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20. Auslandsreise von Papst Franziskus - Auf Friedensmission - der Papst in Kolumbien

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Frieden mit der FARC - die Voraussetzung für Papst Franziskus, sein Versprechen einzulösen, Kolumbien zu besuchen. Dort setzen sie große Hoffnungen in Franziskus' Friedens- und Versöhnungsmission. Das katholische Kolumbien braucht "Gerechtigkeit, Solidarität, Zeugnis, Engagement".

In Kolumbien leben ehemalige Kämpfer der FARC-Rebellen nach Entwaffnung in 20 Friedenscamps. Dort wollen sie die Gewalt hinter sich lassen und die FARC zukünftig als Partei unterstützen.

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Die 20. Auslandsreise von Papst Franziskus ist zugleich eine der schwierigsten seiner Amtszeit. Mit Kolumbien besucht er ein Land, das zutiefst gespalten ist. Das gegenseitige Misstrauen ist groß nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg, der mehr als 220.000 Tote forderte. 60.000 Menschen gelten zudem als vermisst, rund sieben Millionen Menschen flohen vor den Kämpfen und der Gewalt.

Ende vergangenen Jahres unterzeichnete die Regierung mit der größten Guerillagruppe FARC ein Friedensabkommen. Franziskus hatte versprochen, das Land zu besuchen, wenn der Friedensprozess mit der FARC abgeschlossen sei.

Neues Credo: Worte statt Waffen

Die FARC hat unter Aufsicht der UNO ihre Waffen abgegeben und vergangene Woche, wie im Abkommen vorgesehen, eine Partei gegründet. Künftig wollen sie ihre Ziele nicht mehr mit Waffen, sondern mit Worten erreichen, so das neue Credo. Zwar ist lange noch nicht sicher, ob der Frieden wirklich hält, doch alle Zeichen sprechen bisher dafür.

Jürgen Erbacher
Jürgen Erbacher Quelle: ZDF, Gunnar Bortz

Der Besuch von Papst Franziskus soll der Umsetzung noch einmal einen neuen Schwung verleihen. Denn es gibt bis heute eine große Opposition gegen das Handeln der aktuellen Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos Calderón. Man sei der Guerilla zu weit entgegen gekommen, lautet einer der Vorwürfe.

Katholische Kirche zwiegespalten

Prominentester Gegner des Abkommens ist der vorherige Präsident Alvaro Uribe Velez, der einen harten Kurs gegenüber den Guerillas fordert. Die Spaltung geht bis in die katholische Kirche hinein. Als im Herbst 2016 das Volk über das Friedensabkommen mit der FARC abstimmen sollte, waren sich die Bischöfe uneins und gaben keine Wahlempfehlung ab.

Der Papst wird also auch in den eigenen Reihen Überzeugungsarbeit leisten müssen. Große Teile der katholischen Kirche sind noch immer eng mit den Großgrundbesitzern und den alten Eliten im Land verbunden. Auf der anderen Seite gibt es viele Gruppen, die an der Seite der Armen und der Verlierer stehen und sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen.

Franziskus auf sozialer Mission

In Medellin, der zweitgrößten Stadt Kolumbiens, die Franziskus am Samstag besuchen wird, fand 1968 die zweite Vollversammlung der Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik statt. Hier wurde einer der Grundsteine der Befreiungstheologie gelegt, die als vorrangige Aufgabe der Kirche die "Option für die Armen" sieht. In einem der Abschlussdokumente von damals heißt es: "Die Armut so vieler Brüder und Schwestern schreit nach Gerechtigkeit, Solidarität, Zeugnis, Engagement."

Die Befreiungstheologie wurde durch konservative Kirchenkreise in Lateinamerika und mit Unterstützung des Vatikans an vielen Stellen zurückgedrängt. Zwar sprachen auch Päpste wie Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. von der "Option für die Armen", doch erst unter Franziskus bekommt diese Position wieder ein starkes politisches Gewicht. Schon bei den letzten Reisen nach Lateinamerika machte Franziskus deutlich, dass er eine stärkere Ausrichtung der kirchlichen Aktivitäten auf die sozialen Fragen wünscht. Es ist daher zu erwarten, dass der erste Papst aus Lateinamerika bei vielen seiner Reden den gesamten Kontinent im Blick haben wird.

Hoffnung wegen Venezuela

Die Hauptthemen der Reise sind aber "Frieden und Versöhnung". Hass, Misstrauen, tiefe Verletzungen und die Erfahrung schweren Leids prägen die kolumbianische Gesellschaft. Die entscheidende Frage ist, wie Versöhnung gelingen kann. Hier erhoffen sich die Menschen Impulse des Papstes und mahnende Worte in alle Richtungen. Mit Spannung wird erwartet, ob er auch kritische Worte zum Verhalten der eigenen Kirche in der Vergangenheit finden wird.

Dazu kommen noch Erwartungen aus einer ganz anderen Richtung. In Venezuela, dem Nachbarland im Westen, herrscht eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind nach Kolumbien geflohen. Sie hoffen auf ein deutliches Wort des Papstes an die Konfliktparteien. Franziskus wird in Kolumbien einige Bischöfe aus Venezuela treffen, um sich über die aktuelle Situation zu informieren. Bisher sind die Vermittlungsversuche des Papstes zwischen Regierung und Opposition gescheitert. Dennoch hoffen alle Seiten, dass Franziskus auch in Venezuela helfen kann.

Waffenstillstand für den Papst als Zeichen guten Willens

Im Fokus des Papstes steht jetzt aber zunächst Kolumbien. Hier möchte er den Friedens- und Versöhnungsprozess voranbringen. Einen ersten kleinen Erfolg gab es schon vorab. Die Regierung führt seit Februar Friedensverhandlungen mit der ELN, der zweitgrößten Guerilla-Gruppe des Landes. Ziel beider Seiten war es, als Zeichen des guten Willens noch vor dem Papstbesuch zumindest einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Beide Seiten gaben am Montag eine entsprechende Vereinbarung bekannt. Interessant ist, dass neben den beiden Verhandlungsparteien die UNO und die katholische Kirche die Einhaltung des Waffenstillstands kontrollieren sollen. Das zeigt die wichtige Rolle der katholischen Kirche im Friedensprozess des Landes. Daher ist es Papst Franziskus auch wichtig, dass dieser zu einer Erfolgsgeschichte wird.

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