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Brief-Scandienste - Korrespondenz 2.0 und das papierlose Büro

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Für Start-ups, die Briefe und Karten digitalisieren und elektronisch zustellen, ist der "Briefkasten" komplett out. Vertraulichkeit ist Pflicht. Was steht dem Erfolg bisher im Weg?

Geschichte des Internets
Quelle: dpa

Die Elektropost wird ein Milliardenmarkt, prophezeite die "FAZ" im Jahre 2013. Lange her, und doch wieder auch nicht - aber wie man es auch betrachtet, der Markt macht keine Furore und schon gar keine Milliarden. Platzhirsch Deutsche Post hat es mit dem E-Brief zwar zu einigem Zuspruch gebracht - der Dienst und seine Zusatzoptionen allerdings leiden häufig unter Unzuverlässigkeit. Manche Serviceangebote wurden sogar schon wieder eingestellt. Und für das Produkt "E-Post-Brief", in den meisten Fälle nur so etwas Ähnliches wie eine ausgedruckte E-Mail mit anschließendem Postversand - interessieren sich offenbar so wenige, dass man die Nutzerzahlen auch nach Jahren noch geheimhält. Das ist die Lücke für smarte Aufsteiger. Ähnlich wie die sogenannten Fintechs die herkömmlichen Banken vor sich hertreiben, wollen Post-Digitalisierer private Kunden und kleine Unternehmen zu sich hinüberziehen.

Start-ups mit Komplettangebot

"Unglaublich, dass noch jeden Tag Abertonnen von toten Bäumen durchs Land geschickt werden", wundert sich Alexander Schneekloth. Der junge Unternehmer hat erst 2017 seinen Digitalbriefdienst "Caya" hochgezogen und platzt schier vor neuen Ideen. In der Tat bietet "Caya" an, die Briefe des Empfängers, ob nachgesandt oder direkt an die Berliner Firma adressiert, vollautomatisch zu öffnen, zu scannen und dem Kunden auf Wunsch elektronisch oder auch im Original zuzustellen. Ein Angebot erster Güte natürlich für jene Digitalnomaden, die ihr Büro stets im Rollkoffer haben und sich mal in Thailand und mal in Kolumbien niederlassen und von dort aus arbeiten. Es werden immer mehr - und ihre Post erreicht sie überall, zu Hause läuft zudem kein Briefkasten über. Dienste wie "Caya" bieten Archivierung an, das Herunterladen der Dokumente ist natürlich ortsunabhängig - Internetzugang allerdings natürlich vorausgesetzt.

Alle Dienste, sei es die Deutsche Post, "Dropscan", "Digitalkasten" oder natürlich auch "Caya" werben mit ihrer Datensicherheit. In Zeiten gewaltiger Skandale wie gerade bei Facebook betonen die Anbieter, dass ihre Server und Datenspeicher in Deutschland stehen, die Dokumente verschlüsselt archiviert werden und natürlich, dass die Mitarbeiter entsprechend verpflichtet und sensibilisiert werden. "Alle wissen, dass auf Fehlverhalten in dieser Hinsicht eine harte Strafe inklusive Freiheitsentzug stehen kann", sagt Schneekloth. Da parallel dazu die Automatisierung voranschreitet, werden die menschlichen Eingriffsmöglichkeiten und Notwendigkeiten eher noch weniger werden. Was es den Anbietern überhaupt erst ermöglicht, neben der reinen Briefarchivierung weitere Dienste zu entwickeln.

Erst der Anfang der Entwicklung

Denkbar durchaus, dass eines Tages die gesamte Geschäfts-Kommunikation über einen solchen Abwickler stattfindet. Schließlich gibt es in den Visionen der neuen Digitalhelden irgendwann einmal nur noch ganz wenige, vermutlich Behörden, die auf Papierform bestehen. Einstweilen umfasst der Service bei den meisten Anbietern eine Volltextsuche in den eingescannten Dokumenten, mitunter eine unbegrenzte Archivierung und die Kennzeichnung mit "Tags", also sinnvollen Rubriken und Schlagwörtern. Wenn man es richtig anstellt, kann man längst verflossene Kommunikation wieder auferstehen lassen. Oder man lässt sie erst recht ruhen, dafür mag es mitunter ja auch Gründe geben.

Und die Zukunft hält, wenn man "Caya"-Chef Schneekloth glauben will, noch ganz andere Möglichkeiten parat: Nicht nur in der App seine Rechnungen zu empfangen, sondern sie auch gleich mit wenigen Klicks oder Fingertippen zu bezahlen (ein Feature, das die E-Post mal hatte und offenbar mangels Nachfrage wieder einstellte). Die durchweg jungen Gründer der Post-Konkurrenz lassen sich nicht entmutigen: Sie halten ihre Digitalisierungsprojekte für durchweg pfiffiger als die der Post. Wie viele Anbieter sich auf dem deutschen Markt halten können, wird wohl auch am Service-Angebot hängen. Im Bereich der jungen Fintech-Unternehmen jedenfalls vollzieht sich inzwischen eine Wende in den Gewohnheiten der Kunden, was zuallererst die etablierten Filialbanken spüren. Eine ähnliche Revolution steht vielleicht dem guten alten Brief bevor, der immerhin seit dem Papyrusversand im alten Ägypten seinen Platz im Austausch unter den Menschen hatte. Die Inhalte sind aber meist verschwunden - auch das könnte künftig in der digitalen Welt, die nicht vergisst, ganz anders sein.

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