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Franziskus in Japan - Papst: Atomwaffen sind ein Verbrechen

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Deutliche Worte des Papstes: Franziskus verurteilt den Bau und Besitz von Atomwaffen als unmoralisch. Nicht militärische Abschreckung führe zum Frieden, sondern nur Gerechtigkeit.

Papst Franziskus in Nagasaki.
"Nie mehr Krieg" - Papst Franziskus in Nagasaki.
Quelle: Gregorio Borgia/AP/dpa

"Nie mehr Krieg, nie mehr das Dröhnen der Waffen, nie mehr so viel Leid!" Diesen Appell richtete Papst Franziskus von Nagaski und Hiroshima aus an die Weltgemeinschaft. Der Besuch in den beiden 1945 von Atombomben zerstörten Städten war der Höhepunkt der 32. Auslandsreise des katholischen Kirchenoberhaupts. Dabei setzte er mit seinen beiden Ansprachen Maßstäbe und positionierte die katholische Kirche im Kontext der Friedenspolitik neu.

Hatte Papst Johannes Paul II. in den 1980er Jahren, den Hochzeiten des Kalten Krieges, die militärische Abschreckung noch als "unter den derzeitigen Umständen moralisch akzeptabel" bezeichnet, rückte Franziskus nun endgültig von dieser Position ab.

Franziskus: Wettrüsten vergeudet wertvolle Ressourcen

Die Politik der militärischen Abschreckung, sei es durch Atomwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen, "vergiftet die Beziehungen zwischen den Völkern und verhindert jeden möglichen Dialog". Frieden und internationale Stabilitäten ließen sich nicht "auf der Angst gegenseitiger Zerstörung" aufbauen, sondern nur durch eine "globale Ethik der Solidarität und Zusammenarbeit", erklärte der Papst am Morgen im Atombombenpark in Nagasaki.

Franziskus machte deutlich, dass für ihn das Wettrüsten unmoralisch ist, denn es vergeude wertvolle Ressourcen, die stattdessen besser "zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung der Völker und des Umweltschutzes verwendet werden könnten". Angesichts von Millionen Kindern und Familien, die unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten, sei die Herstellung, Modernisierung und der Handel mit Waffen ein "himmelschreiender Anschlag", erklärte der Papst in Nagasaki.

"Geld, das von Blut trieft"

Wiederholt hatte Franziskus in der Vergangenheit den Handel mit Waffen scharf verurteilt und bei dem beteiligten Vermögen von "Geld, das von Blut trieft" gesprochen. Heute erklärte er nun, die Nukleardoktrin befeure ein Klima der Angst, des Misstrauens und der Feindseligkeit.

Deshalb sei es notwendig, "die Dynamik des Misstrauens zu durchbrechen", die aktuell sogar dazu führe, das internationale Waffenkontrollsystem zu demontieren. Gepaart mit der Erosion des Multilateralismus sieht Franziskus hier eine gefährliche Gemengelage. Es sei daher entscheidend, Instrumente zu schaffen, "die das Vertrauen und die gegenseitige Entwicklung sicherstellen".

Franziskus griff eine Idee seines Vorgängers Papst Paul VI. auf. Der hatte bei seinem Besuch in Bombay 1964 die Einrichtung eines Weltfonds für notleidende Völker vorgeschlagen, der in Teilen aus den Ausgaben für Rüstungszwecke gespeist werden soll.

Denn wie sein Vorgänger ist Franziskus überzeugt, dass eine nachhaltige Entwicklung entscheidend ist für den Frieden in der Welt. Nur von Frieden reden, bringt nichts, erklärte Franziskus in Hiroshima. Man müsse ihn vielmehr entsprechend durch Gerechtigkeit, Nächstenliebe und in Freiheit aufbauen.

Papst ächtet Atomwaffen

Schon der Besitz von Atomwaffen sei unmoralisch, sagte Franziskus in Hiroshima. "Der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken ist ein Verbrechen, heute mehr denn je." Die neuen Generationen würden "unser Scheitern verurteilen, wenn wir zwar über Frieden geredet, ihn aber nicht (...) umgesetzt haben".

Zu einer generellen Ächtung der Atomenergie, wie es die japanischen Bischöfe nach dem Atomunfall von Fokushima 2011 forderten, konnte sich Franziskus nicht durchringen. Dennoch ist der heutige Tag ein großer Schritt in der Entwicklung der katholischen Lehre weg von der Idee des "gerechten Kriegs" hin zum "gerechten Frieden".

Die deutschen Bischöfe hatten bereits im Jahr 2000 ein Grundlagenpapier zum "Gerechten Frieden" vorgelegt. Auf weltkirchlicher und damit höchst lehramtlicher Ebene gibt es diese Magna Charta noch nicht. Franziskus hat nun einen weiteren wichtigen Baustein dafür gelegt.

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Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben kath.

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