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Franziskus im Amazonasgebiet - "Liebt dieses Land - betrachtet es als Eures"

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Scharf hat der Papst die Umweltzerstörung im Amazonasgebiet verurteilt. Bei seinem Peru-Besuch forderte er mehr Rechte für die Ureinwohner - und rief sie auf: "Liebt dieses Land".

"Die Rechte der indigenen Stämme stärken" - Papst Franziskus in Peru
"Die Rechte der indigenen Stämme stärken" - Papst Franziskus in Peru Quelle: dpa

"Fremde dringen in unser Territorium ein: Holzfäller, Goldsucher, Erdölfirmen", berichtete Yésica Patiachi vom Volk der Harakbut beim Treffen mit dem Papst. "Wenn es ihnen gelingt, uns unser Land zu nehmen, werden wir ausgelöscht.“ Illegale Goldschürfer sind rund um Puerto Maldonado aktiv. Die Flüsse sind mit dem Quecksilber der Goldsucher verseucht. Das raubt den Indigenen ihre Lebensgrundlage.

"Wir Menschen aus dem Amazonasgebiet wollen unsere Kultur bewahren, unsere Traditionen", erklärt Luzmila Bermeo vom Volk der Awajún mit bewegter Stimme. "Ich bin 67 Jahre alt und habe immer in der Amazonasregion gelebt. Ich erinnere mich an die Schönheit unseres Territoriums, reich an Pflanzen, Vögeln und Fischen. Alles war unser Zuhause und jetzt haben wir nichts mehr."

"Nie so bedroht wie heute"

Die traditionellen Völker des Amazonas seien wohl nie derart bedroht gewesen wie heute, so Papst Franziskus bei seinem Kurzbesuch im peruanischen Regenwald am Freitag. "Wir müssen mit dem historischen Paradigma brechen, welches das Amazonasgebiet als ein unerschöpfliches Vorratslager der Staaten betrachtet, ohne seine Bewohner zu berücksichtigen", rief er den mehreren tausend Vertretern indigener Völker des Amazonasgebiets zu. Die begrüßten das katholische Kirchenoberhaupt mit Applaus und traditionellen Tänzen.

Sie wissen, dass sie mit Franziskus einen prominenten Fürsprecher ihrer Anliegen auf der politischen Weltbühne haben. Nicht immer, konnten sie sich in der Vergangenheit auf die Kirche verlassen. Auf die dunklen Kapitel im Verhältnis zwischen den Indigenen und der Kirche ging Franziskus heute nicht ein. Er kritisierte die Ausbeutung des Regenwaldes, illegalen Bergbau und in deren Folge Sklavenarbeit und sexuellen Missbrauch.

Den Indigenen Öffentlichkeit verschaffen

Für Franziskus war der Besuch im Amazonas eine der zentralen Stationen seines Besuchs in Peru. Schon seit seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires setzte er sich für die Rechte der Indigenen und der Volksbewegungen ein. Nun forderte er sie auf, sich "weiterhin in Bewegungen und Gemeinschaften aller Art zu organisieren", um ihrer Stimme einen Nachdruck zu verleihen. Darum ist Franziskus hierhergekommen. Weil er den Anliegen der Indigenen mit seiner Gegenwart Öffentlichkeit verschaffen will.

Und er sorgt dafür, dass das Thema weiter auf der Tagesordnung bleibt. Denn für Herbst 2019 hat der Papst eine Bischofssynode zu Amazonien einberufen. Sein Besuch heute war der Auftakt für einen intensiven Beratungsprozess, der neben kirchlichen Fragen immer auch politische Themen streifen wird.

Kritik an "neuer Kolonialisierung"

Das machte Franziskus heute bereits deutlich, als er scharf eine "neue Kolonialisierung" kritisierte. Die sieht er etwa darin, dass aus seiner Sicht Druck ausgeübt wird von internationalen Organisationen "auf bestimmte Länder, damit diese eine Politik der sterilisierenden Reproduktion fördern". Sprich - eine Zwangssterilisation von Frauen lehnt der Papst strikt ab.

Wie er sich überhaupt stark machte für die Rechte der Frauen. "Gewalt gegen Frauen kann nicht als 'normal' angesehen werden, während eine Macho-Kultur aufrecht erhalten wird, die nicht die zentrale Rolle von Frauen in unseren Gemeinschaften anerkennt", mahnte Franziskus.

Worte, die Sprengkraft besitzen

In Puerto Maldonado konnte man einmal mehr den globalisierungskritischen Franziskus erleben. Allerdings lehnt er die Globalisierung nicht grundlegend ab, doch das Diktat der Wirtschaft, das aus seiner Sicht den Globalisierungsprozess bisher bestimmt hat, verurteilt er scharf. Er versucht, ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Das sind zum einen seine eigenen Worte und Taten. Das ist aber auch zum anderen im gewissen Sinne eine Mobilisierung der Indigenen, dass sie für ihre Rechte kämpfen sollen. So ermunterte sie Franziskus heute, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und sicherten ihnen seine weitere Unterstützung zu. "Liebt dieses Land, betrachtet es als Eures", rief er den Indigenen zum Abschluss zu. Worte, die durchaus Sprengkraft besitzen.

Präsident applaudiert kräftig

Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski dürfte sie mit gemischten Gefühlen gehört haben. Zwar applaudierte er immer wieder kräftig bei der Rede des Papstes und dessen Forderung, dass die Indigenen auf Augenhöhe behandelt werden müssten. Doch in der Realität sieht es oft anders aus.

Wirtschaftliche Interessen werden über die Anliegen der Indigenen gestellt. Später wird Papst Franziskus in Lima mit dem Präsidenten sowie Vertretern aus Politik und Gesellschaft zusammentreffen. Dann wird sich zeigen, ob er auch gegenüber den politisch Verantwortlichen die Rechte der Indigenen verteidigt, denen er mit seinem Besuch im Amazonas große Hoffnungen gemacht hat.

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