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Papst Franziskus - Als Pilger des Friedens in Kolumbien

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Als Pilger des Friedens war er gekommen. Als eindringlicher Werber für die Versöhnung wird Papst Franziskus den Kolumbianern in Erinnerung bleiben. Die Kirche im Land forderte er auf, sich mehr die Menschen mit ihren konkreten Problemen zuzuwenden.

Am vorletzten Tag seiner Kolumbienreise hat Papst Franziskus in Medellín vor Hunderttausenden Gläubigen für eine Kirche der Barmherzigkeit geworben. Es gehe darum, den Herausforderungen wie Frieden und Versöhnung gewachsen zu sein.

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Der ganz große Durchbruch scheint ihm nicht gelungen. Doch für Franziskus zählen nicht der kurzfristige Erfolg, sondern Prozesse, die von der Basis ausgehen und sich nach dem Schneeballprinzip ausbreiten. "Uns ist aufgegeben, 'von unten her' einen kulturellen Wandel zu vollbringen", rief er beim Abschlussgottesdienst der Reise am Sonntagnachmittag (Ortszeit) den mehreren hunderttausend Gläubigen im Hafen der Karibikstadt Cartagena zu.

Sicher wäre es eine Sensation gewesen, wenn beim großen Gebet für die nationale Versöhnung am Freitag neben dem amtierende Präsidenten Juan Manuel Santos auch FARC-Chef Rodrigo Londoño und die Symbolfigur für die Kritik am aktuellen Friedensprozesses, Ex-Präsident Álvaro Uribe, dabei gewesen wären. Doch mehr als ein Foto für die Weltöffentlichkeit zählt für Franziskus, dass der Prozess der Aussöhnung im Volk Wurzeln schlägt.

Franziskus prangert soziale Ungleichheit, Korruption und Ausgrenzung an

"Es genügt nicht, gesetzliche Rahmen und institutionelle Vereinbarungen zwischen politischen und wirtschaftlichen Gruppen guten Willens zu planen", mahnte er und ergänzte: "Auf die Kultur des Todes und der Gewalt antworten wir mit der Kultur des Lebens und der Begegnung." Die Begegnung stand im Mittelpunkt des fünftägigen Besuchs von Franziskus in Kolumbien. Er traf Opfer des über fünf Jahrzehnte andauernden Konflikts. Eine Begegnung mit Vertretern der Guerilla gab es nicht, dafür aber mit verwundeten Militärs. Das dürfte ein Zugeständnis an die Kritiker des Friedensprozesses gewesen sein. Die sind überzeugt, dass die Regierung den Tätern zu weit entgegen gekommen ist.

Franziskus machte deutlich, dass nicht um des "lieben Friedens willen" die Verbrechen der Vergangenheit unter den Tisch gekehrt werden dürften. Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehörten beim Prozess der Versöhnung zusammen. Die Täter müssten zu ihren Verbrechen stehen, sie bereuen und zur Wiedergutmachung bereit sein. Dann hätten sie eine zweite Chance verdient, auch wenn es schwer falle, so der Papst zu den Opfern. Offen sprach er an, was aus seiner Sicht die Ursachen für die Gewalt sind, allem voran die soziale Ungleichheit, Korruption und die Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen. Alle müssten in den Prozess der Versöhnung und des Neuaufbaus des Landes einbezogen werden, mahnte er wiederholt. "In der Verschiedenheit liegt der Reichtum", erklärte er beim Treffen mit Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft zu Beginn der Reise.

Papst verlangt Kirche der offenen Türen

Die katholische Kirche Kolumbiens, die in Teilen dem Friedensprozess kritisch gegenübersteht, verpflichtete Franziskus darauf, diesen tatkräftig zu unterstützen. Kritische Worte zur Rolle der Kirche in der Vergangenheit fand er nicht. Er beließ es bei einer Andeutung. "Wieviel haben wir unterlassen, als wir zuließen, dass die Barbarei im Leben unseres Volkes Gestalt annahm?" Er beklagte, zu oft würden "Vorgänge der Gewalt und soziale Ausschließung als 'normal' hingenommen, ohne dass sich unsere Stimme erhebt und unsere Hände prophetisch anklagen".

Das passt zur Aufforderung von Franziskus, dass die Kirche stärker an der Seite der Menschen, vor allem der Armen und Ausgegrenzten stehen müsse. Sie müsse "ihre Bequemlichkeit und ihre Anhänglichkeiten loslassen". Er verlangte eine Kirche, die "keine Zollstation" ist, sondern eine der offenen Türen. "Für alle gibt es Platz, Gesunde und Kranke, Gute und Böse." Kirche wie Politik verpflichtete er auf mehr Umweltschutz. Neben der Versöhnung zwischen den Menschen gehe es auch um eine Aussöhnung mit der Natur, an der die Menschen ihre "Besitzgier und ihr Herrschaftsstreben" ausgelassen hätten.

Als Pilger des Friedens gekommen

Immer wieder holte Franziskus die Krise im Nachbarland Venezuela ein. Er traf sich kurz mit einer Delegation von Bischöfen des Landes und rief dazu auf, eine Lösung im Dialog aller zu suchen. Am Sonntag in Cartagena wurde er deutlich: "Aus dieser Stadt, dem Sitz der Menschenrechte, mache ich einen Aufruf, dass auf jede Art von Gewalt im politischen Leben verzichtet und eine Lösung der schweren Krise gefunden wird." In Cartagena setzte sich Anfang des 17. Jahrhunderts der heilige Pedro Claver für die Sklaven ein, die aus Afrika nach Lateinamerika verbracht wurden. Er gilt als Patron der Menschenrechte.

Als Pilger des Friedens war Papst Franziskus nach Kolumbien gekommen. Pontifex, also Brückenbauer, wollte er sein. Der Besuch könnte ein Fundament geschaffen haben, auf dem Brücken der Versöhnung gebaut werden können. Ein Papst vermag allerdings nur Impulse zu geben. Bauen müssen nun die Menschen in Kolumbien, die Politiker, die Guerilleros, die Opfer und die Täter. Der Wille dazu scheint auf vielen Seiten groß. Den Worten der letzten Tage müssen nun Taten folgen.

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