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Franziskus in Kolumbien - Papst: Die Rache überwinden

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Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das sind für Papst Franziskus die Schlüssel für ein Gelingen des Friedensprozesses in Kolumbien. Bei einem Gebet für Versöhnung nahmen Opfer und Täter des jahrzehntelangen Konflikts teil.

Die Kolumbien-Reise von Papst Franziskus steht unter dem Thema Versöhnung. Besonders greifbar wird das in Villavicencio, über Jahrzehnte eine Hochburg der Farc-Guerrilla.

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Der zweite Tag des Besuchs von Papst Franziskus in Kolumbien stand ganz im Zeichen der nationalen Versöhnung. Ort des Geschehens war eine der am meisten umkämpften Regionen des Landes. In der Region Meta lieferten sich linke FARC-Guerilla und rechte Paramilitärs einen erbitterten Kampf. Von der Provinzhauptstadt Villavicencio sollte nun der entscheidende Impuls für den Frieden ausgehen.

Liebe gegen Hass

Das Versöhnungsgebet am Freitagnachmittag dürfte einer der emotionalsten Momente der Reise gewesen sein. Zwei ehemalige Guerilleros und zwei Opfer erzählten ihre Lebensgeschichte. Einmal mehr wurde die Brutalität des Konflikts deutlich. Sie berichteten, wie ihre engsten Angehörigen ermordet oder verschleppt wurden, wie sie von der Guerilla zwangsrekrutiert oder bei Attentaten versehrt wurden. "Es geht darum, das Unvergebliche zu vergeben", sagt Pastora Mira García, die Vater, den ersten Ehemann und zwei Kinder in dem Konflikt verlor. "Möge der Frieden in Kolumbien siegen", rief sie den mehr als 6.000 Opfern zu, die an dem Gebet teilnahmen.

Großer Beifall war die Antwort. Am Ende der Veranstaltung baten der Papst und die Anwesenden gemeinsam mit dem Gebet des heiligen Franz von Assisi, Gott möge sie zu Werkzeugen des Friedens machen, um "dort, wo Hass und Groll herrscht, Liebe und Barmherzigkeit zu bringen".

Am Vormittag feierte Franziskus einen Gottesdienst, bei dem er zwei Katholiken seligsprach. Der Priester Pedro Maria Ramirez Ramos zählt zu den ersten Opfern des Bürgerkriegs. Er wurde im April 1948 nach ersten Unruhen im Land von einer aufgebrachten Menge erschlagen. Bischof Jesus Emilio Jaramillo Monsalve war im Oktober 1989 bei einem Pfarrbesuch von Milizen entführt und wenig später erschossen aufgefunden worden.

Er war ein scharfer Kritiker der linken ELN-Guerilla. Manche Beobachter werten die Seligsprechung als Signal des Papstes an die Gegner des Friedensprozesses. Unter anderem kritisieren diese, dass die Opfer dabei zu wenig im Fokus stehen und die Regierung den Guerillas zu weit entgegen gekommen sei.

Zukunft nur mit Blick auf Vergangenheit

Auch weiterer Kritik versuchte Franziskus bei der Gelegenheit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Den Weg des Friedens und der Versöhnung zu gehen bedeute nicht, "Unterschiede und Konflikte zu verkennen oder zu verschleiern", auch werde damit nicht "persönliche oder strukturelle Ungerechtigkeit legalisiert". Mehrfach machte Franziskus deutlich, dass der Friedensprozess nur gelingen werde, wenn sich die Kolumbianer ihrer Vergangenheit stellten.

Nur durch die Wahrheit, also eine ehrliche Aufarbeitung des Geschehenen, kann es Versöhnung geben, ist Franziskus überzeugt. Damit möchte der Papst sicherstellen, dass das Schicksal jedes Einzelnen nicht in Vergessenheit gerät. Denn er ist sich bewusst, dass es gerade für die Opfer schwierig ist, den Tätern zu vergeben. Daher fordert er von den Tätern, dass sie ihre Taten anerkennen, sie bereuen und zu einer Wiedergutmachung bereit sind.

FARC bittet um Vergebung

Noch bevor Franziskus diese Worte in Villavicencio aussprach, hatte der Chef der früheren Rebellenmiliz FARC, Rodrigo Londono, den Papst um Vergebung gebeten für die Untaten seiner Organisation. In einem im Internet veröffentlichten Brief an den Papst schreibt er, er bitte um Entschuldigung für jeden Schmerz, "den wir bei der Gesellschaft Kolumbiens oder irgendeiner ihrer Einzelpersonen verschuldet haben".

Franziskus blieb realistisch. Die Versuchung zur Rache bezeichnete er als verständlich. Doch wer es schaffe, sie zu überwinden, werde zu den "glaubwürdigsten Vertretern des Prozesses zum Aufbau des Friedens". "Es genügt eine Person, damit es Hoffnung gibt", so das katholische Kirchenoberhaupt. Franziskus rief die Kolumbianer auf, nicht das Unkraut zu sehen, dass es noch immer gebe. "Gebt auf die Früchte acht: Kümmert euch um den Weizen und verliert nicht den Frieden wegen des Unkrauts."

Papst Franziskus will mit seinem Besuch in Kolumbien den Friedensprozess unterstützen. Ohne Unterlass wirbt er seit seiner Ankunft für Versöhnung. Grundlegende Voraussetzung ist für ihn, dass die Ungerechtigkeit im Land beseitigt wird und sich die Kolumbianer ihrer Geschichte ehrlich stellen. Auffallend ist, dass es dem Papst um eine umfassende Versöhnung geht. Er hat dabei auch die Indigenen im Blick und die Versöhnung mit der Umwelt. Immer wieder erwähnt er die Frauen, die unter den Konflikten, aber auch einer patriarchalen und chauvinistischen Gesellschaft litten. "Ein erster Schritt" lautet das Motto der Papstreise. Ob sie ein erster Schritt in Richtung Versöhnung wird, ist offen. Der Friedensprozess genauso wie der Erfolg des Friedensprozesses. In Kolumbien erlebt man in diesen Tagen allerdings viele Menschen, die den Prozess ernsthaft zu einem Erfolg führen möchten.

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