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Warnung in der Glitzerwelt - Papst verurteilt Gewalt in Gottes Namen

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Prunkvoll geht es zu, wenn ein Papst erstmals die Arabische Halbinsel bereist. Doch Franziskus will die Schattenseiten dieser künstlichen Welt zeigen. Das wird ihm schwer gemacht.

Es ist der erste Besuch eines Papstes auf der arabischen Halbinsel. Die Gastgeber feiern beim Besuch von Papst Franziskus Toleranz. Doch das katholische Oberhaupt gibt sich nicht mit höflichen Worten zufrieden und spricht Klartext.

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Dem pompösen Empfang beim ersten Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel setzte Franziskus eine Fahrt in einem Kleinwagen entgegen. Langsam rollte der Pontifex - begleitet von Pferden, Fliegerstaffel und Salutschüssen - vor dem beeindruckenden Präsidentenpalast in Abu Dhabi vor. Weißer Marmor, goldene Kronleuchter, dicke Teppiche - im Reich der Scheichs in den Vereinigten Arabischen Emiraten zählt der Prunk, das Bild, das große Kino.

Genau das Gegenteil dessen also, was Franziskus immer predigt: Bescheidenheit, Demut und Abrüstung. Daher ließ es sich der Pontifex nicht nehmen, auf einer interreligiösen Konferenz am Montag eine Rede zu halten, die auf die Konflikte und Ungleichheiten in der ganzen Region gemünzt war.

Mit Blick auf die Konflikte im Jemen, in Syrien, im Irak und in Libyen richtete Franziskus einen eindringlich Appell an religiöse Führer in der ganzen Welt: Sie alle müssten "den Fluten der Gewalt und der Austrocknung des Altruismus" widerstehen. "Gott ist mit denen, die Frieden suchen." Franziskus' Gastgeber, die Vereinigten Arabischen Emirate, sind an den Konflikten im Jemen, in Syrien und in Libyen beteiligt.

Historische Reise

Mit Franziskus ist erstmals ein katholisches Kirchenoberhaupt auf die Arabische Halbinsel, dem Geburtsort des Islam, gereist. Sein 40-Stunden-Aufenthalt in Abu Dhabi soll am Dienstag mit einer Messe abschließen. Eine Zusammenkunft mit dem muslimischen Ältestenrat und seine interreligiöse Ansprache galten bereits vorab als Höhepunkte der Reise. Für den Gottesdienst werden 135.000 Menschen erwartet - so viele christliche Gläubige sind bislang noch nie zu einem öffentlichen Gottesdienst auf der Arabischen Halbinsel zusammengekommen.

An Imame, Muftis, Minister, Rabbis, Swamis, Zoroastrier und Sikhs gewandt sagte Franziskus, als Vertreter der Weltreligionen hätten alle die Pflicht, dem Wort "Krieg" jede Nuance der Zustimmung zu nehmen. Religiöse Anführer müssten "Leuchttürme des Friedens" sein und für die Würde aller Kinder Gottes werben. Wenn die Anhänger unterschiedlicher Religionen nicht gemeinsam für "konkrete Wege des Friedens" eintreten würden, stehe die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel: "Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam oder es gibt keine Zukunft."

Die Worte mögen in den Ohren seines Gastgebers nicht unbedingt wie Musik geklungen haben. Der einflussreiche Kronprinz Mohammed bin Said Al Nahjan ist umstritten. Er hatte den Papst in die Emirate eingeladen, ein islamisches Land, in dem Christen aber ihre Religion praktizieren dürfen. Der Scheich versuchte die Veranstaltung zu nutzen, um sein Land als "Leuchtturm der Toleranz, Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens" zu präsentieren.

Franziskus lag indes einiges daran, dass sein Besuch auch in den Nachbarländern der Emirate wahrgenommen wird. Zweimal sprach er in seiner Rede auch "alle Länder dieser Halbinsel an" - also auch Saudi-Arabien, wo noch nicht mal Kirchen gebaut werden dürfen. Und den Krieg im Jemen nannte er explizit; dort sind die Emirate mit Saudi-Arabien Teil einer Militärallianz, bei deren Luftangriffen dort immer wieder viele Zivilisten sterben.

"Dokument über menschliche Brüderlichkeit" unterzeichnet

Gemeinsam mit dem Großscheich der in der islamischen Welt einflussreichen Al-Azhar-Universität von Kairo unterschrieb Franziskus ein "Dokument über menschliche Brüderlichkeit". Gemeinsam wollen und sollen Christen und Muslime in aller Welt für einen Dialog der Kulturen und ein gegenseitiges Verständnis eintreten, heißt es.

"Umarmt weiterhin überall eure christlichen Brüder, als seien sie eure Partner", sagte Großimam Ahmed al-Tajib auf der Konferenz. Er rief auch Muslime im Westen dazu auf, sich positiv in die Gesellschaften zu integrieren. "Alle, die in ihrem Herzen an Gott und Menschlichkeit glauben", sollten sich gemeinsam gegen Extremismus und für Toleranz und Brüderlichkeit einsetzen.

Papst Franziskus in Abu Dhabi
Papst Franziskus rechts neben Abu Dhabis Kronprinz Mohammed.
Quelle: dpa

Auch Abu Dhabis Kronprinz Mohammed saß in der ersten Reihe, als die beiden Geistlichen ihren scharfen Appell an die Welt richteten. Er gilt als aggressiver Strippenzieher in der Region, der eine aggressive Außenpolitik betreibt und dem großen Nachbarn Saudi-Arabien durchaus Konkurrenz machen will. Eine französische NGO hatte beim Besuch des Kronprinzen in Frankreich vor drei Monaten offiziell Klage eingereicht: wegen Kriegsverbrechen im Jemen, Beteiligung an Folter und unmenschlichem Verhalten.

Die untergehende Sonne hinter dem imposanten Denkmal der Gründungsväter von Abu Dhabi, davor der kleine Papst, Weihrauchduft in der Luft und eine Umarmung der drei Hauptprotagonisten des Besuchs: Die Bilder übertünchten bei dem Besuch die sozialen Probleme in dem reichen Öl-Staat. Auch wenn der Papst deutlich sagte, dass "niemand der Herr oder Sklave anderer sein kann".

Kluft zwischen Superreichen und den Arbeitsmigranten

Städte wie Abu Dhabi oder Dubai wurden aus dem Wüstensand in die Höhe gezogen, Stararchitekten bauten glanzvolle Meisterwerke. Millionen Migranten kommen aus Asien, um hier zu arbeiten und Geld zu verdienen. Die katholische Kirche hier ist eine Migrantenkirche. Über die Kluft zwischen Superreichen und den Arbeitsmigranten ist auch der Papst im Bilde, nur eine wahre Begegnung mit ihnen stand nicht auf dem Programm.

"Ich würde gewisse Ecken kennen, wo ich ihn hinführen würde", sagte der Apostolische Vikar für das Südliche Arabien, Bischof Paul Hinder, dem Nachrichtenportal Vaticannews. Aber das seien "delikate Dinge", über die man nicht spreche. Die Schattenseiten würden "in diesem Teil der Welt zumindest künstlich besonnt".

Skandale und Intrigen überschatteten das Pontifikat Benedikts XVI. Auch sein Nachfolger Papst Franziskus, der Korruption und Amtsmissbrauch öffentlich anprangert, wird zur Zielscheibe.

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