miene Reporter durch glimmende Getreidefelder führen.

Neue Form der Gaza-Proteste

Die Taktik der brennenden Flugkörper ist die neueste Entwicklung der seit fast drei Monaten tobenden Grenzproteste im Gazastreifen. Manche sprechen bereits von "Drachenterrorismus", viele Israelis halten ihn für einen Beweis der erbarmungslosen Feindseligkeit der Palästinenser.

Palästinenser feuern Raketen ab - Israel reagiert

Anders betrachtet ist das Vorgehen auch als Verzweiflungsakt einer Bevölkerung zu sehen, die in ihrem verarmten Küstenstreifen weitgehend gefangen ist. Zwei Millionen Menschen leben im Gazastreifen. Eine seit Jahrzehnten von Israel und Ägypten durchgesetzte Blockade, die sich gegen die herrschende Hamas richten soll, hat ihre Lebensumstände nach und nach immer schwieriger gemacht.

Seit die Grenzproteste Ende März begonnen haben, haben israelische Soldaten mehr als 120 Palästinenser getötet und über 3.800 verletzt. Israel hat klargemacht, dass das stringente Vorgehen der einzige Weg sei, um ein massenhaftes Durchbrechen des Grenzzauns zu verhindern, bei dem auch Extremisten nach Israel kommen würden. Dass der Großteil der palästinensischen Opfer unbewaffnet gewesen ist, hat Israel allerdings internationale Kritik und Verurteilung eingebracht.

Tausende Hektar Land verbrannt

Und nun also Flugdrachen. An ihnen sind meist brennende Lumpen befestigt, die - so harmlos sie aussehen mögen - einigen Schaden anrichten können. Sie segeln ziellos über die Grenze und haben allein im Mai mehr als 450 Brände verursacht. 2.800 Hektar Land sind dadurch abgebrannt, die Schäden belaufen sich auf umgerechnet gut 1,7 Millionen Euro.

Israel will nun Steuern, die es für die Palästinenser einsammelt, dafür nutzen, die Bauern zu entschädigen. Das israelische Militär gab in den vergangenen Tagen zudem schon Warnschüsse ab, wenn es gesehen hat, dass jemand einen Drachen steigen lässt.

Paradox ist, wie einfach die primitiven Drachen und Ballons ein militärisch so gut ausgerüstetes Land wie Israel vor Probleme stellen: Während das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome den Großteil der Raketen aus dem Gazastreifen abgefangen hat, wusste das Militär zuletzt nicht, wie es die brennenden Flugkörper stoppen sollte. Sie sind daraufhin begünstigt von Hitze und Wind in trockenes Buschland geflogen und haben auch Weizen- und Sonnenblumenfelder getroffen. Tiere wie Schlangen und Kröten haben vor den Bränden Reißaus genommen. Mittlerweile setzt Israel Drohnen ein, um die Drachen abzufangen.

Idee gelangweilter Teenager

Palästinensische Aktivisten führen an, dass die wirtschaftlichen Schäden durch die Strategie nicht zu vergleichen seien mit denen, die der Gazastreifen durch die israelisch-ägyptische Blockade erleide. Und diejenigen, die die Drachen und Ballon in die Luft bringen, scheinen stolz auf ihr Vorgehen zu sein.

Angefangen habe alles mit gelangweilten Teenagern, die palästinensische Flaggen steigen gelassen hätten, berichtet ein 18-Jähriger, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte. "Wir wollten die Israelis mehr provozieren. Deshalb haben wir einen brennenden Lappen an dem Drachen befestigt." Mit Gottes Hilfe sei der Faden gerissen und der Drachen daraufhin auf der anderen Seite der Grenze zu Boden gefallen, wo er ein Feuer erzeugt habe.

"So sind wir auf die Idee gekommen", sagte der junge Mann. Die Idee ist günstig: Ein Drachen kostet umgerechnet nur einen knappen Euro, ein Ballon nur 50 Cent. Mittlerweile seien 15 bis 20 Brände das Minimum, was sie pro Tag erreichen wollten, sagt der 18-Jährige.

"Das sind keine Spielzeuge"

In Israel reagieren sie wütend auf das Spiel mit dem Feuer. "Das sind keine Spielzeuge. Das sind gefährliche Waffen, die benutzt werden, um israelische Zivilisten zu terrorisieren", sagt Militärsprecher Jonathan Conricus. Rufe danach, die Verursacher auf der Stelle zu töten, will er nicht kommentieren.

Das Grenzgebiet weist mittlerweile lauter schwarze Brandflecken auf, an denen brennende Drachen oder Ballons zu Boden gefallen sind. Auch verkohlte Palmen sind zu sehen. In Nir Am, das an den Nordosten des Gazastreifens angrenzt, kam es in bedrohlicher Nähe zu Gleisen und einer Tankstelle zu Bränden. Bewohner und Feuerwehrleute sind in Alarmbereitschaft, um schnell reagieren zu können.

Schäden für Jahre

"Ballons und Drachen sollten Spaß machen und nichts sein, das man meiden will", sagt die 77-jährige Betty Gavri. Um das zu untermauern, ließen ländliche Bewohner und ihre Kinder kürzlich bunte Ballons und Flugdrachen in Richtung Gaza steigen, um eine Botschaft des Friedens zu senden.

Kobi Sofer, ein Ranger der israelischen Parkbehörde, befürchtet, dass es viele Jahre dauern wird, bis sich die gesamte Pflanzen- und Tierwelt von den Bränden erholt hat. Er habe verschmorte Stachelschweine, Schlangen, Schildkröten, Echsen sowie Nagetiere und Insekten gesehen. In der Gegend picken Vögel in verbrannten Kadavern herum.

"All die Jahre des Raketenbeschusses und der Militärmanöver haben nichts wie das hier hinterlassen", sagt der 17-jährige Sofer. Mit Blick auf einen verbrannten Hügel mit Sicht auf den Gazastreifen fügt er hinzu: "Es ist ein hilfloses Gefühl."

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